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„Sich einer christlichen Freiheitsvorstellung zu verschreiben, bedeutet, Leid in Kauf zu nehmen“

vor 15 Stunden in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Bischof Erik Varden bei Fastenexerzitien im Vatikan: „Christliche Freiheit bedeutet nicht, die Welt mit Gewalt zu erobern, sondern sie mit einer gekreuzigten Liebe zu lieben… damit sie befreit werde.“


Vatikan (kath.net/pl) „Frei werden“, darüber sprach Bischof Erik Varden OCSO im Vatikan in seiner vierten Meditation bei den Fastenexerzitien von Papst Leo XIV. und der Kurie am Dienstagmorgen. Varden leitet die diesjährigen Fastenexerzitien auf persönliche Einladung von Papst Leo. Der Prälat von Trondheim und Apostolischer Administrator von Tromsø ist auch der aktuelle Präsident der Skandinavischen Bischofskonferenz. Der Trappistenmönch, ein Konvertit aus dem lutherisch geprägten Christentum, ist ein gesuchter geistlicher Lehrer und Autor vieler spiritueller Bücher. Bischof Varden veröffentlichte einen Ausschnitt aus seinen Gedanken auf seinem Blog.

kath.net dokumentiert diesen Ausschnitt „Frei werden“ vom 24. Februar 2026 in eigener Arbeitsübersetzung:

Der Begriff „Freiheit“ ist in der öffentlichen Debatte umstritten geworden. Freiheit ist ein Gut, nach dem wir alle streben; wir wehren uns gegen alles, was unsere Freiheit einzuschränken droht. Daher ist die Sprache der Freiheit ein wirksames rhetorisches Mittel.

Die Andeutung, die Freiheit einer bestimmten Gruppe sei gefährdet, löst im Internet sofort Empörung aus. Sie kann sogar Menschen auf den Marktplatz bringen.


Verschiedene politische Bewegungen in Europa nutzen heute den Jargon der Freiheit. Es entstehen Spannungen. Was ein Teil der Gesellschaft als „befreiend“ empfindet, wird von anderen als unterdrückend empfunden. Es bilden sich gegnerische Fronten, und auf allen Seiten wird das Banner der „Freiheit“ hochgehalten. Erbitterte Konflikte entstehen aus unvereinbaren Agenden vermeintlicher Befreiung.

Diese Situation stellt Christen vor eine Herausforderung. Es ist unerlässlich, genauer zu definieren, was wir im Kontext des Glaubens meinen, wenn wir von Freiheit sprechen. Genau das tut Bernhard, wenn er den Vers kommentiert: „Denn er hat mich befreit vom Netz der Jäger und vom bitteren Wort.“

Für Bernhard ist es offensichtlich, dass wahre Freiheit dem gefallenen Menschen nicht „natürlich“ ist. Was uns natürlich erscheint, ist, unseren Willen durchzusetzen, unsere Wünsche zu befriedigen und unsere Pläne ungehindert zu verwirklichen, mit unserem Glanz zu prahlen und uns dafür rühmen zu lassen. Bernhard, der den Menschen in diesem Zustand der Verblendung anspricht, ist herrlich sarkastisch: „Was schmeichelst du dir selbst (oder: Was verhätschelst du dich), o Weiser?! Erkenne, dass du zu einem Tier geworden bist, dem die Fallen der Fänger gestellt sind.“

Die Tatsache, dass wir so leicht stolpern, dass wir immer wieder in dieselben alten Fallen tappen, obwohl wir genau wissen, wo sie liegen, ist für ihn Beweis genug, dass wir unfrei sind und aus eigener Kraft nicht stetig auf unser wahres Lebensziel hinarbeiten können, sondern stattdessen allerlei Hindernissen und Ablenkungen ausgesetzt sind.

Bernard gründet sein Verständnis von Freiheit auf das Ja des Sohnes zum Willen des Vaters und revolutioniert so unser Verständnis von Freiheit. Christliche Freiheit bedeutet nicht, die Welt mit Gewalt zu erobern, sondern sie mit einer gekreuzigten Liebe zu lieben, die so großmütig ist, dass wir, eins mit Christus, freiwillig unser Leben für sie geben wollen, damit sie befreit werde.

Vorsicht ist geboten, wenn die Freiheit, die mit Gewalt als Geisel gehalten wird, missbraucht wird, um das Handeln unpersönlicher Subjekte wie „der Partei“, „der Wirtschaft“ oder gar „der Geschichte“ zu legitimieren. Aus christlicher Sicht lässt sich keine Unterdrückungspolitik durch ideologische „Freiheit“ rechtfertigen. Die einzig wirkliche Freiheit ist die persönliche; und die Freiheit des einen kann die Freiheit des anderen nicht aufheben.

Sich einer christlichen Freiheitsvorstellung zu verschreiben, bedeutet, Leid in Kauf zu nehmen. Wenn Christus uns sagt: „Widersteht nicht dem Bösen“, fordert er uns nicht auf, Ungerechtigkeit zu dulden. Er zeigt uns, dass Gerechtigkeit manchmal am besten durch Leiden gefördert wird, indem man Gewalt nicht mit Gewalt begegnet.

Unser Sinnbild der Freiheit bleibt der Sohn Gottes, der sich selbst entäußerte.

Vergl. dazu auch den kath.net-Artikel: Wohltuende Überraschung: Papst beruft norwegischen Bischof Erik Varden OCSO zu seinem Fastenprediger
Weitere kath.net-Artikel über Bischof Varden: siehe Link.


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