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"Ich muss Zeugnis ablegen"

22. Juni 2026 in Familie, 2 Lesermeinungen
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Topmodel Nadja Auermann fand in der katholischen Kirche ihre spirituelle Heimat. Schon bei den ersten Messen spürte das ehemalige Topmodel, dass die biblischen Texte und die Predigten eine unmittelbare Relevanz für ihr eigenes Leben besaßen.


Mainz (kath.net)

Sie galt als eines der berühmtesten Models der 1990er Jahre. Nadja Auermann lief für die großen Modehäuser der Welt und zierte die Titel internationaler Magazine. Jetzt spricht die 54-Jährige im Podcast „Lebensfragen“ des Bistums Mainz überraschend offen über ihren Weg zum Glauben, ihre Taufe und warum sie eine tiefgehende katholische Spiritualität lebt. In den 90er Jahren gehörte Nadja Auermann zu der legendären Generation von Supermodels, die weit über die Modeszene hinaus weltweiten Kultstatus erreichten. Doch wer heute mit der 54-Jährigen spricht, hört keine Anekdoten über den Glamour der Laufstege oder das Jetset-Leben. Vielmehr offenbart Auermann eine tiefgründige, persönliche Seite: Ihren Weg in die katholische Kirche, die für sie zu einer echten spirituellen Heimat geworden ist.

Auermann wuchs in Berlin in einem eher religionsfernen Umfeld auf und wurde als Kind nicht getauft. Dennoch habe sie, wie sie rückblickend berichtet, schon von klein auf eine tiefe Gewissheit in sich getragen, dass es Gott gibt: „Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass Engel um mich sind oder dass ich beschützt werde.“ Diese kindliche Gewissheit wurde durch schwere gesundheitliche Krisen auf die Probe gestellt und gleichzeitig gefestigt. Aufgrund einer schweren Nierenerkrankung musste sie als Kind dreimal operiert werden. Nach dem dritten Eingriff im Alter von neun Jahren schwebte sie in akuter Lebensgefahr – laut ihrer Mutter entging sie dem Tod nur knapp. Während diese existenzielle Erfahrung ihre ältere Schwester dazu veranlasste, den Glauben und das Leid kritisch zu hinterfragen, fand Nadja Auermann eine eigene, hoffnungsvolle Antwort. Gott habe nicht gewollt, dass sie sterbe. "Wenn er wirklich gewollt hätte, dass ich sterbe, hätte er mir keine Ärzte zur Seite gestellt, die mein Leben retten."


Diese Erfahrung prägte sie nachhaltig. Nadja lernte, das Leben als ein kostbares Geschenk zu begreifen, bei dem jeder Tag zählt. Auch während ihrer späteren internationalen Karriere in der oft oberflächlichen und gefährlichen Modewelt verließ sie dieses Gefühl des Behütetseins nicht. Obwohl sie die Kreativität und Schönheit der Branche schätzte, blickt sie heute durchaus kritisch auf deren Schattenseiten. Dass sie in einem Umfeld voller Versuchungen nie mit Drogen oder ähnlichen Abstürzen konfrontiert wurde, schreibt sie rückblickend der Bewahrung durch einen „Schutzengel“ zu.

Der entscheidende Schritt hin zur sakramentalen Gemeinschaft der Kirche vollzog sich jedoch erst im Erwachsenenalter und wurde durch ihre Tochter angestoßen. Weil diese in Dresden den katholischen Religionsunterricht besuchte und den Wunsch äußerte, sich taufen zu lassen, begann Auermann, sie sonntags in den Gottesdienst zu begleiten. Was als mütterliche Unterstützung begann, entwickelte sich rasch zu einer tiefgreifenden spirituellen Erschütterung. Schon bei den ersten Messen spürte das ehemalige Topmodel, dass die biblischen Texte und die Predigten eine unmittelbare Relevanz für ihr eigenes Leben besaßen. "Es war, als würde Gott durch den Pfarrer mit mir sprechen."

Ein besonderer Wendepunkt war schließlich eine Predigt über den heiligen Stephanus, den ersten christlichen Märtyrer der Urgemeinde. In diesem Moment wurde ihr schlagartig klar, dass ihr Glaube nicht nur abstrakt Gott galt, sondern ganz konkret der Person Jesu Christi. "Ich muss Zeugnis ablegen“, so ihre feste Überzeugung. Daraus erwuchs der Entschluss zur eigenen Taufe. Die heilige Liturgie, die Traditionen, die Riten und der Weihrauch halfen ihr, eine tiefe Verbindung zum Glauben zu finden. Das Katholische empfinde sie als zutiefst mystisch. Entscheidend war zudem die konkrete Erfahrung in ihrer Pfarrgemeinde, die sie mit großer Offenheit und Liebe empfing. Ihre Entscheidung zur Taufe hat sie daher nie bereut, auch wenn sie im privaten Kreis schmerzhafte Erfahrungen machen musste: Ihr Vater und ihre Schwester folgten der Einladung zu ihrer Taufe nicht, was sie verletzte.

Heute ist das Gebet fester Bestandteil von Nadja Auermanns Alltag. Sie betont, dass sie niemanden missionieren oder überreden wolle, sondern einfach ihren eigenen Weg im Glauben geht. Gemeinsam mit ihrer Familie besucht sie nun regelmäßig die Heilige Messe. 

Foto: (c) Instagram / https://www.instagram.com / Screenshot Vogue


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