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Christus ist der Fels, der uns trägt

vor 17 Stunden in Spirituelles, keine Lesermeinung
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„Es gibt Fragen, auf die wir nur mit unserem Leben antworten können. Eine solche Frage stellt Jesus heute: ‚Ihr aber, für wen haltet ihr mich?‘“ Sonntagspredigt von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer


Eichstätt (kath.net) Predigt zum 21. Sonntag im Jahreskreis – A – Mt 16,13–20, „Wer bin ich für dich?“

Liebe Schwestern und Brüder, es gibt Fragen, die kann man mit Wissen beantworten. Und es gibt Fragen, auf die wir nur mit unserem Leben antworten können.

Eine solche Frage stellt Jesus heute: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“

Nicht: Was habt ihr über mich gehört? Was sagen die anderen? Was habt ihr gelernt? Sondern: Wer bin ich für euch? Wer bin ich für dich? Vielleicht ist das die persönlichste Frage des Evangeliums.

1. Vor den vielen Göttern: Worauf baust du?
Es ist kein Zufall, dass Jesus diese Frage gerade bei Caesarea Philippi stellt. Dort erhebt sich ein mächtiges Felsmassiv. Dort lagen Heiligtümer des Gottes Pan und anderer Gottheiten; auch die Macht Roms war gegenwärtig. Ausgerechnet dort fragt Jesus: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“

Vieles beansprucht Macht über den Menschen. Vieles verspricht Sicherheit, Glück und Zukunft. - Und mitten darin steht Christus.

Auch unsere Welt kennt ihre Götter. Sie heißen heute anders: Erfolg, Gesundheit, Geld, Einfluss, Ansehen, Selbstverwirklichung. Das alles kann seinen Wert haben. Aber nichts davon kann uns endgültig tragen.

Die Wüstenväter gingen deshalb in die Einsamkeit. Nicht weil sie die Welt verachteten, sondern weil sie wissen wollten: Was bleibt, wenn das Laute verstummt? Was trägt, wenn Sicherheiten wegbrechen?

Abba Poimen führt immer wieder zum Herzen zurück. Dort entscheidet sich, woran der Mensch hängt und wem er vertraut. - Die eigentliche Wüste liegt deshalb manchmal mitten in unserem Leben: wenn es still wird, wenn Sicherheiten schwinden, wenn wir uns selbst nicht mehr ausweichen können.


Gerade dort fragt Christus: Wer bin ich für dich?

2. Petrus – ein Fels, der selbst getragen wird
Petrus antwortet: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“

Doch Jesus lobt nicht seine Klugheit. Er sagt: „Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“

Glaube ist mehr als menschliche Leistung. Er ist Antwort auf ein Geschenk. Gott selbst öffnet uns die Augen dafür, wer Christus ist. Das ist tröstlich. Denn unser Glaube ist nicht immer gleich stark. Manchmal können wir voller Freude sagen: „Du bist der Christus!“ Manchmal reicht es nur noch zu dem Gebet: Herr, ich möchte glauben. Halte du mich fest.

Gerade diesem Petrus sagt Jesus: „Du bist Petrus – der Fels –, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“

Jesus kennt ihn: seinen Mut und seine Angst, seine Begeisterung und seine Selbstüberschätzung. Er weiß auch, dass Petrus ihn verleugnen wird. Und dennoch baut Christus auf ihn.

Darin liegt große Hoffnung: Gott baut seine Kirche nicht aus vollkommenen Menschen.

Johannes Chrysostomos staunt darüber, welche Verantwortung Christus Petrus anvertraut. Entscheidend ist nicht dessen Vollkommenheit, sondern Christus, der ihn beruft und stärkt.

Auch wir denken vielleicht: Wenn mein Glaube stärker wäre, wenn ich weniger Fehler hätte, dann könnte Gott mehr mit mir anfangen. Christus sagt: Ich kenne dich. Und dennoch brauche ich dich. Er wartet nicht auf unsere Vollkommenheit. Er beginnt mit uns, wie wir sind – und verwandelt uns auf dem Weg.

3. Nicht wir tragen die Kirche – Christus trägt sie
Dann sagt Jesus: „Auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ – Meine Kirche! Nicht die Kirche des Petrus, nicht die Kirche des Papstes oder der Bischöfe, auch nicht unsere Kirche. Sie ist seine Kirche.

Das schenkt gerade in schwierigen Zeiten Gelassenheit. Menschen können versagen. Auch Amtsträger können versagen. Petrus selbst ist dafür das erste Beispiel. Aber Christus nimmt seine Verheißung nicht zurück: „Die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“

Das bedeutet nicht, dass der Kirche Krisen, Schuld und Verwundungen erspart bleiben. Es bedeutet: Christus lässt seine Kirche nicht fallen. Augustinus führt diesen Gedanken noch tiefer: Petrus kann Fels sein, weil Christus selbst der tragende Grund ist. Die Kirche steht letztlich nicht auf der Kraft eines Menschen, sondern auf Christus. Das gilt auch für uns: Wir müssen nicht unser eigener Fels sein. Wir müssen uns nicht selbst halten, weil Christus uns hält.

Abba Antonius erlebte Zeiten schwerster innerer Bedrängnis. Als er Christus fragte, wo er während dieser Kämpfe gewesen sei, lautet die überlieferte Antwort sinngemäß: Ich war hier bei dir.

Vielleicht ist das auch Gottes Antwort auf manche unserer Fragen: Nicht immer nimmt er den Kampf weg. - Aber er bleibt. Nicht immer erklärt er den Weg. - Aber er geht ihn mit.

4. Schlüssel, die Türen öffnen
Jesus gibt Petrus schließlich die Schlüssel des Himmelreiches. Schlüssel bedeuten Vollmacht. Aber ein Schlüssel ist vor allem dazu da, eine Tür zu öffnen. Der eigentliche Schlüsselträger bleibt Christus. Petrus ist Verwalter. Seine Aufgabe ist nicht, den Himmel zu verriegeln, sondern Menschen den Weg zu Christus zu öffnen. 

Und auf andere Weise legt Gott auch uns Schlüssel in die Hand: Ein gutes Wort kann eine Tür öffnen. Vergebung kann eine verschlossene Beziehung öffnen. Geduld kann ein verhärtetes Herz öffnen. Ein Besuch kann aus der Einsamkeit herausführen. Ein Gebet kann Hoffnung offenhalten, wo wir nichts mehr ändern können.

Wir können füreinander Türöffner Gottes werden. Abba Makarios wusste: Ein Mensch wird selten dadurch verwandelt, dass man ihn beschämt. Er verändert sich, wenn er Barmherzigkeit erfährt. Vielleicht ist das eine der schönsten Aufgaben der Kirche: Menschen nicht vor verschlossenen Türen stehen zu lassen, sondern ihnen zu zeigen: Bei Gott steht eine Tür offen.

5. „Wer bin ich für dich?“
Damit sind wir wieder bei der Frage Jesu. Er fragt heute nicht zuerst: Was denkst du über die Kirche? Was müsste anders werden? Er fragt: „Wer bin ich für dich?“ 

Darauf gibt es keine Antwort, die ein für alle Mal fertig wäre. Manchmal lautet sie: Du bist meine Hoffnung. Du bist mein Friede. Du bist der, an den ich mich noch halten kann. Und manchmal fehlen selbst dafür die Worte. Dann können wir einfach bei ihm bleiben. Auch das ist Glaube.
Lothar Zenetti hat es einmal wunderbar gesagt: „Wer Jesus für mich ist? – Einer, der für mich ist! - Was ich von Jesus halte? – Dass er mich hält!“

Vielleicht nehmen wir heute dieses Wort mit: Christus ist der Fels, wenn unser eigener Grund schwankt. Er ist die offene Tür, wenn wir keinen Weg mehr sehen. Er ist die Hoffnung, wenn unsere Hoffnung klein geworden ist. Und wenn wir ihn nicht festhalten können, dann hält er uns fest.
Denn unser Glaube lebt letztlich nicht davon, wie stark wir Christus festhalten, sondern davon, dass Christus uns nicht loslässt. Amen.

 

 


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