
21. August 2026 in Weltkirche
Wenn Papst Leo auf die Rosenkranzbasilika blickt, werden die großen Mosaike des Ex-Jesuiten nicht mehr sichtbar sein – Bischof Micas: Es geht um Rücksicht gegenüber den Opfern von sexuellem Missbrauch, die hier Trost und Heilung suchen
Lourdes (kath.net) Bischof Jean-Marc Micas von Tarbes und Lourdes stellte fest, dass anlässlich des Besuchs von Papst Leo XIV. in Lourdes Ende September alle Rupnik-Mosaike, die die Fassade der Rosenkranzbasilika schmücken, verhüllt werden. Er äußerte sich gegenüber der Zeitung „La Nouvelle République des Pyrénées“ mit. Diese Maßnahme wird auch nach der Abreise des Papstes bestehen bleiben. Darüber berichtete das katholische Portal „Aleteia“ in seiner französischsprachigen Ausgabe. Damit wird Besuch von Papst Leo XIV. in Lourdes Ende September wird eine deutliche Veränderung des Erscheinungsbildes des Wallfahrtsortes mit sich bringen: An der Rosenkranzbasilika werden die großen Rupnik-Mosaike, die deren Fassade bedecken, nicht mehr sichtbar sein.
Der Bischof von Tarbes und Lourdes kündigte an: „Alle Kunstwerke an der Fassade werden verhüllt und anschließend im Kontext der apostolischen Reise von Papst Leo XIV. neu gestaltet.“ „Die Mosaike bleiben auch nach der Pilgerreise des Heiligen Vaters verhüllt; im Anschluss daran wird ein neuer Reflexionsprozess eingeleitet. Die derzeitige Kommission wird erweitert – insbesondere um Künstler und Theologen –, um über die Zukunft der Fassade der Basilika zu beraten.“
Hinter dieser Entscheidung steht eine schmerzhafte Problematik: Die Mosaike wurden 2008 anlässlich des 150. Jahrestags der Erscheinungen von Marko Rupnik und seinem Atelier geschaffen. Gegen den international renommierten slowenischen Priester und Mosaikkünstler liegen inzwischen aber Anschuldigungen zahlreicher Frauen, vorwiegend Ordensfrauen, wegen sexuellen, spirituellen und psychischen Missbrauchs vor, die bis in die 1990er Jahre zurückreichen. Nach einem kirchenrechtlichen Verfahren wurde er im Juli 2023 dauerhaft aus der Gesellschaft Jesu (Jesuitenorden) entlassen. Zudem wurde ihm jede öffentliche künstlerische Tätigkeit untersagt.
Bischof Micas erläutert zu dieser Problematik: „Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass der Wallfahrtsort alle willkommen heißt, insbesondere die Leidenden. Zu ihnen gehören Opfer von Missbrauch und sexuellen Übergriffen, sowohl Kinder als auch Erwachsene. Doch seit Bekanntwerden der schweren Anschuldigungen gegen Pater Marko Rupnik ist es für diese Opfer schwierig, wenn nicht gar unmöglich geworden, hierherzukommen...“ Doch nach seiner Einschätzung ist es die eigentliche Berufung von Lourdes, diese Menschen in den Mittelpunkt zu stellen: „Die Leidenden und Verwundeten, die Trost und Heilung suchen, müssen in Lourdes einen bevorzugten Platz einnehmen. Das ist die besondere Gnade dieses Wallfahrtsortes: Nichts darf sie daran hindern, der Einladung Unserer Lieben Frau zu folgen und hierher zu pilgern“, berichtete „Aleteia“ anhand der Worte des Bischofs gegenüber „La Nouvelle République des Pyrénées“.
Der Wallfahrtsort ringt bereits seit Jahren um eine Lösung dieser Frage. „Es gibt weltweit Werke von Rupnik – und zwar weitaus größere“, erinnert Bischof Micass, aber „dennoch spricht man nur von denen in Lourdes ... Dies unterstreicht die symbolische Dimension der Botschaft von Lourdes im Hinblick auf die Opfer sexueller Gewalt. Und es legt uns eine besondere Verantwortung auf.“
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