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| ![]() Nicht mehr zu retten - Zum Substanzverlust der Kirchevor 1 Stunden in Kommentar, keine Lesermeinung "Unter religionssoziologischen Gesichtspunkten ist die sich so präsentierende Kirche nicht mehr zu retten. Das innere Geschehen wird einen substantiellen Unterdruck im Gebäude der Kirche erzeugen..." Gastkommentar von Prof. Hubert Windisch Freiburg i.Br. (kath.net) * Widersprüchlichkeit ist dort gegeben, wo etwas in sich nicht mehr stimmt, wenn also Außen und Innen nicht mehr zueinanderpassen, wenn Reden und Tun auseinanderklaffen, wenn Behauptung und Wirklichkeit sich widersprechen. Das kann bei einzelnen Personen so sein, bei Gruppen oder Parteien, bei Großorganisationen wie z. B. den Kirchen, das kann ein gesamtes Gemeinwesen, also einen Staat betreffen. * Sofort kommt einem das C in den C-Parteien in den Sinn. Es sollte für „christlich“ stehen, ist aber inzwischen nach jahrzehntelanger Weichspülung durch diverse Parteivorsitzende weithin zu einer Nullnummer, ja schlimmer noch zu einer Karikatur verkommen. Die Causa Spahn zeigte das zuletzt überdeutlich. Das C bleibt noch im Parteinamen, damit Wähler im guten Glauben an das äußere C einer christlich leider entkernten Partei ihre Stimme geben. * Nicht anders verhält es sich mit der Kennzeichnung „r.-k.“ der Kirche. Mit dieser Kennzeichnung wird eine Identität behauptet, die in der Wirklichkeit oftmals nicht mehr gegeben ist. An drei Beispielen nur sei das veranschaulicht: In der Diözese Hamburg laufen Eltern dagegen Sturm, daß in den katholischen Schulen ihre Kinder ab jetzt im Sexualkundeunterricht auch nichtchristliches Material (LGBT usw.) konsumieren sollen. Sie wenden sich an Rom. Rom ermahnt die diözesane Schulbehörde mit einer Antwort vom 6. Juli 2026 an das kritische Elternnetzwerk durch den Hinweis auf die katholische Lehre und das christliche Menschenbild, wie sie in den Leitlinien von 2019 „Als Mann und Frau schuf er sie“ zu finden sind. Der neue Sexualkundeunterricht wird trotzdem verordnet. Rom schweigt. Verachtung der Eltern, Mißbrauch der Kinder! In der Diözese Mainz nimmt der Bischof das neue Schreiben des römischen Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung vom 17. Juni 2026 zum Verbot der Laienpredigt in der Eucharistiefeier zur Kenntnis, hält es sogar für richtig, möchte aber gegen den inzwischen weit verbreiteten Brauch der Laienpredigt nicht einschreiten. Falsche Duldung als pastorale Methode. Der Kardinal von München gibt eine Handreichung zur Segnung irregulärer, also auch homosexueller Beziehungen heraus, obwohl das nicht einmal das sophistische römische Dokument „Fiducia supplicans“ ermöglicht. Rom schweigt und duldet. Anything goes. * Der Substanzverlust der Kirche durch Widersprüchlichkeit ist enorm. Wir können im Zeitraffer die Erosion der Gnadenanstalt (Michael Ebertz) verfolgen. Aus „r.-k.“ wird rasant „a.-k.“, d. h. anders-katholisch, wie sich der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing einmal in bezug auf den Synodalen Weg brüstete. Sehr schnell wird daraus aber ein „n.-k.“, ein nicht-mehr-katholisch. Diese Entwicklung tut weh: allen Männern, die ehrlich-katholisch Priester sein oder werden wollen; den Gläubigen, die am Sonntag eine würdevolle Eucharistiefeier mit einer authentischen Predigt erleben wollen und ihren Alltag im Gebet und im sakramentalen Leben zu gestalten versuchen. Für sie alle ist die Kirche oftmals keine Heimat mehr, sondern ein äußerlich noch funktionierender hohler Raum, in dem sie geistlich frieren und verhungern. * Hintergrund und Motor für diesen Substanzverlust ist, um es bildlich auszudrücken, eine Kirche, die vor allem durch das sog. Bergogliolehramt mit seinen häresie-, ja apostasieaffinen Entscheidungen (z. B. Abu Dhabi, Pachamama, Singapur, Amoris laetitia, Fiducia supplicans u. a.) vom Felsen auf Treibsand gestellt wurde (vgl. Gavin Ashenden, Der Treibsand unter der Kathedrale). Alles ist (pastoraler) Prozeß, heißt es jetzt, synodal die Wahrheit, der Weg das Ziel. Wenn aber der Weg das Ziel ist, hat der Weg kein Ziel mehr. Das ist die Widersprüchlichkeit des Relativismus. Eigentlich ist der sog. Synodale Weg in der Kirche Deutschlands nichts anderes als der Versuch, diese Widersprüchlichkeit zu institutionalisieren. Und Rom beeilt sich, weltkirchlich mitzuhalten! * Unter religionssoziologischen Gesichtspunkten ist die sich so präsentierende Kirche nicht mehr zu retten. Denn das geschilderte innere Geschehen wird einen substantiellen Unterdruck im Gebäude der Kirche erzeugen. Ab einem bestimmten Punkt wird es die äußere Schale zerreißen, und das System wird implodieren. Die Kirche aber wird nicht untergehen. In Oasen und auf Inseln des Zeitgeschehens, zunehmend auch in Katakomben wird sich ein (heiliger!) Rest von Gläubigen sammeln, mit wenigen Priestern ehrfürchtig Gottesdienst feiern, ob im Vetus oder im Novus Ordo, Wort und Sakrament als Nahrung für ihr Leben haben und immer neu das Wort des Gekreuzigt-Auferstandenen hören: Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt (Mt 28,20). Hubert Windisch (Link) ist Priester und emeritierter Professor für Pastoraltheologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br. Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. 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