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Zwei Formen - ein Ritusvor 17 Stunden in Kommentar, 6 Lesermeinungen Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Wie mit den verschiedenen Formen umgegangen werden soll – Von Stefan Fleischer.
Grenchen (kath.net)
Je mehr ich es mir überlege, desto mehr werde ich mir bewusst, welch grosses Geschenk uns Gott mit diesem Motu Proprio gemacht hat. Mir scheint, also wolle Er uns in diesem neuen Millenium auch einen neuen Blick auf Ihn eröffnen, uns sensibilisieren für Seine ganze, umfassende Grösse, für das ganze Geheimnis Seiner Unergründlichkeit.
Ausserordentliche Form
Die alte Form steht irgendwie unter dem Leitwort: "Ich bin der Herr, Dein Gott!" So verweist sie uns auf die ganze Grösse Gottes, Seine Herrlichkeit, Seine Unendlichkeit und Allmacht. Sie ist demzufolge stark auf den Opfercharakter dieses heiligen Tuns ausgerichtet. Sie ruft zu Anbetung auf und zum Nachdenken über unsere eigene Schwäche und Sündhaftigkeit. Das "domine, non sum dignus" klingt scharf und mahnend vor dem Empfang der Heiligen Kommunion. So wird dann grosser Wert auf die Form gelegt, auf die Ehre, die Gott gebührt und die allem zugewiesen wird, was mit Gott in direktem Zusammenhang steht, dem Priester, dem Altar, dem Kelch und der Patene et cetera. Auch die peinliche Sorgfalt im Umgang mit den Heiligen Gestalten ergibt sich aus dieser Haltung: "Du bist der Herr, mein Gott!" 
Ordentliche Form
Der neuen Form liegt mehr das Wort zu Grunde: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin Ich mitten unter ihnen." Sie verweist uns auf die ganze Nähe Gottes, Seine Liebe zu uns und die Sorge für Sein am Kreuz erworbenes, heiliges Volk. So steht denn eher der Mahlcharakter die-ser Liturgie im Vordergrund. Das "sed tantum dic verbo" ruft zum Vertrauen auf Seine Barmherzigkeit auf. Und dieses Vertrauen will uns in eine "Vertrautheit" mit Gott führen, seine Freundschaft spüren lassen, uns einladen Ihn ganz ins Zentrum unseres Lebens und unserer Gemeinschaft zu stellen.
Ein Ritus
Diese zwei, auf den ersten Blick so verschiedenen Formen, zu denen man noch viel sagen könnte, bilden nun einen einzigen Ritus. Wir dürfen und müssen lernen, in beiden Formen die je spezifische Spiritualität zu leben. Wir sind aber auch gefordert, in unserem Leben nun bewusst beides zusammen zu führen, die Grösse Gottes nicht zu vergessen, wenn wir seine Nähe betrachten, Seine Gerechtigkeit zu "fürchten" wenn wir auf seine Barmherzigkeit vertrauen. Oder anders ausgedrückt, wir dürfen und müssen uns immer mehr jener "Widersprüchlichkeit" Gottes bewusst werden, die natürlich nur für unsere beschränkte Wahrnehmung widersprüchlich scheint, in Tat und Wahrheit aber ein Ganzes bildet, das uns in jeder Beziehung massiv übersteigt.
Damit beginnt ein Sinn der oft schmerzhaften Entwicklung der letzten Jahrzehnte aufzuleuchten. Gott ist mehr, Gott ist grösser als alles, was wir uns vorstellen können. Und genau deshalb ist er uns auch näher, als wir es je ahnen werden. Wir sollen lernen, uns aus Fixierungen auf Teilaspekte der Wahrheit zu lösen und immer mehr uns bemühen, dem ganzen Gott, der allein der wahre Gott sein kann, zu begegnen. Wir sind gerufen unser ganzes Leben mit Ihm, in Ihm und auf Ihn hin zu leben. So werden wir in jeder Situation unseres Lebens, in Freud und Leid, in Not und Überfluss, im Hochgefühl und in der Trockenheit, ja selbst in Sünde und Schuld, diesen Gott erfahren, der sich genau um mich kümmert, aber gleichzeitig sich auch jedem anderen Menschen ohne Ausnahme, ja seiner ganzen Schöpfung, in gleicher Weise zuwendet. Das kann dann ein Ansatz werden, in dem sich beide Formen behutsam annähern, bis sie letztendlich in jene himmlische Liturgie einmünden, in der wir Gott so feiern werden, wie Er tatsächlich ist.
Foto: (C) Kloster Heiligenkreuz
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Lesermeinungen| | tieviekath vor 9 Stunden | | | | Danke …für diesen schönen, ausgewogenen Kommentar. Ich finde es im übrigen sehr erstaunlich, dass nach diesem Ereignis der illegalen Bischofsweihe du der Pius Ruders Haft nun so viel über die alte/neue Liturgie diskutiert wird. Und das auch von Seiten der Bischöfe auf einmal so viel Verständnis für die Messe im überlieferten Ritus publik gemacht wird. Ich hoffe alles Gute für unsere Kirche auch in dieser Beziehung und nochmals danke für diesen Kommentar. |  0
| | | | | Mensch#17 vor 11 Stunden | | | | Vorsicht: Das Problem ist komplexer! Man diskutiert in einigen Kreisen nur über die hl. Messe.
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Aber das Problem hat weit mehr Punkte.
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Neben dem Missale Romanum wurden auch die liturgischen Bücher zur Feier der anderen Sakramente und Sakramnetalien neu herausgebracht. Eigentlich sind diese dann auch zu verwenden, da bei der Neuedition auch einige Probleme der früheren Ausgaben bearbeitet wurden. Ein weiteres Problem ist der Kalender. Ich habe es als sehr unbefriedigend erlebt, dass man als Gläubiger dann u.U. bei einigen Festen und Gedenktagen an die Willkür des zelebrierenden Priesters ausgeliefert ist.
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Meines Erachtens müsste der zuletzt veröffentlichte Kalender unabhängig von der Art der Zelebration für alle Gottesdienste im römischen Ritus allgemein verbindlich sein. |  0
| | | | | Wynfried vor 14 Stunden | |  | Riten und Gebetsformen darf man nicht einfach abschaffen John Henry Newman, der große englische Konvertit und spätere Kardinal, hat in einer Predigt zum Fest der Beschneidung des Herrn über die Tatsache gesprochen, dass die Kirche in ihrer ganzen Geschichte seit den Tagen der Apostel niemals einen alten, durch lange Gebetsgewohnheit geheiligten Ritus abgeschafft hat. Auch nach dem Pfingstfest gingen die Apostel und die ersten Christen regelmäßig zum Gebet in den Tempel von Jerusalem. Man weiß nicht, wie lange. Es gab keinen Beschluss, diese Praxis aufzugeben und zu irgendeinem Termin zu beenden.
Riten können absterben. Sie können durch katastrophale Ereignisse - wie die Zerstörung des Tempels in Jerusalem - verschwinden. Sie können sich allmählich wandeln und entwicklen. Sie einfach abschaffen, wäre, so sagt Newman, ein Anschlag auf den Glauben der Menschen. Denn eine solche Abschaffung kann nie ohne schweren Schaden für den Glauben der Menschen geschehen.
Die Abschaffung eines alten Ritus wurde 1970 erstmals in der Realität vollzogen. |  2
| | | | | Cyprian63 vor 15 Stunden | | | | Eine wunderbare Meditation Vielen Dank für die schöne Meditation. Wenn wir das immer wieder bedenken, wird nicht nicht nur die Einheit der Kirche, sondern auch Christus in unserer Mitte sichtbar unter verschiedenen Betrachtungsweisen in den unterschiedlichen Formen der Liturgie. |  0
| | | | | gebsy vor 15 Stunden | |  | Vergelt's Gott! Darf in diesem Zusammenhang noch die GEISTIGE Kommunion erwähnt werden?
Seit Jahren habe ich diese Gottesbegegnung schätzen gelernt:
"IM ZWEIFEL FÜR DIE GEISTIGE STATT SAKRAMENTALE KOMMUNION"
Würde die Solidarität in der geistigen Kommunion dem Frieden dienen und das Gerichtessen verhindern? |  0
| | | | | Versusdeum vor 16 Stunden | | | | Schön herausgearbeitet Vergelt's Gott dafür. Im Übrigen habe ich die weltumspannende Universalität / Gemeinschaft der Kirche immer dann ganz besonders gespürt, wenn ich die Hl. Messe im überlieferten Ritus von einem nicht deutschsprachigen Priester, bei einer fremdsprachigen Gemeinschaft oder im Ausland erleben durfte. Im Übrigen ist die lateinische Form ja auch die eigentliche Form des Novus Ordo, die Landessprache war nur als "Ausnahme" erlaubt! Aber es war klar, dass sie die Kultsprache verdrängen würde, weil bequemer und - leider nur vordergründig - verständlicher.
Generell ziehe ich in beiden Riten die Betonung des Charakters als Opfermahl dem eines Gemeinschaftsmahles vor. Denn es geht in der Hl. Messe um Gott, der sich uns unendlich liebend zuwendet (ganz besonders in der Eucharistie) und dafür dankend angebetet werden will, nicht um mich und meine Bedürfnisse. Die Gemeinschaft ergibt sich sowieso von selbst und nicht durch ein "Shake Hands", das jede eucharistische Andacht (zer)stört. |  2
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