
15. September 2026 in Spirituelles
Anlässlich der Beisetzung des norwegischen Königs Harald VI. erläutert die offizielle Internetseite der katholischen Kirche in Norwegen Basiswissen über die katholische Lehre zu Leib und Seele und warum man für Verstorbene betet.
Oslo (kath.net/pl) „Ich erwarte die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt.“ Diesen Satz aus dem Glaubensbekenntnis zitiert der Pfr. Ole Martin Stamnestrø in seinen Erläuterungen zur katholischen Lehre über Tod und Gericht auf der Internetseite der katholischen Kirche in Norwegen, „Den katolske kirke“. Anlass dafür ist die Beisetzung des (evangelischen) Königs Harald V. vor wenigen Tagen. Auch die katholische Kirche feierte ein Requiem für den König.
„Im Tod trennen sich Leib und Seele, doch eines Tages werden sie wieder vereint“, erinnert der Priester. Zunächst gehe die Seele ihren Weg allein weiter. Nach katholischer Lehre stehe jeder Mensch unmittelbar nach dem Tod vor seinem individuellen Gericht – dem „Partikulargericht“.
„Jeder Mensch empfängt im Moment des Todes in seiner unsterblichen Seele die ewige Vergeltung. Dies geschieht in einem besonderen Gericht, das sein Leben auf Christus bezieht – entweder durch eine Läuterung hindurch oder indem er unmittelbar in die himmlische Seligkeit eintritt oder indem er sich selbst sogleich für immer verdammt.“ Katechismus der Katholischen Kirche, 1022
Zugleich lehrt die Kirche, dass viele derer, die für den Himmel bestimmt sind, einer Läuterung bedürfen. Dies ist gemeint, wenn vom Fegefeuer (Purgatorium) die Rede ist. „Wir glauben, dass es Gott gefällt, diese Läuterung durch unsere Fürbitten zu erleichtern.“ „Es ist unsere Pflicht, unsere Verantwortung und unser Vorrecht“, so Pfarrer Ole Martin.
Der Mensch ist als Einheit von Leib und Seele erschaffen, betont der Priester. Der verstorbene Leib muss daher mit Respekt und Würde behandelt werden. „Es ist nicht so, dass die Seele der eigentliche Mensch ist und der Leib bloß eine leere Hülle.“
Vielmehr hat „jede sterbliche Hülle einen Wert als Tempel des Heiligen Geistes (vgl. 1. Kor 6,19). Sie dient uns zudem als Memento mori – als Erinnerung an unsere eigene Sterblichkeit.“
In der katholischen Tradition nehmen die irdischen Überreste von Heiligen – Reliquien – einen besonderen Stellenwert ein, erinnert der Priester. „Diese Überreste zeugen von unserer Hoffnung auf die Auferstehung und davon, dass wir den Tod nicht fürchten müssen.“
Dann weist er darauf hin, dass der evangelische Trauergottesdienst „würdevoll“ gewesen war, merkt jedoch an, dass er sich von einem katholischen Requiem unterscheidet. „Aus der Sicht der lutherischen Theologie ist die Feier der Heiligen Kommunion bei einer Trauerfeier völlig fremd.“ Aus katholischer Sicht hingegen ist sie wünschenswert.
Dies liege dem Priester zufolge im Unterschied des Verständnisses vom [evangelischen] Abendmahl und [katholischer] Eucharistie. Bei einem Requiem werde nicht nur für den Verstorbenen gebetet, sondern auch das Opfer der Messe selbst dargebracht.
„Wenn die Feier in der Kirche stattfindet, ist die Eucharistie die Mitte der österlichen Wirklichkeit des christlichen Todes [Vgl. OEx 1]. In ihr bekundet die Kirche ihre wirkkräftige Gemeinschaft mit dem Verstorbenen: Sie bringt dem Vater im Heiligen Geist das Opfer des Todes und der Auferstehung Christi dar und bittet ihn, sein Kind von seinen Sünden und deren Folgen zu reinigen und es in die österliche Fülle des himmlischen Hochzeitsmahles aufzunehmen.“ Katechismus der Katholischen Kirche, 1689
Das mächtigste Gebet
Die katholische Kirche war nicht immer offen dafür, Requiem-Messen für Nichtkatholiken zu feiern. „Früher gab es diesbezüglich strenge Regeln, doch schließlich wurden Ausnahmen gemacht – etwa für Staatsoberhäupter“, erklärt Pfarrer Ole Martin.
Er führt die Bereitschaft der Kirche, für nichtkatholische Staatsoberhäupter Ausnahmen zu machen, auf die Tugend der Gerechtigkeit zurück. „Es ist eine Pflicht, die uns im Namen der Gerechtigkeit auferlegt ist und die wir dem Verstorbenen schulden.“
Er verweist auf das vierte der Zehn Gebote: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.“ Der Katechismus weitet dieses Gebot auf unsere Beziehung zu jenen aus, denen der Dienst an der Gemeinschaft anvertraut ist – einschließlich der Pflichten der Bürger gegenüber den Regierenden (KKK 2199). Pfr. Martin betont, dass die Kirche die Heilige Messe als das mächtigste Gebet betrachtet, das sie für Verstorbene darbringen kann.
Eine größere Verantwortung
Spielt die Stellung, die ein Mensch im Leben innehatte, für den Verstorbenen eine Rolle? „Nackt sind wir gekommen, und nackt kehren wir zurück. In diesem Sinne sind wir alle gleich. Doch das Werk, das wir auf Erden vollbringen, nehmen wir mit in die Ewigkeit“, antwortet der Priester. Er bezieht sich auf das Bild des Apostels Paulus vom Lebenswerk eines Menschen, das eines Tages im Feuer geprüft werden wird.
„Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus. Ob aber jemand auf dem Grund mit Gold, Silber, kostbaren Steinen, mit Holz, Heu oder Stroh weiterbaut: Das Werk eines jeden wird offenbar werden; denn der Tag wird es sichtbar machen, weil er sich mit Feuer offenbart. Und wie das Werk eines jeden beschaffen ist, wird das Feuer prüfen.“ 1. Korinther 3,11–13
„Es geht darum, wie man seine Berufung gelebt hat. Die Vorstellung, dass ein Mensch eine Berufung im Leben hat, gehört sowohl zum katholischen als auch zum allgemeinen christlichen Denken“, erläutert der Priester und verweist auf die Worte in der zweiten Strophe des Königsliedes, in denen von den Norwegern die Rede ist – „jeder in seiner Berufung, seinem Stand“. „Manche Berufungen bringen eine größere Verantwortung mit sich. ‚Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden‘ (Lukas 12,48). Deshalb sollten wir besonders für diejenigen beten, die große Verantwortung getragen haben“, schloss der Priester seine Ausführungen.
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