Ann Widdecombe, britische konservative Ex-Ministerin (78), wurde zu Hause ermordet

11. Juli 2026 in Weltkirche


Großbritannien schockiert: Politikerin, Konvertitin zur katholischen Kirche und Lebensschützerin starb keines natürlichen Todes – Tatverdächtiger festgenommen - Mehrere UPDATES!


London (kath.net/pl) Ann Widdecombe war eine prominente und kämpferische frühere britische Politikerin, die den katholischen Glauben und die moralische Lehre der Kirche im öffentlichen Leben konsequent verteidigte. So portraitiert das „National Catholic Register“ die verstorbene Persönlichkeit.

Die Leiche der 78-jährigen früheren konservativen Ministerin und Sprecherin der Partei „Reform UK“ wurde am Donnerstagmittag von der Polizei in ihrem Haus in Haytor – einem ländlichen Dorf im Dartmoor in Devon – mit schweren Verletzungen aufgefunden. Das berichtete die BBC. Am Freitag bestätigte die Polizei von Devon und Cornwall, dass ein tatverdächtiger Mann – ein weißer britischer Staatsangehöriger – an einer Adresse in Newton Abbot (Devon) festgenommen wurde und sich in Gewahrsam befindet. Der Vorfall wird nicht als terroristischer Akt eingestuft, obwohl im Rahmen der „ersten Ermittlungen“ auch die für Terrorismusbekämpfung zuständigen Polizeieinheiten hinzugezogen worden waren. Polizeisprecher Matt Longman erklärte am Freitag auf einer Pressekonferenz, der Polizei lägen derzeit „keine Informationen vor, die auf ein politisch motiviertes Verbrechen hindeuten“; zudem sei es „zu früh“, um sich dazu zu äußern, ob sich der Verdächtige und Widdecombe kannten, auch stünden die Ermittlungen noch am Anfang.

Der britische Premierminister Keir Starmer (Labour Party) sprach von einer „wirklich schockierenden“ Nachricht, während die Vorsitzende der Konservativen, Kemi Badenoch, sich „bestürzt über diese schreckliche Nachricht“ zeigte. Der Vorsitzende von Reform UK, Nigel Farage, äußerte sich „zutiefst erschüttert über die Umstände ihres Todes“.

Besondere Bekanntheit erlangte Widdecombe, als sie die Church of England nach ihrer Entscheidung verließ, Frauen als „Priester“ zu ordinieren, sie wurde 1993 in die katholische Kirche aufgenommen, berichtete das „National Catholic Register“. Noch im vergangenen Jahr erläuterte sie in einem EWTN-Interview: „Das Großartige am Katholizismus ist, dass er keine Kompromisse eingeht – etwas ist entweder wahr oder falsch. Es ist richtig oder falsch. Es ist eine Sünde oder eben nicht. Es gibt dort nicht dieses endlose Herumdrucksen, wie man es bei der anglikanischen Kirche erlebt“, berichtete das „National Catholic Register“. Die Church of England, so erinnerte sie sich, habe „den Glauben dem Zeitgeist und das Glaubensbekenntnis dem Kompromiss geopfert, und die Zahl der Kirchenbesucher sank. Sie wuchs nicht. Sie konnte auch gar nicht wachsen, denn man verlangte von den Menschen, einem Nebel zu folgen.“ Daher fühlte sie sich ganz natürlich zum katholischen Glauben hingezogen; gegenüber EWTN äußerte sie: „Wenn ich nicht glauben würde, dass dies die eine, wahre Kirche ist, wäre ich keine Katholikin.“ Ihre Aufnahme in die Kirche war, wie sie sagte, die beste Entscheidung, die sie je getroffen hatte. Als Katholikin trat sie entschieden für den Glauben ein und verteidigte die Morallehre der Kirche – insbesondere die Heiligkeit des Lebens und die Ehe zwischen Mann und Frau sowie die Ablehnung von Abtreibung und Drogenkonsum.

Weiter informierte das NCR, dass Widdecombe im Jahr 2010 kurzzeitig als die nächste britische Botschafterin beim Heiligen Stuhl angesehen, dies dann aber durch gesundheitliche Probleme verhindert wurde. Ihre Stimme galt immer als klar, freimütig und konservativ, Um 1999, als sie als Ministerin des Innenministeriums tätig war, erhielt sie eine unerwartete 20-minütige Privataudienz bei Papst St. Johannes Paul II. im Vatikan – ein Privileg, von dem sie glaubte, dass es sechs Jahre zuvor auf der Grundlage ihrer sehr öffentlichen Bekehrung verliehen wurde.

Widdecombes politische Karriere dauerte mehrere Jahrzehnte, sie war 23 Jahre lang Abgeordnete für Maidstone in Kent und amtierte zwischen 1994 und 1997 in der Regierung von Sir John Major als Ministerin für Inneres und Beschäftigung. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Parlament schlug sie eine Karriere im Showgeschäft ein. Als entschiedene Befürworterin des EU-Austritts Großbritanniens zog sie für die Brexit Party ins Europäische Parlament ein und vertrat dort von 2019 bis 2020 die Region Südwestengland. Widdecombe bleibt in Erinnerung auch als unermüdliche Kämpferin für das volle Recht auf freie Meinungsäußerung.

UPDATE 11.7.: Die Diözese Westminster veröffentlichte am Samstag auf ihrem Facebookauftritt folgende Worte von Erzbischof Richard Moth, gemeinsam mit einem Foto von Ann Widdecombe, wie sie als Lektorin am Ambo steht: „Heute Morgen wurde in der Westminster Cathedral – wo sie bisweilen als Lektorin bei der Sonntagsabendmesse diente – eine Heilige Messe für das Seelenheil von Ann Widdecombe gefeiert. Wir beten in dieser Zeit für ihre Familie und ihre Freunde. Möge sie in Frieden ruhen.“

UPDATE: Am Samstag wurde britischen Medienberichten zufolge der Tatverdächtige 26-Jährige wieder freigelassen. Gegen ihn wird nicht weiter ermittelt, offenbar besteht kein Tatverdacht mehr. Die Polizei ermittelt unter Hochdruck weiter gegen Unbekannt.

UPDATE: Die Polizei spricht davon, dass Widdecombe schwere Verletzungen erlitten hatte. Außerdem war sie zwar am Donnerstagmittag gefunden worden, aber die Tat lag nach Polizeiangaben wohl schon ungefähr 24 Stunden zurück.

UPDATE: Bereits am Freitagabend hatte Widdecombes Bischof, Bischof Nicholas Hudson, Bischof von Plymouth, nach ihrem tragischen Tod eine kurze Botschaft veröffentlicht: „Unsere Gedanken und Gebete sind in dieser schweren Zeit bei der Familie und den Freunden von Ann Widdecombe. Ich werde morgen Mittag in der Abtei Buckfast die Heilige Messe für das Seelenheil der Verstorbenen feiern.“

UPDATE: Die Benediktinerabeit Buckfast reagierte auf Facebook mit folgenden Worten auf Widdecombes Tod: 
„Abt und Mönchsgemeinschaft von Buckfast haben mit tiefer Bestürzung vom Tod von Ann Widdecombe unter solch tragischen und erschütternden Umständen erfahren.
Ann besuchte regelmäßig die Gottesdienste in der Abteikirche, insbesondere das feierliche Hochamt am Sonntag sowie die Feiern der Karwoche und der Osterzeit. Viele in unserer Gottesdienstgemeinde kannten sie als freundliche und herzliche Persönlichkeit. Sie wird uns fehlen, und wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.
Ann war eine Frau von tiefem Glauben – einem Glauben, der auch in ihrem politischen Wirken in der Öffentlichkeit zum Ausdruck kam. Sie scheute sich nicht, ihre unerschütterlichen, im römisch-katholischen Glauben verwurzelten Überzeugungen zu vertreten. Sie besaß einen scharfen Verstand und setzte sich engagiert für das Gemeinwohl ein.
Abt und Mönchsgemeinschaft sprechen ihrer Familie und ihren Freunden ihr tief empfundenes Beileid aus. Der Abt wird das morgige feierliche Hochamt um 11:00 Uhr für ihr Seelenheil feiern.
Herr, gib ihr die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihr. Lass sie ruhen in Frieden. Amen.“

UPDATE 12.7.: Erneut wurde ein Tatverdächtiger festgenommen. Nach Angaben der BBC wurde ein 28-jähriger weißer britischer Staatsangehöriger in South Yorkshire festgenommen, etwa 430 Kilometer vom Anwesen Widdecombes entfernt. Die Festnahme wurde von der Polizei vor Ort durchgeführt, unterstützt von Antiterrorfachleuten der Polizei. Nach Polizeiangaben wird weiterhin nicht von Terrorismus ausgegangen. Da die Ermittlungen in hohem Tempo weiterlaufen, hält sich die Polizei derzeit bedeckt und gibt nur wenige Informationen weiter.

Foto: Anne Widdecombe als Lektorin während einer Messfeier (c) Diözese Westminster


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