'Du bist geheilt! Zweifle nicht!'

5. November 2026 in Österreich


Der bekannte charismatische Prediger Pater James Manjackal begeisterte in Altheim in der Diözese Linz Gläubige - Von Mirjana Saller


Linz-Altheim (kath.net)
Vom 23. bis zum 25. Oktober 2026 qualmte es heftig am Eingang der Rudolf-Wimmer-Halle in Altheim: Man musste sich durch eine ungewohnt große Menge Raucher hindurchschlängeln, um ins Innere zu gelangen. Zahlreiche Busse aus kroatischen Städten parkten auf dem Platz vor dem Gebäude. Die Halle war ausverkauft – rund 800 Menschen waren der Einladung des charismatischen Predigers Pater James Manjackal zu einer spirituellen Erneuerung gefolgt. Auf der Bühne stand ein Altar, rechts daneben spielte eine Band. Im Hintergrund hing zentral die kroatische Flagge.

Bereits Anfang der 2000er-Jahre tourte Pater James durch Kroatien, wo große Sportstätten zu Schauplätzen ausverkaufter Glaubensseminare wurden. Allein in Međugorje, dem größten katholischen Marienwallfahrtsort in Bosnien und Herzegowina, versammelten sich damals rund 100.000 Menschen, um ihn zu erleben. Das kroatische Staatsfernsehen widmete ihm einen ausführlichen Beitrag mitsamt langem Interview, in dem er unter anderem über seine Gaben des Predigens, der geistlichen Erkenntnis und des Heilens durch Gebet sprach. Wie damals in der kroatischen Presse zu lesen war, wurde sich die kroatische Bischofskonferenz jedoch nie ganz einig im Umgang mit katholischen Charismatikern aus dem Ausland. Die Folge: Heute kann Pater James nicht mehr nach Kroatien reisen – stattdessen kommen die Kroaten nun zu ihm.

Seinen runden 80. Geburtstag hat er längst hinter sich, doch von Ruhestand keine Spur. Seine Energie ist ungebrochen, und er reist weiterhin als Missionar um die Welt. Daran können auch schwere körperliche Leiden nichts ändern: Seit vielen Jahren zwingt ihn das Guillain-Barré-Syndrom in den Rollstuhl.  „Nirgends auf der Welt fand ich solch ein Volk mit einem solchen Glauben, wie ihn Kroaten haben.“

Nach seinem Glaubensseminar im Juni im bayerischen Altötting ist er nun im beschaulichen Altheim angekommen, wo er bereits 2024 und 2025 Seminare für kroatische Gläubige abgehalten hat, die jeweils simultan gedolmetscht werden. Das Motto lautet heuer: „Zuletzt, meine Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke“ (Eph 6,10).

Am ersten Tag des dreitägigen Seminars spricht Pater James über die Bedeutung der Eucharistie und die reale Präsenz Jesu in Fleisch und Blut – nicht als bloßes Symbol, sondern als tiefe und tatsächliche Wahrheit. Viele Teilnehmer haben ihre Bibel aufgeschlagen und lesen die zitierten Schriftstellen mit. Seine Predigten sind stets von feinem Humor durchzogen: Als er über die Wandlung des Weines spricht, wirft er scherzhaft ein, die Kroaten nähmen das wohl zu wörtlich und meinten, mehr Wein helfe mehr.

Mit der allgemeinen Verweltlichung der Kirche und ihrer Anpassung an den Zeitgeist geht er hart ins Gericht. Er geißelt Abtreibung, Esoterik, LGBTQ-Themen, Pornografie sowie den mangelnden Glauben mancher Kirchenvertreter, die die Existenz des Teufels leugnen und Glaubensinhalte rein symbolisch umdeuten. Wer dem deutschen synodalen Weg nahesteht, dürfte sich bei diesem Seminar wohl kaum heimisch fühlen. Die Atmosphäre hingegen ist lebhaft und familiär, getragen von Lobpreis und der inbrünstigen Anrufung des Heiligen Geistes durch die Gläubigen. Im Gegensatz zum Sommerseminar in Altötting sind viele Familien mit kleinen Kindern angereist, die vergnügt umherlaufen oder an den Sprossenwänden turnen – niemand stört sich daran.

Bereits am ersten Tag zählt der Pater während seiner Predigt zahlreiche Namen auf und ruft in den Saal: „Du bist geheilt! Zweifle nicht!“  Bei den täglichen Gottesdiensten sind zwölf Priester aus Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Österreich anwesend. Während der Messe steht stets ein Priester für die Beichte bereit. Beim Vaterunser versammeln sich alle Priester um den Altar, während die Gläubigen einander an den Händen fassen.

Pater James predigt energisch und wirkt unermüdlich, als plötzlich ein lauter Schrei durch die Halle hallt. Die Anwesenden bleiben ruhig. Der Schrei wiederholt sich, lauter noch als zuvor. Der Pater bittet die Gemeinde, nicht hinzusehen, sondern noch lauter zu beten. Nach wenigen Augenblicken verebbten die Laute und die Versammlung kehrte zum gewohnten Ablauf zurück.  Bei der Anrufung des Heiligen Geistes beschreibt eine Teilnehmerin ein körperliches Phänomen: Sie spüre eine Kraft aufsteigen, als würde sie in einer Achterbahn rasant in den Sitz gedrückt, während ihr Herz heftig klopft.

Der Nachmittag des zweiten Tages steht ganz im Zeichen von Zeugnissen über Heilungen und Bekehrungen. Dabei lässt es sich Pater James nicht nehmen, das Rauchen scharf zu kritisieren: Der Körper sei ein Tempel Gottes und dürfe nicht mutwillig beschädigt werden. Tatsächlich übergeben ihm im Anschluss einige Teilnehmer ihre Zigarettenpackungen.
Zeugnisse

Die berichteten Heilungen betreffen unterschiedlichste Leiden – von Asthma und Magen-Darm-Beschwerden über Unfruchtbarkeit, Koma und Herzflimmern bis hin zu Angststörungen. Auch ehemalige Muslime aus Bosnien und Herzegowina erzählen von ihrer Konversion zum katholischen Glauben.

Eine Frau berichtet von einem früher diagnostizierten Gehirntumor, weshalb ihre Familie bereits die Beerdigung vorbereitet hatte. Jeden ersten Samstag im Monat wurde für sie gebetet, und auch sie selbst betete unermüdlich mit. Während eines Online-Gebets spürte sie plötzlich eine Kraft durch ihren Körper strömen; in exakt diesem Moment nannte der Pater ihren Namen. Später bestätigten die behandelnden Ärzte, dass sich der Tumor zurückgebildet hatte.

Der dritte Tag, ein Sonntag, steht im Zeichen der Weihe an den Heiligen Geist. Im Anschluss an die heilige Messe kündigt der Pater die Handauflegung und das persönliche Gebet an. Eine wichtige Mahnung schickt er voraus: Wer glaube, dass er, Pater James Manjackal, der Heiler sei, solle besser nach Hause gehen. Er betont ausdrücklich, dass allein der eigene Glaube Heilung bewirken kann – manchmal stehe diesem jedoch der Teufel im Weg.

Eine ältere Frau, die wegen Multipler Sklerose auf einen Rollator angewiesen ist, kämpft mit der großen Angst zu stürzen. Auf einem fahrbaren hölzernen Podest fährt Pater James die Reihen der Gläubigen ab, legt ihnen die Hände auf und betet mit geschlossenen Augen. Manche bleiben standhaft, viele sinken sanft in die Arme der bereitstehenden Helfer und ruhen anschließend entspannt mit geschlossenen Augen auf dem Hallenboden. Als der Pater zu der älteren Dame mit dem Rollator kommt, bleibt sie nach der Handauflegung kurz stehen, sinkt dann langsam nach hinten zu Boden und bricht dort in Tränen aus. Später berichtet sie, sie habe keine Angst verspürt – die Tränen seien einfach aus ihr herausgebrochen. Es gehe ihr gut danach.

Während der gesamten Heilungsgebete herrscht eine gelöste Atmosphäre. Die Männer, die die Gläubigen beim Fallen auffangen – darunter einer im T-Shirt der kroatischen Militäroffensive „Sturm“ –, scherzen zwischendurch miteinander. Eine Zuschauerin kommentiert belustigt über eine andere: „Schau mal, die fällt ja gar nicht.“ Andere wiederum verharren in tiefem Gebet. Ein Teenager traut sich trotz guten Zuredens seiner Mutter am Ende nicht, vor den Pater zu treten.

Zum Abschluss bittet Pater James die Kinder zu sich, macht Gruppenfotos, scherzt mit ihnen und segnet auch sie durch Handauflegung. Einige der Kleinen kippen dabei ebenfalls nach hinten um und werden sanft aufgefangen. Nach den Gebeten berichten manche Menschen von spürbarer Linderung oder Heilung, während andere mit ihren Krücken und Rollatoren den Heimweg antreten.

Pater James ist auch am Ende des Seminars so energiegeladen und vom Glauben beseelt wie am ersten Tag. Den Teilnehmern gibt er einen zentralen Leitsatz mit auf den Weg:„Was ist euer Ziel im Leben? Eure Heiligkeit!“ Die Seminartermine sowie Videos und Texte von Pater James Manjackal finden sich auf seiner Webseite.

Text & Fotos: M. Saller


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