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Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.

vor 14 Stunden in Chronik, 11 Lesermeinungen
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„Wir erfahren nur aus den Medien, dass ein Verfahren gegen Pater Rupnik eingeleitet wurde. Unsere Rechtsanwältin hat sich mehrfach an das Dikasterium für die Glaubenslehre gewandt…, jedoch niemals eine Antwort erhalten“ – Brief in voller Länge!


Rom (kath.net) Der italienischer Vatikanist Aldo Maria Valli veröffentlicht auf seinem Blog "Duc in altum" den schmerzerfüllten Brief von fünf mutmaßlichen Opfern des Ex-Jesuiten und Mosaikkünstlers Marko Rupnik mit der Bitte um Antworten aus dem Vatikan. kath.net dokumentiert den Brief wegen seiner Wichtigkeit in voller Länge in eigener Übersetzung:

Rom, 23. September 2026

Heiliger Vater,

wir sind fünf Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik: Gloria Branciani, Mirjam Kovač, Schwester Samuelle, Vida Bernard und Pia, letztere hat sich aus begründeter Angst vor Vergeltungsmaßnahmen für einen fiktiven Namen entschieden.

Wir haben beschlossen, Ihnen anlässlich Ihrer Reise nach Frankreich zu schreiben – und insbesondere Ihres Besuchs in Lourdes, wo Sie auf Missbrauchsopfer wie uns treffen werden. Dies geschieht an einem Ort, an dem die Mosaike von Pater Rupnik an der Fassade der Basilika nicht mehr zu sehen sein werden, nachdem Seine Exzellenz Monsignore Jean-Marc Micas, Bischof von Tarbes und Lourdes, beschlossen hat, sie dauerhaft zu verdecken. Ein sehr starker und mutiger Schritt, den wir sehr begrüßt haben, auch deshalb, weil uns gegenüber nie Solidarität spürbar war; im Gegenteil: Wir sind stets auf starken Widerstand und Ablehnung gestoßen.


Wir erfahren nur aus den Medien, dass ein Verfahren gegen Pater Rupnik eingeleitet wurde. Unsere Rechtsbeiständin, Rechtsanwältin Laura Sgrò, hat sich zwar – im Interesse aller und aus Respekt vor dem Verfahren, in dem wir als Opfer eine Rolle spielen – mehrfach und mit allen Mitteln an das Dikasterium für die Glaubenslehre gewandt, um zumindest ein Mindestmaß an Klarheit zu erlangen, jedoch niemals eine Antwort erhalten.

Dieses laute und lang anhaltende Schweigen empfinden wir Opfer als weitere, fortgesetzte Gewalt, die wie das Gewicht eines schweren Felsbrocken zu der Gewalt hinzukommt, die wir bereits erlitten haben. Es handelt sich um sexuelle, körperliche, psychische und spirituelle Gewalt – eine Gewalt, die tief in die Seele hineinreicht und zu der nun diese neue, schmerzhafte Gewalt des Schweigens und des Im-Stich-Gelassenseins durch das Justizsystem hinzukommt. Man hat uns beschuldigt – oder besser: verleumdet –, Huren und Lügnerinnen zu sein, Geld dafür angenommen zu haben, Pater Rupnik zu beschuldigen, und uns an dieser schrecklichen Angelegenheit bereichert zu haben. Nachdem wir missbraucht und herabgewürdigt wurden, erleiden wir nun weiterhin Gewalt – inmitten des Grabesschweigens und der Gleichgültigkeit derer, die dazu berufen sind, über unser Leben zu entscheiden. Und leider schreckt gerade die Gewalt, der wir weiterhin öffentlich ausgesetzt sind, jene ab, die – wie wir – Ähnliches erlebt haben und eigentlich Anzeige erstatten wollten.

Wider Willen haben wir uns von einem positiven zu einem negativen Beispiel gewandelt. Denn die Botschaft, die von unseren Anschuldigungen ausgegangen ist, lautet: Es ist zwecklos, einen Missbrauch bei der kirchlichen Autorität zu melden, da ohnehin nichts geschieht, niemand zur Rechenschaft gezogen wird und die Opfer niemals Gerechtigkeit erfahren. Denn wir, Heiliger Vater, haben jede Spur von Gerechtigkeit verloren; ein Verfahren, das im Verborgenen geführt wird, bietet niemandem Garantien – weder dem Beschuldigten noch den Opfern – und ist unvereinbar mit den Begriffen von Recht, Wahrheit, Gerechtigkeit, Fairness und Barmherzigkeit, die Ihnen, Heiliger Vater, stets am Herzen liegen.

Wir sind nicht bereit, uns dem Vergessen zu überlassen oder auf Gerechtigkeit zu verzichten, solange die Schwere der Geschehnisse nicht anerkannt und der Verantwortliche nicht bestraft wird. Auf diesem beschwerlichen Weg zur Wahrheit möchten wir als Ressource betrachtet werden, nicht als Hindernis.

Wir wenden uns vertrauensvoll an Sie, Heiliger Vater, als obersten Hirten der Kirche, auf dass Sie Ihre höchste richterliche und gnadenstiftende Gewalt ausüben und unser Anliegen erhören – das Anliegen jedes Missbrauchsopfers, das die Anerkennung der Wahrheit durch ein gerechtes Verfahren anstrebt. Wir fordern, dass stets die Wahrung des rechtlichen Gehörs beider Seiten, Klarheit, Transparenz, Zügigkeit sowie die Unparteilichkeit und Unabhängigkeit der Richter gewährleistet sind, damit das Verfahren und sein Ausgang – wie auch immer dieser ausfallen mag – frei von Zweifeln bleiben.

Wir brauchen Wahrheit und Heiligkeit; doch ebenso sehr wie wir bedarf auch die Kirche ihrer.

Gloria Branciani, Miriam Kovač, Schwester Samuelle, Vida Bernard, Pia
Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik


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Lesermeinungen

 Rolando vor 6 Stunden 
 

Paddel

Ich will nichts unterstellen, aber es ist keine Kunst als Frau Priestern einiges anzulasten, sicher ist es schwierig, doch das gab und gibt es. Deshalb gilt die Unschuldsvermutung bis zum klaren, bewiesenen Schuldspruch. Was sagen Sie zur gegenwärtigen staatlichen Situation wo Mehrfach-und Gruppenvergewaltiger freigesprochen oder lapidar verurteilt werden?


0
 
 Rolando vor 7 Stunden 
 

Veritasvincit / Cosmas

Ein Verfahren wurde doch eröffnet, steht denn ein Schuldspruch schon fest? Was soll der Papst dazu sagen? Da greift doch auch die staatliche Justiz, was soll der Papst dazu sagen?
Er ist klug!


0
 
 Cosmas vor 7 Stunden 
 

PF hat Rupnik gedeckt, alles verschleppt und blockiert,

die Exkommunikation aufgehoben.
Die Aufgabe des Papstes ist klar! Die Anweisung geben, daß nicht weiter blockiert wird, transparent, ordentlich und rechtskonform geantwortet wird. Und @Rolando, das kann NUR der Papst, NIEMAND sonst! Es ist evident, dass die zuständigen Stellen im Vatikan gemäß früherer allerhöchster Anweisung alles blockieren. Es wird Zeit, dass Papst Leo die üblen Altlasten seines Vorgängers endlich aufarbeitet! Fromme Worte der Zerknirschung sind zu wenig!


1
 
 Veritasvincit vor 11 Stunden 
 

@Rolando

Zitat: "Da müsste sich ja unser Bundeskanzler oder Bundespräsident vor Schreiben nicht mehr retten können, wenn es alle mit den Verbrechen im Staat so machen würden."

Im Staat gibt es die Polizei, welche das Verbrechen fandet. In der Kirche gibt es das nicht - da muss man sich direkt an die Regierung wenden.


2
 
 SarahK vor 13 Stunden 
 

@Paddel danke

Ich danke Ihnen für diese Einordnung und kann Ihnen 100% zustimmen und wirklich ich bin weder Feministin noch eine Metoo Person und schon gar nicht gegen den Zölibat oder Priester oder für Frauenweihe.

@Rolando: Diese Ihre Aussage ist wirklich fast unverschämt: „Auch Jesus wurde aufgrund einer Lüge verurteilt, er wehrte sich nicht, er vergab.“ und meine Antwort: jeder schmutzige Priester schadet der Kirche und macht die Wunden Christi dadurch tiefer. Die Vergebung der Frauen gegen Täter findet in der Liebe zu Christi statt, wenn sie wirklich glauben und evtl wird die Liebe dadurch noch tiefer und aufrichtiger, weil sie durchs Feuer gegangen ist. Aber das eine hat überhaupt nichts, überhaupt gar nichts mit dem anderen (das das Leid geschehen ist und benannt werden muss) zu tun!!!


5
 
 Johannes14,6 vor 14 Stunden 
 

Während der Prozeß offenbar im Verborgenen geführt wird

oder auch stagniert(?), ein Skandal, wenn es so zutrifft,

hat Marko Rupnik und das Centro Aletti in einem Benediktinerinnen - Kloster auf dem Montefiolo eine neue Bleibe gefunden, unter Vermittlung des emeritierten Generalvikars von Rom, Kardinal Angelo Sodano, der dort auch seinen Alterssitz bezogen habe.

Die MOSAIKE wurden in LOURDES verhüllt, neue Werke an der Basilika von APARECIDA mit einem Fest gerade der Öffentlichkeit übergeben, wobei Rupniks Einfluß im Hintergrund bleibt und statt seiner "39 Mosaikkünstler" genannt werden.


2
 
 Paddel vor 14 Stunden 

@Rolando

Ihre Emphatielosigkeit erstaunt mich.

Natürlich heilt nur Vergebung. Vergebung ist aber ungleich schwer, wenn Schuld nicht benannt wurde und wird schier unmöglich bei einer Täter-Opfer Umkehr.

Das Schweigen von Seiten der kirchlichen Autorität kommt einer seelischen Folter gleich. Es ist grausam auf die Mauer des Schweigens zu treffen in einem Verfahren, in dem man selbst massiv betroffen ist. Das ist in der Tat mehr als ein Schlag in die Magengrube und schier nicht auszuhalten.

Deshalb verstehe ich diese Not, sich an den hl. Vater zu wenden.

Inwiefern das sinnvoll ist, ja, darüber lässt sich streiten.


7
 
 bücherwurm vor 14 Stunden 

Also ich gebe zu:

es stört mich tatsächlich erheblich, dass nicht einmal die Rechtsanwältin der mutmaßlichen Opfer Informationen aus dem Vatikan erhält und dass die mutmaßlichen Opfer über die Entwicklung des Prozesses und seiner Vorbereitungen bisher nur aus der Zeitung erfahren. Falls das alles so stimmt, wie es die Opfer behaupten ... wäre das skandalös.


6
 
 Rolando vor 15 Stunden 
 

Was heilt denn die Situation, die Betroffenen, den mutmaßlichen Täter?

Urteilt nicht! Was soll der Papst dazu sagen, was steht denn fest, was hat er damit zu tun? Er handelt klug und lässt sich nicht hineinziehen.
Selbst wenn es zu einer berechtigten Verurteilung mittels nachgewiesener Schuld kommen sollte, heilt erst die Vergebung, nicht das Gefühl der Gerechtigkeit.
Beide Seiten müssen betrachtet und gehört werden, meist hört man, wie in vielen Themen, einseitige Medienberichterstattung.

Auch Jesus wurde aufgrund einer Lüge verurteilt, er wehrte sich nicht, er vergab.

Der Papst ist da die falsche Adresse, das dient nur dazu, die Kirche in ihrer Gesamtheit ins schlechte Licht zu rücken.

Da müsste sich ja unser Bundeskanzler oder Bundespräsident vor Schreiben nicht mehr retten können, wenn es alle mit den Verbrechen im Staat so machen würden.


0
 
 SarahK vor 15 Stunden 
 

Danke!

Man kann den mutigen Frauen nur danke sagen! Möge der Hl Erzengel Michael fest für alle Frauen einstehen, die Aufgrund eigener fehlender Kräfte oder aus Rücksicht auf ihre Familie oder eventuell sogar der Kirche nicht den gleichen Weg oder generell public gehen, evtl. auch weil die Dämonen auf der Gegenseite so stark und die Menschen dadurch so durchtrieben falsch oder verblendet sind (hell there is), dass sie trotzdem inneren Frieden und besonders die Liebe zu Christus und seiner Kirche - selbst bei übelster falscher Nachrede - nicht verlieren. Gottes Segen für die Frauen und Heiligen Geist für Sie, den Papst und alle Beteiligten.


3
 
 SpatzInDerHand vor 16 Stunden 

Oha! Das ist heftig!


2
 

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