
16. September 2026 in Aktuelles
Tausende feierten Festmesse im Marienheiligtum Sastin - Weihbischof Halko bekräftigt die Position der katholischen Kirche zum Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod
Sastin/Bratislavas (kath.net/KAP) Aufrufe zu gesellschaftlichem Zusammenhalt, Lebensschutz und zur Bedeutung von Ehe und Familie kennzeichneten die Ansprachen bei der slowakischen Nationalwallfahrt in Sastin. Auch Staatspräsident Peter Pellegrini nahm an der vom Pressburger Erzbischof Stanislav Zvolensky am Sonntag geleiteten Festmesse mit tausenden Gläubigen teil. Die Predigt hielt Weihbischof Jozef Halko im Beisein etlicher Bischöfe und Vertreter des öffentlichen Lebens, unter ihnen Nuntius Nicola Girasoli. Die Wallfahrt erinnerte auch an den fünften Jahrestag des Besuchs von Papst Franziskus (2013-2025) in dem Marienheiligtum. Franziskus hatte im September 2021 seine viertägige Slowakei-Reise mit einer Messe in Sastin beendet und Maria als Vorbild des Unterwegsseins, der Prophetie und des Mitgefühls beschrieben.
Weihbischof Halko nahm in seiner Predigt die restaurierte blaue Eingangspforte der Basilika der Sieben Schmerzen Mariens zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen. Maria werde in der christlichen Tradition als "Tor zum Himmel" bezeichnet. Gleichzeitig erinnerte Halko an die Worte von Papst Franziskus, Maria sei "der Weg". In diesem Bild seien Ausgangspunkt, Richtung und Ziel des christlichen Lebens enthalten, erklärte der Weihbischof. Maria sei die "Mutter der Pilger", weil sie die Menschen zu Jesus Christus führe. Halko bezeichnete Maria deshalb auch als Vorbild eines aktiven und verantwortungsbewussten Glaubens. Christlicher Glaube dürfe sich nicht auf bloßes Abwarten beschränken, sondern müsse zu konkretem Handeln und zur Bereitschaft führen, Verantwortung für andere zu übernehmen.
Unter Verweis auf Mutter Teresa, deren Heiligsprechung sich vergangene Woche zum zehnten Mal jährte, erinnerte Halko an die Bedeutung der Liebe Jesu in den Familien und an den Auftrag, jedes menschliche Leben zu schützen. Angesichts aktueller Kriege lenkte er den Blick besonders auf leidende Mütter und verwaiste Kinder. Zugleich bekräftigte der Weihbischof die Position der katholischen Kirche zum Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod. Frauen in Konflikt- und Krisensituationen dürften nicht allein gelassen werden, betonte Halko. Die Kirche wolle ihnen konkrete Hilfe, Begleitung und Unterstützung anbieten. Der Schutz ungeborener Kinder müsse mit tätiger Solidarität gegenüber den betroffenen Frauen und Familien verbunden sein.
Halko lud in diesem Zusammenhang zur Teilnahme am für 20. September in Bratislava geplanten "Nationalen Marsch für das Leben" ein. Die slowakischen Bischöfe haben die Schirmherrschaft über die Veranstaltung übernommen, die für den Schutz des Lebens, für Ehe und Familie sowie für verantwortete Elternschaft eintreten will.
Pellegrini und Nuntius mit Mahnungen zu Dialog und Toleranz
Nuntius Erzbischof Girasoli rief in Sastin zu Einheit, Dialog und zur Bewahrung der Identität des Landes auf. Maria helfe nicht nur dabei, Gott näherzukommen, sondern auch die Spannungen und Widersprüche innerhalb der Gesellschaft wahrzunehmen. "Die Integrität und Identität unseres Landes kann nur gestärkt werden, wenn wir gemeinsam unterwegs sind", sagte Girasoli. Ein solches gemeinsames Unterwegssein könne Spannungen abbauen, Mauern überwinden und eine Kultur des Dialogs und des gegenseitigen Respekts fördern. Die Menschen sollten hoffnungsvoll bleiben und gemeinsam für das Wohl ihres Landes arbeiten.
Staatspräsident Pellegrini griff den Appell des Nuntius auf. Der Feiertag der Schmerzensmutter müsse die Menschen ermutigen, Wege zueinander zu suchen und auch dort miteinander zu sprechen, wo ein Dialog kaum noch möglich erscheine, so das Staatsoberhaupt. Unterschiedliche Meinungen dürften nicht dazu führen, dass der gegenseitige Respekt verloren gehe. Ebenso dürfe die Gesellschaft nicht die Bereitschaft verlieren, Menschen in Not zu helfen.
Die Forderung nach Einheit sei angesichts der angespannten gesellschaftlichen Lage in der Slowakei, in Europa und weltweit besonders dringlich, sagte Pellegrini. Persönliche Barrieren und Feindseligkeiten müssten um eines höheren Gemeinwohls willen überwunden werden. Es genüge nicht, lediglich über Zusammenhalt, Toleranz und Versöhnung zu sprechen. Diese Werte müssten sich im Alltag und im gemeinsamen Handeln widerspiegeln.
Kontroverse um Feiertag am 15. September
Überschattet wurde die diesjährige Wallfahrt von der Entscheidung, den Feiertag Mariä Sieben Schmerzen am 15. September vorerst nicht als arbeitsfreien Tag zu begehen. Den entsprechenden Beschluss hatte das Parlament schon im Vorjahr im Rahmen der staatlichen Konsolidierungsmaßnahmen gefasst. Der kirchliche und staatliche Feiertag wurde dabei formal nicht abgeschafft; aufgehoben wurde für dieses Jahr jedoch die Arbeitsruhe.
Der Heilige Stuhl hatte einer entsprechenden vorübergehenden Regelung auf Vorschlag der slowakischen Regierung zugestimmt. Die Slowakische Bischofskonferenz verlegte deshalb den Schwerpunkt der Nationalwallfahrt auf den Sonntag, um möglichst vielen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen.
Copyright 2026 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
(www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten
© 2026 www.kath.net