Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Endgültiger Bruch mit Rom droht: Priesterbruderschaft St. Pius X. kündigt Bischofsweihen an
  2. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  3. Bischöfe und Funktionäre im Paralleluniversum
  4. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  5. Kard. Müller nach Gespräch mit Papst Leo: „Atmosphäre ist von wechselseitigem Vertrauen bestimmt“
  6. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  7. Die Stunde der Heuchler
  8. Bischof von Cordoba: Priester durften bei Zugsunglück Sterbesakramente nicht spenden
  9. Hunderte Einsprüche gegen Pfarrauflösung in der Diözese Linz - Keine Antworten aus Rom
  10. Papst Leo XIV.: 'Abtreibung ist der größte Zerstörer des Friedens'
  11. Massive Medienvorwürfe gegen den Priester Wolfgang Rothe als Mitglied des Betroffenenbeirats
  12. Ein einziges Depositum der Wahrheit. Die Einheit von Schrift und Tradition
  13. Ist Jesus der Herr?
  14. Nach „Wort zum Sonntag“: Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen Pastorin Behnken
  15. 'Mein Glaube ist das Fundament jeder Entscheidung, die ich treffe – und meiner Ehe'

Bosnien und Herzegowina: „Katholiken werden in jeder Hinsicht benachteiligt“

30. Oktober 2021 in Weltkirche, 7 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Friedensschluss von Dayton ist das Zusammenleben in Bosnien und Herzegowina von Konflikten geprägt.


Wien-München (kath.net/KIN)

Auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Friedensschluss von Dayton ist das Zusammenleben in Bosnien und Herzegowina von Konflikten geprägt. Die katholische Minderheit des Landes werde nach wie vor diskriminiert, beklagt der Bischof von Banja Luka, Franjo Komarica. Gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) monierte er die Tatenlosigkeit der internationalen Staatengemeinschaft. Ein neues Projekt für Frieden und Zusammenarbeit ist für Bischof Komarica ein kleines Hoffnungszeichen in einer verfahrenen Situation. Das Interview führte Volker Niggewöhner.

Volker Niggewöhner: Bischof Komarica, Sie haben kürzlich in einem Interview Bosnien und Herzegowina als „Absurdistan“ bezeichnet, als einen unmöglichen Staat. Warum?

Bischof Franjo Komarica: Daran sind nicht die Einheimischen schuld, die hier nicht erst seit gestern zusammenleben. Die internationale Staatengemeinschaft, insbesondere die Europäer, haben es zugelassen, dass hier von 1992 bis 1995 ein Stellvertreterkrieg geführt wurde. Bosnien und Herzegowina ist seit dem Ende des Krieges noch immer ein Provisorium, es herrscht Stillstand.

Warum ist das so?

Bosnien und Herzegowina wird de facto geführt von einem internationalen Vertreter, dem Hohen Repräsentanten. Obwohl seit 1995 schon der achte Amtsinhaber hier ist, hat diese Präsenz das Land nicht zu einem Rechtsstaat gemacht. Und die einheimischen Politiker haben nicht die notwendigen Voraussetzungen und die Macht, um aus Bosnien und Herzegowina einen funktionierenden Rechtsstaat zu machen.


Bosnien und Herzegowina ist ein Staat mit drei konstitutiven Völkern (Serben, Bosniaken und Kroaten; Anm. d. Red.) und zwei Entitäten (Föderation Bosnien und Herzegowina und Republik Srpska; Anm. d. Red.). Die Republik Srpska steht unter dem Einfluss Russlands, die Föderation unter dem Einfluss der Türkei bzw. der islamischen Welt. Und das dritte Volk, die Kroaten (die mehrheitlich den katholischen Bevölkerungsanteil ausmachen; Anm. d. Red.), geht zugrunde. Wir kommen unter die Räder, wir sind einfach nirgendwo mehr zu Hause.

Inwieweit werden die Katholiken benachteiligt?

In jeder Hinsicht: Politisch, gesellschaftlich und auch wirtschaftlich. Oft haben Katholiken Probleme, wenn sie einen kroatischen Namen tragen. Es ist auch schwierig für sie, Arbeit zu finden. Es gibt noch einen Landesteil, West-Herzegowina, wo sie mehr oder weniger leben können. Aber auch dort wandern die Katholiken aus.

Welche Folgen hat die Auswanderung der Katholiken für das Land?

Die katholischen Kroaten wirken wie „Klebstoff“ zwischen Serben und Bosniaken. Wenn dieser Klebstoff wegfällt, dann werden diese beiden Welten – die islamische und die die orthodoxe – noch weiter auseinanderklaffen. Dann würde es noch mehr Unruhe geben.

Es sind ja auch während des Krieges Katholiken geflüchtet. Verhindert die aktuelle Situation deren Rückkehr?

Der Annex 7 des Abkommens von Dayton, der die Rückkehr aller Flüchtlinge und Vertriebenen regeln sollte, wurde nicht umgesetzt. Der Vertrag legte auch fest, dass Bosnien und Herzegowina und die internationale Staatengemeinschaft den Rückkehren politisch, rechtlich und materiell helfen müssen. Das ist im Falle der Kroaten nicht passiert. Ich habe die Papiere in Händen gehalten, auf denen stand: „So und so viel Millionen für die vertriebenen Serben, so und so viel für Rückkehr der Bosniaken.“ Und dann nur ein Satz: „Die Rückkehr der bosnischen Kroaten existiert nicht“. Also erhalten wir von dieser Seite nichts.

Wie wichtig war und ist Ihnen die Hilfe von „Kirche in Not“?

Wenn es in Europa eine Kirche in Not gibt, dann ist es unsere Kirche. In meinem Bistum Banja Luka wurden 95 Prozent der kirchlichen Gebäude im Krieg zerstört oder schwer beschädigt. Hier hat „Kirche in Not“ besonders beim Wiederaufbau geholfen. Das gilt auch für viele andere Projekte. Wichtig ist aber auch, dass „Kirche in Not“ unsere Probleme versteht, uns zuhört und wir auch in Zukunft mit Verständnis rechnen dürfen. Vergelt‘s Gott an alle Wohltäter, die hier in eine Sache Gottes investieren! „Kirche in Not“ ist nicht die Sache von Bischöfen und Priestern, nicht die Sache einer Gemeinschaft, es ist die Sache Gottes.

Sie haben ein Europa-Zentrum für Frieden und Verständigung gegründet. Was ist der Gedanke dahinter?

Wir wollen das Zentrum im ehemaligen Trappistenkloster „Maria Stern“ (Marija Zvijezda) beheimaten. Es wurde 1869 noch in osmanischer Zeit von Pater Franz Pfranner aus Vorarlberg in Österreich gegründet. Als es Probleme mit Baugenehmigungen gab, reiste Pfranner persönlich nach Konstantinopel, um mit dem Großwesir des Sultans zu verhandeln – mit Erfolg. Dialog ist möglich. In diesem Geist soll das Zentrum ein Ort der Begegnung, Bildung, Versöhnung und der internationalen wie interreligiösen Zusammenarbeit sein. Ich habe für diese Projekte schon wertvolle Mitstreiter gewinnen können. So steht zum Beispiel der ehemalige deutsche Bundespräsident Christian Wulff an der Spitze des Gründungskuratoriums. Wir wollen die Europäisierung Bosniens. Das ist eine großartige Chance.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Bosnien-Herzegowina

  1. Bosnien und Herzegowina: „Dayton-Vertrag hat keinen stabilen Frieden geschaffen“
  2. Bosnien und Herzegowina: Die Vergessenen
  3. Bosnien und Herzegowina: „Eine Blamage für Europa“
  4. Stärker als Kommunismus und Krieg
  5. „Für Katholiken gibt es keine Gleichberechtigung“
  6. Schönborn: EU-Beitritt Bosniens wäre "guter Schritt"
  7. „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“
  8. „Bosnien-Herzegowina ist der Lackmustest für die Prinzipien der EU“
  9. Bosniens Katholiken: Minderheit mit ungewisser Zukunft
  10. Bosniens Bischöfe beklagen Verdrängung der Kroaten






Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Endgültiger Bruch mit Rom droht: Priesterbruderschaft St. Pius X. kündigt Bischofsweihen an
  3. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  4. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  5. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  6. Kard. Müller nach Gespräch mit Papst Leo: „Atmosphäre ist von wechselseitigem Vertrauen bestimmt“
  7. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  8. Nach „Wort zum Sonntag“: Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen Pastorin Behnken
  9. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  10. Die Stunde der Heuchler
  11. Papst Leo XIV.: 'Abtreibung ist der größte Zerstörer des Friedens'
  12. Bischöfe und Funktionäre im Paralleluniversum
  13. Bischof von Cordoba: Priester durften bei Zugsunglück Sterbesakramente nicht spenden
  14. Berichte über neue Wunder des Hl. Charbel in den USA und im Libanon
  15. Ist Jesus der Herr?

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz