
14. Oktober 2026 in Chronik
Die Europäische Union hat die Organisation DisinfoLab, die Veranstalterin der Konferenz, seit 2018 mit rund 1,1 Millionen Euro subventioniert.
Brüssel (kath.net/jg)
Die Europäische Union unterstützt finanziell eine Konferenz, welche die Vereinigten Staaten von Amerika als Quelle ausländischer Informationsmanipulation und -einmischung („Foreign Information Manipulation and Interference“, FIMI) darstellt. Das berichtet der Journalist Michael Shellenberger in einem Artikel für das Online-Magazin Public auf Grundlage von Informationen zu der Veranstaltung #Disinfo2026.
Die von der Brüsseler Non-Profit-Organisation EU DisinfoLab organisierte Jahreskonferenz fand am 7. und 8. Oktober 2026 in Vilnius (Litauen) statt. Teil des Programms war eine Veranstaltung mit dem Titel „USA as a FIMI threat: acknowledge, adapt, push back“ (dt. „USA als FIMI-Bedrohung: Erkennen, Anpassen, Zurückdrängen“). In der Beschreibung der Veranstaltung stand die Frage: „Wie sind die Vereinigten Staaten zu einer FIMI-Bedrohung für Europa geworden?“
Als Redner waren Adam Fivenson von der American University, eine ehemalige CIA-Offizierin, die unter dem Namen Alex Finley schreibt, sowie Emerson Brooking vom Digital Forensic Research Lab des Atlantic Council angekündigt. Eine weitere Veranstaltung zum Thema Arktis kündigte die Diskussion „zunehmender Beweise“ an, dass die USA im Zusammenhang mit arktischen Themen als FIMI-Akteur agiert hätten.
Laut Shellenberger hat die Europäische Union dem EU DisinfoLab seit 2018 rund 1,1 Millionen Euro an Forschungsmitteln für Desinformations-Projekte gewährt. Dazu gehörten unter anderem Fördermittel aus den Projekten WeVerify, vera.ai („AI to fight disinformation“), ATHENA und einer weiteren Förderung, die bis 2029 läuft.
Shellenberger ordnet den Vorgang in einen größeren Kontext ein: Die EU versuche seit Jahren, Einfluss auf amerikanische Social-Media-Plattformen zu nehmen und Inhalte zu zensieren. Besonders X (ehemals Twitter) stehe im Fokus; die EU habe gegen die Plattform eine Geldbuße von 120 Millionen Euro nach dem Digital Services Act verhängt. X hat dagegen Berufung eingelegt.
Das US-Außenministerium wies die Darstellung der USA als FIMI-Bedrohung zurück. Ein Sprecher erklärte gegenüber Public, man lehne diese Charakterisierung ab. Zu lange hätten Regierungen den Kampf gegen „Falschinformation“ und „Desinformation“ als Vorwand für politisch motivierte Maßnahmen genutzt. Die USA schützten den Großteil Europas im Rahmen des NATO-Vertrags. Washington habe zudem Visa-Beschränkungen gegen Personen verhängt, die es der Zensur von Amerikanern beschuldige.
Mehrere Regierungsvertreter zogen ihre offizielle Unterstützung für die Konferenz kurzfristig zurück, darunter die litauische Regierung, Global Affairs Canada und der Europäische Auswärtige Dienst (European External Action Service, EEAS). Berichten zufolge hatte das US-Außenministerium bei Verbündeten interveniert und auf die problematische Darstellung der USA als Bedrohung hingewiesen. Frankreich behielt seine Unterstützung bei.
© 2026 www.kath.net