
5. November 2026 in Deutschland
‚Josef Pieper lehrte, dass Muße keine Untätigkeit ist, sondern Voraussetzung dafür, die Wirklichkeit als Ganzes wahrzunehmen. Gerade diese Muße scheint der gegenwärtigen Debatte zu fehlen‘, kritisiert der Verein katholischer deutscher Lehrerinnen.
Münster (kath.net/jg)
Die Verleihung des Josef-Pieper-Preises an Robert Barron, Bischof von Winona-Rochester und Gründer des „Word on Fire“-Medienapostolats, ist mehr als ein Jahr später erneut in die Schlagzeilen geraten. Dr. Johannes Sabel, Direktor des Franz-Hitze-Hauses in Münster hat in einem Interview mit der Münsteraner Kirchenzeitung Kirche+Leben die Preisverleihung in die Nähe der „Neuen Rechten“ gerückt und der Josef-Pieper-Stiftung vorgeworfen, die Debatte um Bischof Barron nicht zum Gegenstand des Symposions anlässlich der Preisverleihung gemacht zu haben.
Die Josef-Pieper-Stiftung steht zu ihrer Entscheidung, den Preis an Bischof Barron zu vergeben. In einem Leserbrief an Kirche+Leben stellt sie klar, dass diese theologisch und philosophisch begründet gewesen sei und nicht politisch. Die Stiftung weist die Behauptung, die Preisverleihung habe der „Neuen Rechten“ gegolten, ausdrücklich zurück.
Über die Vergabe des Preises könne und solle gestritten werden, ebenso über Bischof Barrons öffentliche Aussagen und seine gesellschaftspolitischen Bezüge. Eine Nähe zu Positionen der „Neuen Rechten“ oder gar eine Mitverantwortung für deren Erfolg sei durch die Entscheidung für den Preisträger nicht begründet.
Rückblickend sei es ein Fehler gewesen, Teile der Presse vom Symposion auszuschließen, räumt der Vorstand der Stiftung ein. Man habe damals die politische Dimension der Veranstaltung unterschätzt.
Die Pieper-Stiftung schlägt dem Franz-Hitze-Haus eine gemeinsame Tagung vor, bei der die Auseinandersetzung öffentlich geführt werden könnte.
Der Verein deutscher katholischer Lehrerinnen e.V. (VkdL) hat die neuerliche Kampagne gegen die Preisverleihung an Bischof Barron in einer Pressemitteilung kritisiert. In der medialen Berichterstattung werde der Standpunkt der Josef-Pieper-Stiftung auf die Formel verkürzt, die Stiftung habe „Fehler eingeräumt“. „Wer einen Verfahrensfehler zum Eingeständnis einer politisch fragwürdigen Preisentscheidung umdeutet, verfälscht den Aussagegehalt“, schreibt der Verein wörtlich. Das Angebot einer gemeinsamen Tagung mit dem Franz-Hitze-Haus zeige, dass die Stiftung den Diskurs suche und nicht die Abschottung.
Die Josef-Pieper-Stiftung hat mit einem Leserbrief an Kirche+Leben reagiert, der am 21. Oktober für katholische Nachrichtenportale zugänglich und am 25. Oktober in der Printausgabe abgedruckt war. Online ist er bis heute nicht allgemein verfügbar, kritisiert der VkdL.
Der VkdL erwartet sich von Kirche+Leben eine Berichterstattung, welche den Leserbrief der Pieper-Stiftung vollinhaltlich berücksichtigt und von Medien wie der KNA, katholisch.de und Domradio eine Korrektur der verkürzten Darstellung.
„Josef Pieper lehrte, dass Muße keine Untätigkeit ist, sondern Voraussetzung dafür, die Wirklichkeit als Ganzes wahrzunehmen. Gerade diese Muße scheint der gegenwärtigen Debatte zu fehlen“, schreibt der VkdL abschließend.
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