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Maria – Marta – Lazarus: Christus, der Freund des Lebens

vor 2 Tagen in Spirituelles, 7 Lesermeinungen
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„Bethanien auch ein Bild für die Kirche. Die Kirche ist im tiefsten Sinn kein System und keine Institution. Sie ist ein Haus der Freundschaft zwischen Gott und Mensch.“ Von Archimandrit Dr. Andreas- Abraham Thiermeyer


Eichstätt (kath.net) Predigt zum 5. Fastensonntag Lesejahr A (Joh 11,1–45)

1. Bethanien – ein Haus der Freundschaft
Liebe Schwestern und Brüder, das Evangelium dieses Sonntags führt uns nach Bethanien. Es ist kein Ort großer Predigten und kein Ort großer öffentlicher Ereignisse. Es ist ein Haus. Ein einfaches Haus, in dem drei Geschwister leben: Marta, Maria und Lazarus. Und dieses Haus ist für Jesus etwas Besonderes. Der Evangelist Johannes sagt einen Satz, der im ganzen Evangelium selten ist: „Jesus liebte Marta, ihre Schwester und Lazarus.“ (Joh 11,5) Bethanien ist also mehr als ein Dorf. Es ist ein Haus der Freundschaft. Jederzeit kann Jesus und auch seine Apostel dort einkehren

Hier begegnen wir nicht zuerst dem Lehrer, dem Wundertäter oder dem Rabbi. Hier begegnen wir dem Freund. Der heilige Augustinus sagt dazu: Der Herr liebte Lazarus nicht nur als Schöpfer seine Kreatur, sondern als Freund seinen Freund.

Darum ist Bethanien auch ein Bild für die Kirche. Die Kirche ist im tiefsten Sinn kein System und keine Institution. Sie ist ein Haus der Freundschaft zwischen Gott und Mensch. Und doch geschieht gerade hier das Drama des Todes.

2. Wenn Gott scheinbar zu spät kommt
Die Schwestern schicken Jesus eine kurze Botschaft: „Herr, siehe: der, den du liebst, ist krank.“ Sie bitten nicht ausdrücklich um ein Wunder. Sie sagen nur: „den du liebst.“ Denn Liebe vertraut. Doch dann geschieht etwas Verstörendes: Jesus kommt nicht sofort. Er wartet. Zwei Tage. Und Lazarus stirbt. Viele von uns kennen diese Erfahrung: Wir beten – und Gott scheint zu schweigen. Wir hoffen – und Hilfe kommt nicht sofort.

Warum? Das Evangelium zeigt eine tiefe Wahrheit: Gottes Verzögerung ist nicht seine Gleichgültigkeit. Der heilige Gregor der Große sagt: Der Herr verzögert seine Hilfe nicht, weil er nicht liebt, sondern damit der Glaube wächst.

Oft geschieht gerade in Zeiten des Wartens etwas Entscheidendes. Der Glaube wird tiefer. Die Beziehung zu Christus wird ehrlicher. Und manchmal erkennen wir erst später, dass Gott nicht abwesend war, sondern uns auf einen größeren Horizont vorbereitet hat.


3. Marta – die Frau des großen Glaubens
Als Jesus endlich kommt, läuft Marta ihm entgegen. Gerade Marta, die man so oft nur als „Macherin“, als die „geschäftige Schwester“ sieht. Doch hier zeigt sie eine erstaunliche geistliche Größe. Sie sagt: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.“ - Das ist Schmerz. Das ist Klage. Vielleicht auch ein leiser Vorwurf. Aber es ist zugleich Glaube. Denn sie fügt hinzu: „Auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.“

Und dann spricht Jesus einen der wichtigsten Sätze des Evangeliums: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Nicht: Ich bringe irgendwann Auferstehung. Nicht: Ich erkläre euch das Leben. Sondern: „Ich bin.“ In seiner Person ist das Leben selbst gegenwärtig. Und dann stellt Jesus die entscheidende Frage: „Glaubst du das?“

Diese Frage ist nicht nur an Marta gerichtet. Sie ist an jeden von uns gerichtet. Glaubst du – auch wenn das Leben dunkel wird? Glaubst du – auch wenn Hoffnungen zerbrechen? Glaubst du – auch wenn du den Tod riechst, wie Marta sagt?

Marta antwortet mit einem der größten Bekenntnisse der Bibel: „Ja, Herr, ich glaube: Du bist der Christus, der Sohn Gottes.“

4. Maria – die Sprache der Tränen
Dann kommt Maria. Sie fällt Jesus zu Füßen und sagt denselben Satz wie Marta: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.“ Und nun geschieht etwas Erschütterndes. Der Evangelist schreibt: „Jesus weinte.“ Der Sohn Gottes weint. Der Herr der Auferstehung steht am Grab seines Freundes und weint.

Die Kirchenväter haben diesen Moment tief betrachtet. Der heilige Ephraim der Syrer sagt: Er weinte als Mensch über Lazarus – und rief ihn als Gott aus dem Grab.

Das ist der große Trost des Evangeliums: Christus steht nicht neben unserem Leid wie ein Beobachter. Er erklärt es nicht weg. Er geht mitten hinein. - Der Gott des Evangeliums ist kein kalter Philosoph. Er ist der Freund, der mit uns weint.

Christen dürfen trauern. Der Glaube verbietet die Tränen nicht. Aber er öffnet sie auf Hoffnung hin.

5. Das Grab – und der Stein
Dann geht Jesus zum Grab. Es ist eine Höhle. Ein schwerer Stein liegt davor. Und Marta sagt einen der realistischsten Sätze des ganzen Evangeliums: „Herr, er riecht schon.“ Das heißt: Es ist wirklich zu Ende, da ist nichts mehr zu machen. Der Tod ist keine Idee. Er ist Wirklichkeit.

Doch Jesus sagt: „Nehmt den Stein weg.“ Das ist erstaunlich. Der Herr der Auferstehung könnte den Stein selbst wegrollen. Aber er lässt Menschen mitwirken.

Der heilige Augustinus sagt: Der Herr erweckt Lazarus – doch die Menschen rollen den Stein weg und lösen die Binden.

Das Wunder kommt von Gott, aber Menschen sollen mitwirken. Sie sollen einander zur Freiheit behilflich sein.

6. „Lazarus, komm heraus!“
Dann ruft Jesus mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“ Und der Tote kommt heraus. Doch Lazarus ist noch gebunden. Die Hände umwickelt. Die Füße gefesselt. Darum sagt Jesus: „Löst ihm die Binden und lasst ihn gehen.“ Das Evangelium endet also nicht nur mit einem Wunder. Es endet mit einem Auftrag. Christus ruft ins Leben. Aber die Gemeinschaft verhilft mit zur Freiheit.

7. Die Binden unserer Zeit
Liebe Schwestern und Brüder, auch heute gibt es viele Menschen, die wie Lazarus in einer Grabkammer sind, äußerlich zwar noch lebendig, innerlich aber gebunden und wie tot. Gebunden durch Angst. Gebunden durch Schuld. Gebunden durch Einsamkeit. Gebunden durch Hoffnungslosigkeit. Und Christus ruft auch heute in diese Grabkammern:

„Komm heraus.“ Komm heraus aus deiner Resignation. Komm heraus aus deiner inneren Grabeshöhle. Komm heraus aus dem, was dich lähmt. Und zur Kirche, zu uns allen, sagt Christus: „Löst ihm die Binden.“ Durch Geduld. Durch ein gutes Wort. Durch Vergebung. Durch konkrete Liebe. Wo Christus gegenwärtig ist, da sollen Menschen aufatmen können. Da sollen Steine weggerollt werden. Da sollen Fesseln fallen.

8. Ein Evangelium auf Ostern hin
Die Kirche liest dieses Evangelium kurz vor Ostern. Denn die Auferweckung des Lazarus ist ein bereits ein Hinweis auf die kommende Auferstehung des Herrn.

Aber es gibt einen Unterschied. Lazarus kehrt in dieses irdische Leben zurück. Er wird eines Tages wieder sterben. Christus aber wird auferstehen, um nie mehr zu sterben.

Darum ist dieses Evangelium eine Öffnung auf Ostern hin: Es zeigt uns: Der, der hier am Grab seines Freundes steht und um ihn weint, wird selbst in das Grab hinabsteigen. Und der, der ruft „Komm heraus“, wird am Ostermorgen selbst als der Lebendige hervorgehen, um uns das ewige Leben zu schenken.

9. Das Evangelium unseres Lebens
Liebe Schwestern und Brüder, jeder von uns ist einmal in diesem heutigen Evangelium gemeint:  Manchmal sind wir Marta – fragend und glaubend mitten im Schmerz. Manchmal sind wir Maria – weinend und erschüttert. Manchmal sind wir Lazarus – gebunden in irgendeiner Dunkelheit. Doch das Entscheidende ist: Christus kommt. Und er ruft: „Komm heraus.“

Denn kein Grab ist tiefer als seine Macht. Keine Dunkelheit stärker als sein Licht. Kein Tod endgültiger als seine Liebe.

Darum dürfen wir glauben: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Das letzte Wort gehört Christus. Und dieses Wort heißt: Leben. Amen.

Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer ist der Gründungsrektor des Collegium Orientale in Eichstätt. Er ist Theologe mit Schwerpunkt auf ökumenischer Theologie, ostkirchlicher Ekklesiologie und ostkirchlicher Liturgiewissenschaft. Er studierte in Eichstätt, Jerusalem und Rom, war in verschiedenen Dialogkommissionen tätig. Er veröffentlicht zu Fragen der Ökumene, des Frühen Mönchtums, der Liturgie der Ostkirchen und der ostkirchlichen Spiritualität. Weitere kath.net-Beiträge von ihm: siehe Link.
 


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Lesermeinungen

 SalvatoreMio vor 22 Stunden 
 

Der Apostel Johannes

Danke@Mariat! So sehe ich das auch! Für Christen müsste es selbstverständlich sein, jedem gegenüber freundlich zu sein und Rede und Antwort zu stehen,so gut es geht, wenn jemand eine Frage hat, was keineswegs heißt, dass man Rüpeligkeit oder Beleidigungen hinnehmen sollte oder müsste, was ich eigentlich fast nie erlebe, weder bei Einheimischen noch bei "Ausländern".- In unserer Kirchenzeitung wollte mal jemand homosexuelles Miteinander, mit der Abendmahls-Szene Joh 21,23 @marlin rechtfertigen. Da musste man aber reagieren und dem Herrn erklären, dass man selbst in Palästina römische Tischsitten pflegte und beim Essen "zu Tisch LAG", einander zugewandt, und dass es hier und bei den Worten "der Jünger, den Jesus liebte", überhaupt nicht um Homosexualität ging.


0
 
 Mariat vor 24 Stunden 

@SalvatoreMio

Ja, Johannes missionierte in Ephesus.
In Bezug auf Moslems hatte ich auch schon gute Gespräche. Wenn man sich freundlich mit ihnen unterhält, kommt auch manchmal eine Frage, die das Christentum betrifft.
Einer sagte dann zu seinen Freunden. " Jetzt bin ich halber Christ."

Gottes Segen für Ihr wirken.


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 Mariat vor 24 Stunden 

Danke@SalvatoreMio

So kann ich es stehen lassen. DANKE.
Dann passt auch diese Bibelstelle Joh. 21,22 dazu: "...Petrus wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus liebte und der beim Abendmahl an seiner Brust gelegen und ihm gesagt hatte: Herr, wer ist es, der dich ausliefert? Als Petrus diesen sah, sagte er zu Jesus: Herr, was wird denn mit ihm? Jesus sagte zu ihm: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht das dich an? Du folge mir nach! Da verbreitete sich unter den Brüdern die Meinung: Jener Jünger stirbt nicht. Doch Jesus hatte ihm nicht gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht das dich an?"
Dann konnte Johannes( den Jesus liebte) wirklich als Augenzeuge der "Auferstehung des Lazarus" dieses Evangelium niederschreiben.
"Vergelts´Gott".


1
 
 SalvatoreMio vor 34 Stunden 
 

Die Evangelien

Liebe Mariat!Ich hatte bei meiner Ausbildung auch gelernt, dass das Markus-Evangelium zuerst entstand; Matthäus und Lukas es kannten und ergänzten bzw. eigene Schwerpunkte einbrachten, während Johannes (ich hatte gelernt, es sei der Apostel gewesen, der unterm Kreuz stand und Maria zu sich nahm) sein Evangelium sehr viel später verfasste und das, was bei den anderen Evangelien fehlte, mit seinen eigenem Erfahrungen ergänzte. - Mein eigenes Empfinden: dass er auch aufgrund längerer Lebenszeit, vieles schon tiefer reflektieren konnte. (Bei einer Zugfahrt erzählte mir mal ein Moslem, dass er in Ephesus gewesen sei, wo Johannes als Bischof gewirkt habe und wo er samt der Mutter Jesu nicht nur von Christen verehrt werde). - Übrigens heißt es immer: Johannes sei der "Lieblingsjünger" gewesen. Es ist aber so, dass Johannes sich im Evangelium nicht selbst nennt, sondern "anonym" schreibt: "Der Jünger, den Jesus liebte".


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 Mariat vor 2 Tagen 

Danke @marlin

wann die anderen Evangelien geschrieben wurden, ist mir bekannt.
Meine Frage richtete sich an Dr. Andreas Abraham Thiermeyer. Warum NUR Johannes von der "Auferweckung des Lazarus" berichtet hat - und dies so viele Jahre später.
Aber vielleicht kann man dies nicht beantworten.
Auch über den Evangelisten Johannes gibt es unterschiedliche Meinungen.
Die einen Exegeten sagen: Es stammt vom Lieblingsjünger Johannes, dem Apostel, der 101 Jahre alt wurde.
Andere sagen: Es war jemand der den Namen Johannes annahm.
Aber nochmal vielen Dank
Gottes Segen


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 marlin vor 2 Tagen 
 

@Mariat

Die die synoptischen Evangelien Mt/Mk/Lk wurden früher verfasst, mit der Absicht, Menschen in der Zukunft die Begegnung mit Jesus zu vermitteln. Sie enthalten viele übereinstimmende Inhalte, sind aber keine Chroniken von Ereignissen. Sie waren nicht als Geschichtswerke oder, strenggenommen, als Biografien gedacht.
Das Johannesevangelium wurde später verfasst, mit der offensichtlichen Absicht, Lücken zu füllen und bestimmte Fragen zu klären. Also wollte Johannes vermutlich die synoptischen Evangelien ergänzen, ohne alles zu wiederholen.
Angeblich hat Benedikt XVI in seiner Buchreihe „Jesus von Nazareth“ (habe selber noch nicht gelesen) die scheinbaren Widersprüche analysiert und synthetisiert.
Auch die Einleitung zum Johannesevangelium in der „Neue Jerusalemer Bibel“ (Auflage von 2007), beschreibt ziemlich ausführlich das Evangelium und seine Entstehung.


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 Mariat vor 2 Tagen 

Warum schrieb nur Johannes über 100 n. Chr. darüber?

Sehr geehrter Hr. Dr. Andreas- Abraham Thiermeyer, diese Frage beschäftigt mich.
Warum hat keiner von den Evangelisten, Markus oder Matthäus, die Jesus kannten, vielleicht auch dabei waren, als ER Lazarus herausrief; darüber berichtet?


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