
16. Juli 2026 in Spirituelles
Unter diesem Motto fand am Fest des Hl. Benedikt von Nursia in der Abtei Niederaltaich die Priesterweihe von Pater Symeon Maria OSB durch den Passauer Bischof Stefan Oster statt. Von Vianney Verena Fabekovec
Niederaltaich (kath.net) Die Abtei Niederaltaich im Bistum Passau ist eine der ältesten Benediktinerabteien Deutschlands. Die Besonderheit dieses Ortes besteht darin, dass die Mönche dort in zwei Traditionen beten und leben - dem römischen Ritus und dem byzantinischen Ritus. Dies geht auf das Apostolische Schreiben Equidem verba vom 21. März 1924 von Papst Pius XI zurück. Er lädt darin die „eifrigen“ kulturschaffenden Benediktiner, die durch die gemeinsamen Mönchsväter geistig eng mit der Ostkirche verbunden sind, ein „zu inständigem Gebet zu Gott um die Einheit sowie zu tätiger Inangriffnahme zweckdienlicher Werke“. Besonders hatte Pius XI. die russischen Volksscharen im Sinn, über die seit der Oktoberrevolution 1917 große Leiden hereingebrochen waren. Sein Wunsch war, hierfür pro Kongregation je eine Abtei mit ausgewählten Mönchen zu bestimmen, die – „entsprechend gründlich ausgebildet in Sprache, Geschichte, Charakter und Geistesart, besonders aber in Theologie und Liturgie jener Völker – recht befähigt wären, das Werk der Einheit zu fördern“. Sie sollten zudem „durch Wort und Schrift dazu beitragen, dass auch im Abendland die Sehnsucht nach Einheit und die Kenntnis der Kontroverspunkte zwischen dem Osten und uns sich erweitert“, wie Pius XI. erklärte.
Die Festlichkeiten zu diesem Anlass begannen bereits am Freitag. Gäste aus Nah und Fern reisten für dieses Ereignis an, sogar aus Belarus. Abends fand eine Pannychida statt – das Totengedenken im byzantinischen Ritus.
Am Samstag zelebrierte S.E. Bischof Oster das Pontifikalamt, in dessen Rahmen die Priesterweihe stattfand. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von der Band Ecclesiophon aus Berlin und einem eigens dafür gegründeten Projektchor.
In seiner Predigt betrachtete Bischof Stefan drei Aspekte: Umwege – den Hl. Benedikt – das Priestertum.
Zu Beginn skizzierte er Ausschnitte aus dem abwechslungsreichen Leben des Weihekandidaten. Die Stationen und vielen verschiedenen Tätigkeiten führten ihn – als „wahrhaft Gottsuchenden“ (RB, Kapitel 58,7) - schlussendlich nach Niederaltaich.
Im zweiten Teil der Predigt ging er auf den Hl. Benedikt ein, dessen Fest an diesem Tag gefeiert wurde und der als Ordensgründer für Niederaltaich zentral ist. Er betonte insbesondere die Herausforderung des Gemeinschaftslebens, verbunden mit der benediktinischen Besonderheit der „stabilitas loci“, das bedeutet, dass ein Mönch sich nicht nur fest an eine Regel bindet, sondern an eine ganz bestimmte Abtei und dort im Normalfall den Rest seines Lebens verbringt. Besonders betonte er die zwölf Stufen der Demut, die im Kapitel 7 der Regel des Heiligen Benedikt behandelt werden. Hier verwies Bischof Oster auf das Primizbild nach einer berühmten Darstellung in der mittelalterlichen Abtei von Vézelay in Frankreich und den Primizspruch: „Du, der Du Judas trägst nach Hause, trage auch mich“
„Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus“ (Jes, 42,4)
Bischof Oster hierzu: „Und das kommt wohl auch sogar in diesem Bild, in diesem Menschen zum Ausdruck. Der abgründig demütige Jesus, der den Weg nach unten genommen hat, Mensch geworden ist, sich freiwillig hat foltern und quälen lassen, und wir beten sogar im Glaubensbekenntnis: Hinabgestiegen in das Reich des Todes.
Ordensleben fordert, fast notwendig, ein Herabsteigen. Auch in dem Sinn, wie es in der zweiten Lesung geheißen hat: Ertragt einander in Liebe. Und diese Liebe haben wir nicht automatisch aus uns selber, […] Diese Liebe kommt von unserem Herrn, der immer und in jeder Situation sein Ja zu uns erneuern möchte.“
Der dritte Teil beschäftigte sich mit dem Thema „Priester sein“. Zentrale Gedanken waren hierzu die Spannung zwischen der Schönheit des Dienstes, der Größe des Sakramtentes und der Demut. Er betonte, dass keiner Priester aus sich selbst heraus sei, sondern dass es sich immer um ein Geschenk handle. Ein Geschenk von Gott an den Priester und durch den Priester hindurch durch die Sakramente an die Menschen.
Abschließend dankte er Frater Symeon Maria für seine Bereitschaft zum Priestertum, die er mit seinem „adsum“ zu Beginn des Gottesdienstes bekräftigt hat.
Die Weiheliturgie begann mit der Herabrufung des Hl. Geistes und dem Versprechen des Weihekandidaten. Ein besonders eindrücklicher Ritus ist die Allerheiligenlitanei, während der Bischof, Klerus und Gemeinde knien, der Weihekandidat sich aber ausgestreckt auf den Boden legt.
Nun folgte die eigentliche Weihe, die durch die stille Handauflegung des Bischofs wirkmächtig wird. Im Anschluss legten der Abt und die Konzelebranten zur Bekräftigung ebenfalls dem nun Neugeweihten die Hände auf. Durch diese stille und einfache Geste wird seit Anbeginn der Kirche Dienst und Amt weitergegeben.
Die Handauflegung durch Bischof Oster
Aus Frater Symeon Maria wurde nun Pater Symeon Maria.
Am Ende des Gottesdienstes spendete der Neupriester erstmals den priesterlichen Segen. Nach dem feierlichen Te Deum zogen die liturgischen Dienste zum Marienaltar, der „Maria, Mutter der Schmerzen“ geweiht ist. Dort wurde der byzantinische Mariengruß „Hilfe der Christen“ gesungen.
Die Feier im Anschluss fand gemeinsam mit dem Schulfest des Gymnasiums St. Gotthard im Klosterinnenhof statt und hob so die Verbundenheit der Schulfamilie mit dem Kloster hervor.
Am nächsten Tag feierte P. Symeon Maria in der Basilika seine Primiz. Dieser Gottesdienst wurde musikalisch vom Offizium N gestaltet.
Die Primizpredigt hielt ein langjähriger Wegbegleiter des Neupriesters, Roland Schmitz, seit 2025 Pastor im pastoralen Raum Paderborn. Anhand des Primizspruches und des Wortes aus den Weiheexerzitien „Du bist der Atem der Ewigkeit, du bist der Weg in die neue Zeit“ zeichnete er den Weg Symeon-Marias mit sehr persönlichen Aspekten aus dessen Vita nach.
Zum Thema Priestertum erinnerte sich der Festprediger:
„Lieber Symeon, als Du in Paderborn warst, hast Du einmal zu mir gesagt: “Ich bin dein Schaf, hallo Hirte.“ […] Und gestern habe ich zu dir gesagt: „Hallo Hirte!“ Und du sagtest: „Okay, jetzt müssen wir das neu eröffnen.“ Und irgendwie sind alle Hirten auch Schafe und alle Schafe auch Hirten. Das ist das Zusammenspiel, und das tut gut, aber wir dürfen einander eben selbstbegleitend tragen, und getragen untereinander sein.“
Am Abend schließlich spendete der Neupriester im Rahmen einer lateinischen Vesper den Einzel – Primizsegen, für den es, so ein bayerisches Sprichwort, sich buchstäblich lohnt, ein paar Schuhsohlen durchzulaufen.
Dankbar blickten alle, die daran teilnehmen durften, auf dieses gnadenreiche Wochenende zurück, das spürbar nicht nur be-GEISTert hat, sondern auch durchdrungen war von der Kraft des Heiligen Geistes.
Fotos: Bischof Stefan Oster mit dem neugeweihten Priester Pater Symeon Maria OSB © Vianney Verena Fabekovec
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