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Santo Subito: Historiker Hesemann plädiert für schnelle Seligsprechung Benedikts XVI.

4. Jänner 2026 in Weltkirche, 12 Lesermeinungen
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Drei Jahre nach dem Heimgang Benedikts XVI. (1927-2022) werden immer mehr Stimmen laut, die eine baldige Eröffnung des Seligsprechungsprozesses für den Theologenpapst erbitten.


Vatikan (kath.net) Drei Jahre nach dem Heimgang Benedikts XVI. (1927-2022) werden immer mehr Stimmen laut, die eine baldige Eröffnung des Seligsprechungsprozesses für den Theologenpapst erbitten. Gewöhnlich kann ein solcher Prozess erst fünf Jahre nach dem Tod des Betroffenen eröffnet werden, Ausnahmen sind aber mit Einwilligung des amtierenden Papstes möglich, wie es auch bei Johannes Paul II. der Fall war. Die vatikanische „Fondazione Ratzinger“ (Ratzinger-Stiftung) dokumentierte bereits Dutzende Bittschreiben. Jetzt rief auch der deutsche Historiker und Autor Michael Hesemann dazu auf, sich diesen Gesuchen anzuschließen und bittet darum, an den Hochwürdigsten Herrn Präfekten des Dikasteriums der Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Seine Eminenz, Marcello Kardinal Semeraro, Piazza Pio XII, 10, SCV - 00120 Città del Vaticano zu schreiben. 

Nachfolgend dokumentiert kath.net Hesemanns Brief an Kardinal Semeraro in voller Länge:

Eminenz,
Hochwürdigster Herr Präfekt,
drei Jahre ist es her, dass Papst Benedikt XVI. in das Haus des himmlischen Vaters zurückkehrte; drei Jahre, in denen die Verehrung dieses vorbildlichen Dieners Gottes in der ganzen Welt anwuchs und mit ihr die Überzeugung, dass er jene heroischen Tugenden aufwies, die von der Kirche seit jeher den großen Heiligen zugeschrieben wurden. Er war ein Mann, der mit einzigartiger Klarheit und literarischer Schönheit das Wirken Gottes verkündete und Millionen bislang Glaubensferne für den christlichen Glauben gewann. Der dabei kompromisslos allein der Wahrheit, der er dienen wollte, verpflichtet war und heroisch dem Zeitgeist trotzte, ja der lieber Spott und Häme auf sich nahm, als nur ein Iota am Wort Gottes zu verändern. Aber auch ein Mann der Demut, der sich stets dem göttlichen Willen unterwarf, dessen Motto „serviam“ war, auch wenn es seine persönliche Planung zerstörte und er ahnte, dass für diese großen Aufgaben seine physischen Kräfte nicht ausreichen würden. Ein Mann, der von Zeichen Gottes umgeben war, der im Übernatürlichen und dem Glauben an die göttliche Vorsehung verankert war. Aber der auch bereit war, allem weltlichen Glanz zu entsagen und, wie einst Celestin V., gewissermaßen zu einem betenden Mönch zu werden, aus Liebe zur Kirche und der Sorge, dass seine physischen Kräfte für das Papstamt nicht ausreichten. 


Ich hatte die große Ehre, gemeinsam mit seinem Bruder Georg Ratzinger sein Leben zu durchleuchten und die Biografie „Mein Bruder, der Papst“ zu schreiben. Dafür durfte ich dutzende Zeitzeugen aus seinem heimischen Umfeld in Bayern, Schulkameraden und Kommilitonen, Nachbarn und Freunde, interviewen – und jedes einzelne Zeugnis steigerte meine Hochachtung vor diesem Mann, der gegen seinen Willen, allein durch das Wirken des Heiligen Geistes, Papst wurde. Er hat zeitlebens Glaube, Hoffnung und Liebe gelebt, sein Leben in den Dienst des Evangeliums gestellt und allen Krisen mit unerschütterlichem Gottvertrauen getrotzt. Seine Freundlichkeit jedem Mitmenschen gegenüber, seine Bereitschaft, zu helfen und, wo es notwendig war, immer gleich zu verzeihen und seine Milde selbst Gegnern gegenüber zeugen von tiefer christlicher Nächstenliebe. Sein Eifer für das Studium der Heiligen Schrift und der Väter und Lehrer unseres Glaubens und die Reife und Klarheit seiner Gedanken machen ihn zu dem großen katholischen Theologen des 20./21. Jahrhunderts.

Ich erwähnte die Präsenz des Übernatürlichen und die Zeichen der göttlichen Vorsehung: Schon seine Geburt am Karsamstag wies ihm den Weg, ebenso sein Geburtsort Marktl auf halber Strecke zwischen dem Marienheiligtum Altötting und Braunau am Inn. Seine an ein Wunder grenzende Heilung von schwerer Krankheit, bewirkt durch einen Schlaganfall, 1991. Die Auffindung des Ankers vom Schiff des hl. Paulus vor der Küste Maltas am 24.4.2005, dem Tag seiner Amtseinführung. Der Regenbogen, der am Himmel über Auschwitz erschien, als Benedikt XVI., der deutsche Papst, Gott um Vergebung für die Verbrechen der Nazis anrief. Aber auch der Blitz als Mahnzeichen an die Welt am Tag seiner Rücktrittsankündigung 2013. Und schließlich die vielen Gebetserhörungen, von denen jene berichteten, die den „Papa emerito“ um sein Gebet in einer schwierigen Angelegenheit ersucht hatten.

Wer dort, im Monastero, Papst Benedikt begegnen durfte, bezeugt die Serenität und Demut, die tiefe Weisheit und wahrhaft heiligmäßige Ausstrahlung dieses großen Lehrers der Kirche, der im festen Vertrauen in Gott verankert war, in der Hoffnung auf das Ewige Leben lebte und den Himmel leidenschaftlich ersehnte.

Wie kein anderer wurde er zum Leuchtturm des Glaubens und der Wahrheit, zu einer prophetischen Gestalt in einer sturmumpeitschten Zeit in der Welt und auch in der Kirche. Eine Erhebung zur Ehre der Altäre könnte sein Vorbild die Zeiten überdauern lassen als Zeugen des Evangeliums, als heroischen demütigen und unerschütterlichen Kämpfer gegen die antichristliche Diktatur des Relativismus.

Millionen Christen in aller Welt, die durch sein Wirken reich beschenkt wurden, hoffen auf eine baldige Eröffnung seines Seligsprechungsprozesses. Bitte lassen Sie ihre Hoffnung nicht vergebens, ihre Stimmen nicht ungehört sein! 

Ein gnadenreiches Neues Jahr wünscht Ihnen
Mit Segenswünschen
Michael Hesemann
Historiker und Autor


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