
3. November 2026 in Weltkirche
Das Dokument warnt vor der Verwendung ‚dogmatischer‘ oder ‚moralistischer‘ Aussagen, womit die klare Vermittlung der Glaubenslehre aus der Evangelisierung verbannt wird, schreibt Michael Haynes für den Catholic Herald.
Vatikan (kath.net/jg)
Eine Woche nach der Veröffentlichung seines Dokuments zur Weitergabe des Glaubens hat Kardinal Víctor Manuel Fernández, der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, eingeräumt, dass das Dokument weder bei Progressiven noch bei Konservativen auf größeres Interesse stößt. Das Werk mit dem Titel „Venite ad me – Überlegungen zur Weitergabe des Glaubens im Wandel der Zeit“ ist am 22. Oktober 2026 veröffentlicht worden, berichtet der Catholic Herald.
Der Text fasst Rückmeldungen von Diözesanbischöfen und Bischofskonferenzen zusammen, die auf eine Umfrage des Dikasteriums geantwortet haben. Den Anstoß hatte noch Papst Franziskus gegeben, der damit eine Debatte anregen wollte.
Das Dokument wurde unter Papst Leo XIV. genehmigt und veröffentlicht. Es behandelt die Schwierigkeiten der Glaubensweitergabe in einer Zeit abnehmender religiöser Praxis und geschwächter traditioneller Bildungswege. Es plädiert dafür, die Verkündigung Jesu Christi und die persönliche Begegnung mit ihm wieder in den Mittelpunkt zu stellen.
In einem Interview mit dem spanischen Portal Religión Confidencial erklärte Fernández, er habe nicht mit einem großen Echo gerechnet. „Es ist logisch, dass dieses Thema nicht so viele Leidenschaften weckt … Das nehme ich schon seit einiger Zeit wahr. Tatsächlich hat der Aufruf von Papst Franziskus zu einer erneuerten missionarischen Verkündigung des Kerygmas die pastoralen Projekte der Diözesen und Bewegungen nicht verändert“, sagt der Kardinal.
Er kritisiert die Prioritäten beider Lager. Progressive Bischöfe und Theologen seien vor allem mit strukturellen Veränderungen und dem Dialog mit der Gesellschaft beschäftigt und würden die persönliche Begegnung mit Christus vernachlässigen. Konservative Kreise konzentrierten sich seiner Ansicht nach zu stark auf die Weitergabe der Sexualmoral. In beiden Fällen trete die Verkündigung Christi und die lebendige Glaubenserfahrung in den Hintergrund.
„Venite ad me“ führt fünf wesentliche Aspekte für die Weitergabe des Glaubens an: ein gutes Gemeinschaftsleben in der Kirche, die Liturgie, das katholische Zeugnis, die Rolle von Kunst und Schönheit sowie die Verteidigung katholischer Werte in allen Lebensphasen. Der Text sei vage und unspezifisch und biete eher allgemeine Ideen als konkret ausgearbeitete Evangelisierungsschritte an, kommentiert Michael Haynes für den Catholic Herald.
Das Dokument warne vor der Verwendung „dogmatischer“ oder „moralistischer“ Aussagen, womit die klare Vermittlung der Glaubenslehre aus der Evangelisierung verbannt wird. Daher sei es kaum verwunderlich, dass jeder, der den Glauben aktiv verbreiten wird, wahrscheinlich über den Text hinwegsehen wird. Für diejenigen, die den halbherzigen Stil bereits praktizieren biete der Text nichts Neues, schreibt Haynes.
Fernández‘ eigene Einschätzung über sein Dokument sei angesichts der vielen Arbeit, den sowohl das Glaubensdikasterium als auch viele Diözesen in dessen Erstellung gesteckt hätten, „ernüchternd“. Weder „Progressive“ noch „Konservative“ würden die Charakterisierung akzeptieren, die Fernández im Interview gegeben habe. Beide Seiten würden ihre Gründe haben, warum sie dem Dokument mit Zurückhaltung begegnen.
Die Progressiven werden den bereits eingeschlagenen Weg fortsetzen, nämlich eine Veränderung der kirchlichen Struktur und Lehre anzustreben, während die Konservativen keinen Bedarf an den vagen Ideen des Textes haben werden, da sie bereits weitaus konkretere und fruchtbarere Evangelisierungsmethoden anwenden, schreibt Haynes.
Angesichts des geringen Interesses hat das Dikasterium das Staatssekretariat um Unterstützung gebeten. Man wolle die Bischofskonferenzen zu einer ernsthaften Aufnahme und Anwendung des Textes auffordern. Doch wenn der Autor eines Textes einräumt, dass dieser eigentlich überflüssig sei, werde möglicherweise nicht einmal das Staatssekretariat genug Gewicht haben, um diese Einschätzung zu ändern, kommentiert Haynes abschließend.
Foto: Archivbild Kardinal Fernández
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