„Du bist Christ, und Christen spielen keinen Fußball!“

16. Juli 2026 in Weltkirche


Christian Solidarity International: 10 Prozent der ägyptischen Bevölkerung sind Christen. Im Fußball sind sie trotz WM-Teilnahme komplett ausgeschlossen.


Kairo (kath.net/Christian Solidarity International) 10 Prozent der ägyptischen Bevölkerung sind Christen. Im Fußball sind sie trotz WM-Teilnahme komplett ausgeschlossen. Während die FIFA immer wieder beteuert, ein „Zeichen gegen Rassismus“ zu setzen, bleibt das Schicksal der Kopten ausgespart.

Foto: Pixabay

Der Sommer steht noch immer im Zeichen der Fußball-Weltmeisterschaft. Nach dem Ausscheiden Ägyptens gegen Argentinien im Achtelfinale beschwert sich Nationaltrainer Hossam Hassan: „Wir sind ungerecht behandelt worden!“ Hintergrund sind mehrere Schiedsrichterentscheidungen. Die eigentliche Ungerechtigkeit auf dem Platz bleibt dabei völlig im Hintergrund: Sie betrifft die ägyptische Nationalmannschaft selbst.

Denn obwohl die Kopten rund 10 Prozent der ägyptischen Bevölkerung ausmachen, findet sich in der gesamten Nationalmannschaft kein einziger christlicher Spieler. Mehr noch: Selbst in den ägyptischen Clubmannschaften spielt nur ein einziger Kopte. Systematisch werden christliche Fußballspieler aus den Kadern ausgeschlossen.

Die Organisation Coptic Solidarity schreibt: „Derzeit gibt es keine bekannten koptischen Spieler in der ägyptischen Fußballnationalmannschaft, weder in der A-Nationalmannschaft noch in der B-Nationalmannschaft oder den Jugendnationalmannschaften. Dies ist seit Jahren der Fall, obwohl es in Ägypten eine große christliche Minderheit gibt.“ Neben Fußball treffe dies auch auf Basketball, Volleyball, Handball und die olympischen Disziplinen zu.
540 Spieler in den Clubs – und nur ein Christ

In einem Papier aus dem Jahr 2018 berichtet die Menschenrechtsorganisation anhand zahlreicher Beispiele über die Diskriminierung der Kopten im Fußball. Dort steht u. a.:

„Derzeit gibt es 540 Spieler in den Fußballvereinen der höchsten Spielklasse in Ägypten, und unter ihnen befindet sich nur ein koptischer Fußballer. In der ägyptischen Olympia-Delegation nach Brasilien im Jahr 2016 gab es überhaupt keine Kopten, und das Gleiche gilt für die ägyptische Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Weder in der Stammelf noch im Kader ist auch nur ein einziger Kopte zu finden, und folglich gibt es auch keine koptischen Sportkommentatoren in den offiziellen ägyptischen Medien oder in privaten Medien, die sich in muslimischem Besitz befinden.“

Im letzten halben Jahrhundert haben es nur 6 koptische Fußballer geschafft, in einem der wichtigsten Fußballclubs mitzuspielen. Obwohl die Diskriminierung ein offenes Geheimnis ist, tabuisieren die Medien das Geschehen. Als der christliche Sportreporter Khalid Al Ghandour auf den Ausschluss der koptischen Spieler hinweist und die Ungerechtigkeit anprangert, wirft ihm der Sportmedienverband vor, er stachelte zu „Hass“ und „Fanatismus“ an.

Der Sportreporter Yasser Ayoub fasst die Lage so zusammen: „Jeder, der zu beweisen versucht, dass Christen im Fußball diskriminiert werden, gilt als Unruhestifter, der Aufruhr schürt. Das Thema wird deswegen nur im Verborgenen angesprochen, während es öffentlich von allen geleugnet wird.“
Falscher Name, falscher Glaube, falsches Tattoo

Dabei gibt es zahlreiche Berichte aus der koptischen Sportwelt, die das inoffizielle Ausschlussverfahren belegen. Als Pierre Zouhair Shafiq dem Kairoer Fußballclub Al Ahli beitreten will, weist ihm der technische Leiter den Weg zur Ausgangstür, nachdem klar wird, dass er Christ ist. Der El Minya Sports Club fordert einen Spieler dazu auf, zum Islam zu konvertieren, bevor er spielen darf. In einem anderen Fall sollte eine Namensänderung erfolgen; eine verschleierte Aufforderung zur Konversion. Bei einem Spieler reichte ein Kreuz-Tattoo als Ausschlussgrund.

Coptic Solidarity hat allein 25 verschiedene Fälle registriert, in denen christliche Fußballer explizit wegen ihrer Herkunft diskriminiert werden. Bassam Al Sayyid Hawash wollte im Jahr 2007 beim Maghaghah District Club anfangen. Der Trainer sagte ihm: „Du bist Christ, und Christen spielen keinen Fußball!“ Fady Gouda Nakhla, der 2015 beim Club Al Nasr spielen wollte, spricht davon, wie der Trainer seine Fähigkeiten preiste und ihn deswegen „der Zauberer“ nannte. Kaum dass er bei seinen Personalien das Feld mit der Religionszugehörigkeit ausfüllte, entließ er ihn.

Der Ausschluss aus dem Volkssport hat dazu geführt, dass Kopten – häufig im Umfeld ihrer Kirchen – versuchen, eigene Fußballplätze aufzubauen. Meistens sind diese improvisiert, asphaltiert und zu klein. Viele Kirchen organisieren deswegen eigene Turniere. Der Christ Mina Bandari, der ebenfalls von einem Club abgewiesen wurde, versucht mittlerweile mit „Je Suis“ eine eigene koptische Fußball-Akademie aufzubauen. Die Mittel sind gering und die fehlenden Aussichten für Spieler, anschließend einem großen Club beitreten zu können, bleiben ein Problem.
Islamisierung macht auch vor Fußball nicht Halt

Dass die ägyptische Sportszene frei von koptischen Einflüssen bleiben soll, ist auch auf eine bewusste Islamisierung der Gesellschaft zurückzuführen. Im Ausland soll das Bild einer homogenen Nation entstehen. Der ehemalige technische Leiter der ägyptischen Nationalmannschaft, Hassan Shehata, ließ die Mannschaft auf Auslandsreisen stets von einem muslimischen Geistlichen begleiten, der den Koran rezitierte. In einem Interview sagte er: „Die Beziehung eines Spielers zu Gott und sein korrektes Verhalten sind wichtige Faktoren bei der Auswahl der Spieler, die Ägypten auf internationaler Ebene vertreten.“

Dabei ist die Mannschaft nicht nur für die Selbstwahrnehmung wichtig. Mohamed Salah, der als Spitzenspieler der Mannschaft gilt und bekannt geworden ist für seinen offen zelebrierten muslimischen Glauben im Spiel, gilt in dieser Hinsicht als nützliches Instrument. So zitiert Coptic Solidarity ein Statement der Al-Azhar-Universität: „Jedes Tor, das Mohamed Salah schießt, fördert den Islam in Europa, lässt die Engländer den Islam in den höchsten Tönen loben und verändert die Sichtweise der Europäer auf den [islamischen] Bart.“

Auch am Namen der ägyptischen Nationalmannschaft hat sich deswegen Streit entzündet. Während der Spitzname „die Pharaonen“ die international geläufige ist, gibt es in Ägypten selbst zahlreiche Stimmen, die den Namen „die Niederknieenden“ bevorzugen. Zahlreiche ägyptische Sportler zelebrieren ihre Erfolge mit einer Prostration. Diese Niederwerfung kommt zwar auch in anderen Religionen vor, gilt aber als dezidiert „islamisch“. Anders als mit dem antiken Erbe können sich die Christen damit deutlich weniger identifizieren.

Irakisches Gegenbeispiel

Während deutsche Medien beim Thema „Rassismus im Fußball“ vor allem auf Sportler mit Migrationshintergrund blicken, bleibt der Elefant im Raum weiterhin unerwähnt. Die Kopten sind eine ethnisch-religiöse Gruppe, die als eigentliche Urbevölkerung des Nillandes in direkter Tradition der alten Ägypter steht und dem Christentum seit der Evangelisierung durch den Heiligen Markus angehört. Ihre Ausgrenzung bleibt aber in den Augen der ägyptischen wie auch der internationalen Medien und Fußballverbände offenbar ein Kavaliersdelikt.

Dabei gibt es auch ein bekanntes Gegenbeispiel: In der irakischen Mannschaft sind gleich mehrere Minderheiten vertreten, darunter Kurden und assyrische Christen. Der Mittelfeldspieler Aimar Sher ist einer der letzten 150.000 Christen, die in ihrer Heimat geblieben sind. Auf Social-Media-Posts posiert er mit einem „I Belong to Jesus“-Shirt.


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