
5. November 2026 in Kommentar
„Nun kehrt Bischof Bätzing, ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, auf die mediale Bühne des katholischen Papst-Bashings zurück, kritisiert als regionaler Suffraganbischof den Heiligen Vater.“ Gastkommentar von Thorsten Paprotny
Limburg (kath.net) Der Limburger Bischof Georg Bätzing, ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hat sich mit provinzkatholischem Eigensinn nicht nur im Zuge des deutsch-synodalen Weges einen Namen gemacht. Er wollte künftig anders katholisch sein, strebte regionale Kirchenreformen und adressierte mehrfach im Tonfall empörter Patzigkeit kritische Einwendungen an die deutsche Hörerschaft. Nun kehrt Bätzing auf die mediale Bühne des katholischen Papst-Bashings zurück und kritisiert als regionaler Suffraganbischof den Heiligen Vater. Das ist weltlich erlaubt, aber ebenso peinlich wie ungebührlich. Nachzulesen ist sein Statement auf: https://www.bistumlimburg.de/news/2026/november/missbrauchsaufarbeitung-keine-rueckschritte.
Bischof Bätzing behauptet, dass die „systemischen Ursachen sexualisierter Gewalt“ in der katholischen Kirche „wissenschaftlich belegt“ seien. Eine solche Meinung darf man haben, die gegenteilige aber auch. Er spricht von „Erkenntnissen“, als ob es sich hier nicht um sozialwissenschaftliche Untersuchungen handelte, sondern um Ergebnisse mit naturwissenschaftlicher Evidenz. Bätzing deklamiert: „Hinter diese Erkenntnisse dürfen wir nicht zurückfallen.“ Sogleich zeigt er sich „irritiert“ über Papst Leo XIV., der den „systematischen Charakter sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche“ bestritten habe. Damit wandte sich der Papst auch gegen die Vernebelungs-Strategie, dass institutionelle Strukturen im Grunde für Missbrauch verantwortlich seien.
Kein klarsichtiger Mensch, ob Christ oder Agnostiker, bestreitet, dass sexueller Missbrauch ein schändliches Verbrechen ist, das nachdrücklich verfolgt und hart bestraft werden muss. Verbrechen allerdings begehen keine Institutionen, weder Kirchen noch Sportvereine noch Schulen, sondern Einzeltäter. Man kann auch weder Kirchen noch Sportvereine noch Schulen inhaftieren, sondern nur Einzeltäter. Und kein Einzeltäter sollte sich exkulpieren können, nur weil er vielleicht aufgrund von nebulösen systemischen Ursachen – was immer das sein mag – sich zu einer Aktion verleitet sah, die nun als Verbrechen sanktioniert wird. Schuldig sind die Schuldigen, nicht die Institutionen. Bätzing aber sagt: „Die Frage nach systemischen Ursachen ist keine sprachliche Spitzfindigkeit. Sie entscheidet darüber, ob wir die richtigen Konsequenzen aus den Verbrechen der Vergangenheit ziehen.“ Weiterhin führt er aus: „Dazu gehören Klerikalismus und asymmetrische Machtverhältnisse, die sakrale Überhöhung priesterlicher Autorität, problematische Formen der Persönlichkeitsentwicklung und psychosexuellen Reifung sowie ein tabuisierender Umgang mit Sexualität und sexueller Orientierung. Nicht die homosexuelle Orientierung von Priestern ist dabei ein Risikofaktor, sondern die Tabuisierung, die Abhängigkeiten und Milieus des Schweigens begünstigen kann.“
Auf dem deutsch-synodalen Weg fand eine umfassende Berufung auf die sogenannten Humanwissenschaften statt, die von Michel Foucault inspiriert wurden, der in den 1970er Jahren eine Petition für die Entkriminalisierung von Pädophilie unterzeichnete, wie viele andere linke Intellektuelle (https://www.derstandard.at/story/2000125803352/paedophilie-vorwuerfe-gegen-michel-foucault). Als einfach gläubiger Katholik sage ich nur: Wer einen solchen Denker ernst nimmt, hat Wesentliches nicht verstanden. Bätzing schreibt weiter: „Ich möchte dem Papst nicht unterstellen, dass er die wissenschaftlichen Erkenntnisse grundsätzlich zurückweist. Aber seine Äußerungen lassen eine entscheidende Frage offen: Erkennt er an, dass nicht nur einzelne Personen und Organisationen, sondern auch spezifische Strukturen der katholischen Kirche Missbrauch und dessen Vertuschung begünstigt haben?“ Bischof Bätzing fordert eine „Klarstellung“ von Papst Leo. Auch diese Meinung kann er haben. Schließlich führt er noch aus: „Wer Missbrauch wirksam verhindern will, muss deshalb mehr verändern als das Verhalten Einzelner. Er muss auch die Strukturen verändern, die Missbrauch begünstigen. Daran muss sich unsere Kirche messen lassen – in Deutschland, in Rom und überall auf der Welt.“
Wer sexuellen Missbrauch, so glaube ich, wirksam bekämpfen will, muss dies so glaubwürdig tun wie Papst Leo XIV. und seine Amtsvorgänger. Und wer sexuellen Missbrauch verhindern will, der fordert vielleicht begründet die Aufhebung der Verjährungsfrist für solche Verbrechen – und enthält sich solcher nebulösen Betrachtungen, wie sie der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz anstellt. Katholiken sind zur Treue gegenüber dem Papst verpflichtet, aus gutem Grund, denn er ist der Stellvertreter Christi, nicht aber zur Gefolgschaft gegenüber fragwürdigen wissenschaftlichen Meinungen und erst recht nicht gegenüber vermeintlichen Erkenntnissen aus den illustren „Humanwissenschaften“ aus dem Geist von Michel Foucault.
Dr. Thorsten Paprotny (siehe Link) lehrte von 1998-2010 am Philosophischen Seminar und von 2010 bis 2017 am Institut für Theologie und Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Der Autor vieler Bücher publizierte bsp. den Band "Theologisch denken mit Benedikt XVI.".
Archivfoto Bischof Bätzing (c) Bistum Limburg© 2026 www.kath.net