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Armenien: Mehr als 30.000 Kinder unter den Karabach-Vertriebenen

14. Oktober 2023 in Chronik, 1 Lesermeinung
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Hilfswerk Unicef: Kinder leiden schwer unter dem Erlebten - Parlament verurteilt einstimmig militärisches Vorgehen Aserbaidschans in Berg-Karabach.


Wien/Vatikanstadt (kath.net/ KAP)
Unter den gut 100.000 Bewohnern Berg-Karabachs, die aus ihrer Heimat nach Armenien geflohen sind, befinden sich mehr als 30.000 Kinder. Diese zeigen Anzeichen von schwerem psychischem Stress, wie Radio Vatikan am Dienstag unter Verweis auf das VN-Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef berichtete. "Wir sehen jetzt das Ausmaß dessen, was diese Kinder durchgemacht haben", hielt Unicef in einer Aussendung fest: "Vertreibung und Feindseligkeit, verstärkt durch Entbehrungen, haben ihre geistige und körperliche Gesundheit und ihr psychisches Wohlbefinden zerstört."
Die Kinder hätten mit intensiven Gefühlen von Traurigkeit, Angst, Furcht und Wut zu kämpfen, die sich in Albträumen, Bettnässen und Weinkrämpfen äußerten. Andere würden sich komplett zurückziehen und seien unfähig, ihre Gefühle auszudrücken oder Kontakt zu ihrer Umgebung aufzunehmen. Ohne nachhaltige Unterstützung bestehe die Gefahr, dass die Kinder noch jahrelang unter den Auswirkungen dieser zutiefst belastenden Ereignisse leiden.


Hilfe dringend notwendig
Über die dramatische Lage vor Ort informierte die heimische Caritas-Mitarbeiterin Elisabeth Haun in der "Tiroler Tageszeitung" (Mittwoch). Vor wenigen Tagen aus Armenien zurückgekehrt, sagte sie: "Nach diesem Massenexodus geht das Leid weiter. Jetzt ist die heiße Phase für die erste Notversorgung." Im Moment konzentriere sich die Caritas-Hilfe auf die Geflüchteten. Für die Hilfe in den ersten zwei Monaten nach dem Massenexodus wurden und werden noch Unterkünfte für Familien geschaffen. Spenden würden für die Grundversorgung benötigt, "Decken, warme Kleidung und Lebensmittel", so Haun. Der Plan der Caritas sei, 5.000 Menschen, die aus Berg-Karabach geflüchtet sind, direkt zu unterstützen.
"Die Menschen in ganz Armenien haben sich noch nie so unsicher gefühlt in ihrem eigenen Land wie jetzt", berichtete Haun. Man fürchte, dass sich der Konflikt ausweitet und Armenien von Aserbaidschan angegriffen wird. (Spendenkonto. Raiffeisen Landesbank Tirol, IBAN: AT79 3600 0000 0067 0950, Kennwort: Armenien.)

Parlamentsparteien einige
Im Parlament haben unterdessen am Dienstag alle fünf Parlamentsfraktionen die militärischen Handlungen Aserbaidschans verurteilt, die die Massenflucht der mehr als 100.000 ethnischen Armenierinnen und Armeniern aus Berg-Karabach verursacht haben. In dem von ÖVP, SPÖ, Grünen und NEOS im Menschenrechtsausschuss vorgelegten und einstimmig angenommenen Antrag wurde die Bundesregierung unter anderem ersucht, sich auf allen Ebenen für Deeskalation, den Schutz der Minderheitenrechte und für das Zulassen humanitärer Hilfe für die Zivilbevölkerung vor Ort einzusetzen. Zur weiteren Stabilisierung der Flüchtlingssituation solle Armenien als Schwerpunktland der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit weiterhin die nötigen Mittel zukommen, hieß es.
Alle Abgeordneten zeigten sich über den fraktionsübergreifenden Schulterschluss erfreut. Es handle sich um eine ethnische Säuberung, auch wenn diese durch andere Ereignisse aktuell aus dem medialen Fokus geraten würden, betonte Ewa Ernst-Dziedzic (Grüne). Für SPÖ-Mandatar Robert Laimer dürfe die Situation in Berg-Karabach nicht ohne Konsequenzen bleiben. Beide Abgeordnete kritisierten die Rolle der Türkei, die laut Ernst-Dziedzic Aserbaidschan "den Rücken freihalte".
Es handle sich um eine schockierende Situation in Berg-Karabach, die Haltung der Bundesregierung dazu sei aber eindeutig, unterstrich Gudrun Kugler (ÖVP). So habe etwa Außenminister Alexander Schallenberg versichert, die armenische Bevölkerung verstärkt zu unterstützen. Hannes Amesbauer (FPÖ) sprach von unterstützenswerten und wichtigen Anliegen.

Copyright 2023 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten

 


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