„Ceresanis reale Eschatologie zum Jubiläum 2033 spricht in dieser Form des Romans…“

9. Oktober 2026 in Kommentar


„… viele Menschen an, die sich in der kirchlich und theologisch geprägten Sprache nicht recht zu Hause fühlen.“ Präsentation der Neuerscheinung von Cristiano Ceresani: „2033. Quando la terra divenne Cielo.“ Von Gerhard Card. Müller, Roma


Rom (kath.net) kath.net dokumentiert die Buchvorstellung von Gerhard Kardinal Müller zu „Cristiano Ceresani, 2033. Quando la terra divenne Cielo. Romanzo; Cantagalli, Siena 2026, 408p.“ im deutschsprachigen Original:

Für einen Theologieprofessor der alten Schule ist es nicht so leicht ein Buch zu präsentieren, das ein Mysterium unseres Glaubens nicht schulmäßig in Form eines wissenschaftlichen Traktates abhandelt, sondern in der literarischen Gattung eines Romans darstellt. Aber diese stilistische Verfremdung kann sich auf ein großes Vorbild der Weltliteratur berufen. Kein geringerer als Dante Alighieri hat in der Divina Commedia die klassische Eschatologie dargestellt als epische Dichtung, in welcher der Erzähler den Leser mitnimmt auf eine Reise ins Jenseits. Durch die Kreise der Hölle über den Berg der Läuterung führt der Dichter den gläubigen Leser zum Paradies bis hin zu Schau Gottes von Angesicht zu Angesicht. Und am Ende bekennt der im dreieinigen Gott vollendete Menschen, dass er die Ankunft am Ziel seiner Wünsche nur dem Licht-Blitz des Göttlichen Geistes verdankt. Und il Sommo Poeta beschließt seine religiöses Epos mit den unsterblichen Worten: „Wie dies geschah, sagt keine Phantasie, Doch all mein Wünschen jetzt und all mein Wollen, Schwang sich im gleichen Kreise mit der Liebe, Die unsere Sonne treibt und alle Sterne – l’amor che move il sole e l’altre stelle.“ 

So wie Dante den 33. Gesang in die ewige Einheit der Erlösten hinein klingen lässt in die dreieinige Liebe, so endet auch die Reise des jugendlichen Helden Giovanni in Ceresanis Roman 2033, dem Großen Jubiläum von Kreuz und Auferstehung des Verbum incarnantum, mit den Worten: „Il mistero non era finita. Era appena rinato. E Giovanni viaggia ancora fra le stelle. – Das Geheimnis war nicht beendet. Er war gerade wiedergeboren worden. Und Giovanni reist immer noch zwischen den Sternen.” (p. 408).

Explizierte einst Dante die christliche Eschatologie in Form einer Reise im Jenseits zwischen Hölle und Himmel, so geht der Weg von Ceresanis Romanhelden Giovanni mehr von der Erde und ihrer Bedrängnis zum Himmel. Der Himmel ist aber nicht ein statisches Jenseits der Welt und ein grenzenloser Zeitraum nach dem Tode, sondern Jesus Christus in Person, der – wie er wörtlich verheißen hat – wiederkommt als Richter und Retter der ganzen Menschheit.

Was aber Dante Alighieri und Cristiano Ceresani verbindet ist der Realismus in der Eschatologie. Der Autor unseres Romans nimmt alle eschatologischen und apokalyptischen Stellen des Neuen Testaments in den Evangelien, bei Paulus und besonders in seinen Briefen an die Thessalonicher mit dem Hinweis auf den Antichristen mitten im Tempel Gottes (2 Thess 2, 3f) und vor allem die Apokalypse des Johannes auf und interpretiert sie in den 26 Kapiteln des Buches konsequent im Sinn des Heilsrealismus des katholischen Glaubens. 

Das ist der unüberbrückbare Unterschied zu den bloß metaphorischen und moralisierenden Auslegungen der Heiligen Schrift in der liberalen Theologie des Kulturprotestantismus und seines katholischen Zwillingsbruders im Modernismus/Progressismus. Diese hermeneutische Aushöhlung der Botschaft Christi und ihre Umdeutung in eine humanistische Veredelung des bürgerlichen Menschen und ein soziales Programm der Weltverbesserung in einem irdischen Paradies, hat ihren Ursprung in der Reduktion des Glaubens an den Gott der Selbstoffenbarung in Christus auf den deistischen Gott der Aufklärung und der Reduktion der christlichen Anthropologie auf ein moralisches Programm der irdischen Glückseligkeit. Das Programm der banalen Wellness ersetzt die notwendige Konversion des Sünders und verzichtet auf die Neuschaffung des Menschen und auf seine Erhebung in die Gottessohnschaft in Jesus Christus und in die Gottesfreundschaft im Heiligen Geist.

Sowohl bei Dante als auch bei Ceresani als auch in der ganzen rechtgläubigen katholischen Theologie heißt das Prinzip der Auslegung der Offenbarung in Heiliger Schrift und Apostolischer Tradition unter der Leitung des Lehramtes in apostolischer Vollmacht so: Das Wort Gottes beim Wort nehmen. Das Wort Gottes ist der ewige Sohn des Vaters. Dieses Wort ist Fleisch geworden ist und hat uns in den menschlichen Worten Jesu von Nazareth die Erkenntnis der Herrlichkeit des dreifaltigen Gottes gebracht hat (Joh 1, 14-18). Zu ihm hat Petrus in Namen der Kirche aller Zeiten gesagt: „Du hast Worte des ewigen Lebens.“ (Joh 6, 68). Christus, das Fleisch gewordene Wort in Person, ist der Literalsinn der Bibel. Die von Jesus verkündeten Ereignisse der Endzeit vor seiner Wiederkunft, die alle kosmischen, sozialen und intellektuellen und moralischen Dimensionen des Menschseins unwiderstehlich ergreifen sind keine Metaphern für ein Psychodrama, neben dem die reale Welt unbeeindruckt weiterläuft. Das Wirken Gottes in der Welt, in Geschichte und Gesellschaft ist real und hat reale Auswirkungen. 

Der Roman „2033“ hat nichts zu tun mit einem Katastrophenszenario in der Machart von Hollywoodfilmen. Es geht vielmehr um die Enthüllung (=Apokalypse) der Situation des Menschen, der mit seinem transhumanistischen Erlösungsprorammen ohne Gott im Chaos und Abgrund versinkt. Es ist bezeichnend, dass sich die sozialistischen und existentialistischen Erlösungsprogramme durch die Hochtechnologie und Wissenschaft, die Sozial- und Psycho-Technik auf mythologische Gestalten Prometheus (bei Marx) auf Sisyphos (bei Camus) und Ödipus (bei Freud) berufen, statt auf die historische Gestalt Jesus Christi. Nicht in vagen Utopien und Illusionen, sondern im menschlichen Antlitz Jesu leuchtet uns die Göttliche Herrlichkeit des Vaters auf. „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“, erklärt Jesus dem Apostel Philippus, der zu ihm gesagt hatte: „Herr, zeig uns den Vater.“ (Joh 14,9). Und die Jünger Christi erkennen im menschlichen Angesicht des Sohnes Gottes zu welcher Hoffnung sie berufen sind, nämlich zur Freiheit und Herrlichkeit des Kinder Gottes (Röm 8, 21). „Wenn unser Evangelium dennoch verhüllt bleibt, ist es nur denen verhüllt, die verlorengehen. Der Gott dieser Weltzeit hat das Denken der Ungläubigen verblendet. So strahlt ihnen der Glanz der Heilsbotschaft nicht auf, der Botschaft von der Herrlichkeit Christi, der Gottes Ebenbild ist… Denn Gott, der sprach: ‚Aus Finsternis soll Licht aufstrahlen‘, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi.“ (2 Kor 4, 3-6). 

Wer nur einmal nüchtern und realistisch die Geschichte des „Humanismus ohne Gott“ (Henri de Lubac) im 19. und 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart an seinem geistigen Auge vorbeiziehen lässt, der begreift, dass die alten und neuen Programme einer gnostischen Selbsterschaffung und Selbstvergottung fatalerweise enden mussten in den beiden Weltkriegen, im Gulag, in Auschwitz und der chinesischen Kulturrevolution mit Millionen Toten. Und durch die Szene der Gegenwart fegen die apokalyptischen Reiter mit Krieg, Seuchen, Hunger, Umweltzerstörung und Massenmord an Seele und Leib der Menschen. Anstatt den falschen Propheten zu misstrauen und zu widerstehen lassen sich viele verblenden vom Glanz der Macht und des wissenschaftlichen Erfolgs und klammern sich an utopische Versprechen von einem Leben in Luxus bis zur biologischen Unsterblichkeit als dem letzten Ziel des Posthumanismus ohne Gott. Die Zivilisation der Wahrheit und Liebe ist bedroht von der Un-Kultur des Todes und der Lüge, die ausgehen von dem „roten Drachen“ einer materialistisch gesinnten Regierung der Welt durch Ideologen und Philanthropen und dem „schwarzen Halbmond“ des Terrorismus im Namen eines Gottes und Propheten, die nichts zu tun haben wollen mit dem Gott der inkarnierten Vernunft und des Geistes der Liebe, der in unsere Herzen ausgegossen ist. Das transhumanistische Heilsversprechen der milliardenschweren Philanthropen im Hintergrund und ihren die Massen faszinierenden Techno-Propheten im Vordergrund kann nie eingelöst werden und wird die Enttäuschten weiter in den Abgrund des gnostischen Nihilismus treiben. 

Künstliche Intelligenz vermag nie die natürliche Intelligenz zu überbieten, denn sie hat ihre Basis in einer toten Maschine, die dem Menschen dienen oder ihn versklaven kann. Die natürliche Intelligenz oder besser gesagt: Der Intellekt hat seine Basis in einem Geist, der von einer Person getragen ist, die die Frage stellen nach dem Sinn von Sein und die sich gewinnt oder verliert in der Unterscheidung von Gut und Böse.

Bemerkenswert ist, dass der Autor den 16-jährigen Johannes in den Mittelpunkt des Dramas stellt. Schon der Name weist symbolisch auf Johannes den Täufer als den prophetischen Vorläufer des einzigen und wahren Messias und Retters der Menschheit, weil nur Gott uns Menschen das wahre Leben schenken kann. Denn das Leben wird nicht sinnvoller durch seine zeitliche Verlängerung, sondern durch seine inhaltliche Erfüllung in Zeit und Ewigkeit: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele Schaden leidet.“ (Mk 8, 36). Gott hat es so gefügt, dass der jugendliche Geist radikal offen ist für die Wahrheit und sich nicht durch bürokratische Routine und melancholischen oder zynischen Hass auf die verpassten Chancen davon ablenken lässt, die Wahrheit auszusprechen. Es ist der dumme Propaganda-Trick der atheistischen Verführer der Jugend, auf den sogar Geistliche hereinfallen, zu behaupten, dass die Jugendlichen für die Kirche verloren seien. Das Gegenteil ist der Fall. Wer die jungen Menschen um ihrer selbst liebt, der weiß, dass ihnen allein Jesus Christus die Wahrheit und das Leben in Fülle bieten kann, weil er nicht ein bloßer Mensch ist mit höheren Ideen und großen Plänen, sondern weil er Gott ist, der unser Mensch-Sein angenommen hat.
Und das ist die entscheidende Szene mit der Botschaft von sieben Minuten, in der ein 16-jähriger mit Erlaubnis des Papstes vom Fenster des Angelus auf den Petersplatz und in die ganze Welt hinaus die Wahrheit Christi hinausruft, dass die „Zeichen der Zeiten“ (Mt 16, 3)) auf die unmittelbare Wiederkunft Christi deuten, der die Erschütterung der Welt vorausgeht. Die Welt stürzt ins Chaos. Falsche Propheten und Messiasse treten auf, der Antichristi setzt sich in den Tempel Gottes und gibt sich als selbstfabrizierter Gott aus, der in Wahrheit nur ein Teufel in Menschengestalt ist. Es kommt zu dem von Jesus vorausgesagten Apostasie. Vielleicht wird an dieser Stelle die Beschreibung der Probleme der Kirche mit betriebsamen Kurienmitarbeitern und resignierten Kardinälen, die anachronistisch ihren Status als Prinzen der Kirche im Renaissancestil still genießen, der wahren Krise der Kirche nicht gerecht und bedient nur ein antiklerikales Stereotyp. Ein wahres Zeichen der Endzeit sind vom Glauben abgefallene Bischöfe, Priester und Theologen, die unter dem Vorwand dringender Reformen die Wahrheit der Offenbarung durch sozialistische Utopien und woke Gender-Ideologien verdunkeln und aus der Kirche verdrängen. Im Namen der Erkenntnisse der sog. Humanwissenschaften stellen sie die im Logos des Schöpfers begründete Zwei-Geschlechtlichkeit des Menschen in Frage, verharmlosen den Transsexualismus zu einer Variante der Ehe von Mann und Frau und zwingen sogar in katholischen Schulen den jungen Menschen eine atheistische und menschenzerstörende Sexualmoral auf „in bunter Vielfalt“, wie sie die Perversion des christlichen Menschenbildes verschleiern. Sie wollen in der Politik als Wahlhelfer zeitgeistiger Parteien mitmischen. Sie dienen sich den Mächtigen an als Hüter der Verfassung des demokratischen Rechtstaates und brechen im Namen falsch verstandener Synodalität die hierarchische, d.h. die apostolische und sakramentale Verfassung der Kirche, die göttlichen Rechtes ist (II. Vatikanum, Dogmatische Konstitution über die Kirche, 3. Kap.: De constitutione hierarchica Ecclesiae et in specie de episcopatu).

Das Schlussdokument der römischen Synode vom 26. Okt. 2024 spricht von der Trinität nur in liturgischen Formeln und erwähnt mit keinem Wort die Inkarnation oder spricht Jesus Christus als dem Verbum incarnatum, ohne das jede Rede von Gott und dem Menschen ohne Sinn und Verstand bleibt. Es wird zwar von der Bedeutung Jesu und seinem besonderen Verhältnis zu Gott dem Vater gesprochen. Aber es bleibt unklar, ob der Vater hier die erste Person der Trinität ist oder nur die Metapher für irgendeine emotional gedachte harmlose Väterlichkeit eines höchsten Wesens, von der auch Voltaire hätte sprechen können.

Was im Zeitalter von Computer, digitaler Kommunikation und Künstlicher Intelligenz besonders Jugendliche ansprechen wird, ist die Nacht von Weihnachten im Jahr der Erlösung von 2033. Am Hochfest der Geburt Jesu Christi, des Fleisch gewordenen Wortes, nachdem sich die Mitte der Nacht zum führen Tag der aufgehenden Sonne neigt, erscheint um drei Uhr morgens auf jedem an- oder abgeschalteten Bildschirm nicht eine mathematische Weltformel, ein Algorithmus oder das Logo einer Firma aus dem Silicon-Valley oder die Regenbogenfahne der Wokeness-Ideologie, sondern ein menschliches Gesicht, il Volto di Gesù. Gott erscheint nicht wie die griechischen Götter in der Verkleidung von Menschen, sondern spricht uns an in Seinem Wort, das von Ewigkeit her Gott war und das in der Fülle der Zeit Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat. Nicht der Mensch macht sich durch psychologische Autosuggestion oder durch moralische Klimmzüge und die Möglichkeiten der Bio-Technologie selbst zu Gott, weil ein geschaffener Gott ein Widerspruch in sich selbst ist. Gott nimmt vielmehr unser Menschsein an und erhebt es zur Teilnahme an seinem Gott-Sein, so dass wir die trinitarischen Hervorgänge und Beziehungen mitvollziehen, indem wir zu Gott Abba, Vater sagen durch den Sohn im Heiligen Geist. Der Mensch kann und braucht sich nicht selbst neu zu erschaffen und zu erfinden oder sich zu erlösen und zum „Übermenschen“ à la Nietzsche aufzuschwingen. Auf uns wartet nicht Sinnlosigkeit und Vernichtung, sondern die Hoffnung und die Auferstehung. Sie hat schon in der Taufe und Firmung begonnen und wird uns definitiv in Aussicht gestellt und täglich geschenkt in der Eucharistie von Jesus Christus, der in seiner Menschheit der Weg und in seiner Gottheit die Wahrheit und das Leben ist hin zur Auferstehung des Fleisches und dem ewigen Leben in der Gemeinschaft der Heiligen und aller unserer lieben Verstorbenen, die wir mit unseren leiblichen Augen wiedersehen werden.

Die Erde wurde Himmel, so lautet der Untertitel zum Jubiläumsjahr 2033, und die Erde verbindet sich kraft der gott-menschlichen Einheit des Sohnes Gottes unlöslich mit dem Himmel. Das ist der Gott der dreieinigen Liebe.

Ceresanis reale Eschatologie zum Jubiläum 2033 spricht in dieser Form des Romans gerade im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, von Hightech und der sozialen Medien, in dem Geist und Mentalität der Generationen von heute geprägt werden, viele Menschen an, die sich in der kirchlich und theologisch geprägten Sprache nicht recht zu Hause fühlen. Die Welt endet nicht im Chaos. Sie hat ein Telos. Gott ist allein Ursprung, Sinn und Ziel des Menschen. Als nach der Eroberung Roms im Jahre 410 n. Chr. durch den Westgotenkönig Alarich die zivilisierte Welt unterzugehen drohte, hat der hl. Augustinus in seiner gewaltigen Geschichtstheologie den Kampf zwischen der Civitas Dei, der Stadt der Liebe und Gerechtigkeit und der Civitas terrena, der irdischen Stadt, wo Egoismus und Gewalt herrschen, mit dem Sieg Gottes und seines Gesalbten (Ps 2, 2). enden lassen. Und er schließt mit dem Blick auf den achten Tag der Schöpfung, der durch Christi Auferstehung geheiligt ist. „Denn das ist eben unser Endziel, zu einem Reiche zu gelangen, dem kein Ziel durch eine Ende gesetzt ist?“ – Ecce quod erit in fine sine fine. Nam quis alius est noster finis nisi pervernire ad regnum, cuius nullus est finis? (De civitate Dei XXII, 30).

 


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