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Asymmetrisch blinder Blick auf die deutsche Landschaftvor 6 Stunden in Kommentar, 8 Lesermeinungen Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
"Die Caritas-Präsidentin gefällt sich in einem Interview mit einem umstrittenen Portal darin, Lieblingsfeind einer der beiden ostdeutschen Volksparteien geworden zu sein. Dreimal darf man raten, welcher Partei." Kommentar von Peter Winnemöller
Bonn (kath.net/Blog "katholon") Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa darf sich im Interview über politische Einseitigkeit und den Opferstatus der Caritas auslassen. Das Gespräch mäandert von putzig über peinlich zu ärgerlich und zurück. Vor allem arbeitet es sich an einer der beiden neuen ostdeutschen Volksparteien ab.
Die Caritas-Präsidentin gefällt sich in einem Interview mit dem umstrittenen Portal katholisch.de darin, Lieblingsfeind einer der beiden ostdeutschen Volksparteien geworden zu sein. Dreimal darf man raten, welcher Partei.
Da mutet die Begeisterung, die Eva Welskop-Deffaa der Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp entgegenbringt, fast putzig an. Zähneknirschend gesteht sie der Berliner Linken ein „beachtliches Antisemitismus-Problem“ zu. So weit, so schlecht. Kein Wort davon, dass die SED-Nachfolgepartei Berlin zurückgewonnen hat. Kein Wort von ihren Enteignungsplänen, wenig von den umstrittenen Gästen auf der Neuköllner Wahlparty oder dem Rapper, der bei einer Wahlkampfveranstaltung der Linken „Yalla Yalla Intifada“ und „Death to the IDF“ gerufen hatte. Eralp hat diesen Auftritt später natürlich scharf verurteilt.
Sagenhaft bleibt, wie die Präsidentin eines der größten Wohlfahrtsnetzwerke Deutschlands das Hufeisen der Radikalisierung zu einer einseitig rechten Gefahr zurechtbiegt. Fast schon getragen von den Stichworten ihres Interviewers Steffen Zimmermann arbeitet sich Welskop-Deffaa an der AfD und an dem ab, was diese möglicherweise tun könnte, wenn sie in Sachsen-Anhalt regierte. Eine Caritas-Präsidentin als Geisterjägerin. Wie peinlich kann man werden?
Dialog, nein danke
Peinlicher als gedacht, wenn man weiterliest, wie sehr sie beeindruckt, „wie es insbesondere Magdeburgs Bischof Gerhard Feige gelungen ist, Menschen um sich zu sammeln und deutlich zu machen: Wir haben eine gemeinsame Verantwortung, die Menschenwürde zu verteidigen.“ 
Feige hat als Bischof einer dramatisch kleinen Minderheitenkirche gegen die vor Ort stärkste Partei gepestet, was das Zeug hält. Während man sich kirchlich sonst mit nahezu jedem dialogbereit zeigt, wurden hier im hehren Kampf gegen Rrrrrrächts die Türen mit maximaler Lautstärke zugeschlagen und gleich mit 12-Zoll-Nägeln verrammelt. Dann wundert man sich über das undiplomatische Echo?
Auch Welskop-Deffaa zieht sich hinter die soziale Macht der Caritas zurück. Einerseits trumpft sie auf, andererseits gibt sie die Opfernummer. Ihre Migrationsarbeit werde seit Jahren von Rechtspopulisten mit dem Begriff „Asylindustrie“ diskreditiert.
Stimmt. Industrie ist das nicht. Sonst müsste man hohe Standards und Normen einhalten und nachprüfbare Qualität bei der Integration produzieren. Allein aufgrund der Größe des Apparates ist die Metapher allerdings nicht völlig aus der Luft gegriffen. Die Caritas betreibt zahlreiche Migrations-, Flüchtlings- und Integrationsangebote, von denen viele mit Mitteln von Bund, Ländern und Kommunen finanziert werden.
„Insofern sind wir für viele nicht die, denen man zuallererst zutraut, Brücken zu bauen.“
Luis-de-Funès-Modus an. Nein! Doch! Ohhh! Luis-de-Funès-Modus aus.
Wenn am Status quo Arbeitsplätze hängen
Wer einen großen öffentlich finanzierten Apparat in der Migrationsarbeit unterhält, hat zwangsläufig auch institutionelle Interessen. Welskop-Deffaa sagt selbst, eine AfD-Regierung könne die Finanzierung der Wohlfahrtsverbände einfrieren oder drastisch kürzen und damit Arbeitsplätze gefährden.
Das macht Kritik an der AfD nicht automatisch falsch. Es gehört aber zur Wahrheit, dass die Caritas in dieser Frage nicht als unbeteiligte Beobachterin auftritt.
Man muss weder rechts sein noch Menschen anderer Herkunft hassen, um festzustellen, dass ungesteuerte Einwanderung Gesellschaften in Europa und Nordamerika vor gewaltige soziale, finanzielle und sicherheitspolitische Probleme stellt. Wer darüber reden will, darf nicht schon dadurch zum Feind erklärt oder als rechts geframt werden. Auch ein Blick in die aktuelle Pisa-Studie könnte lehrreich sein, wie hoch die Überforderung auch dieses Teils der Gesellschaft ist.
Ergebenheitsadresse an den Kanzler
Friedrich Merz bekommt klaren Rückhalt. Immerhin habe der Bundeskanzler die Enzyklika Papst Leos XIV. über Künstliche Intelligenz mit in den Sommerurlaub genommen.
„In dieser Phase brauchen wir“, sagt Welskop-Deffaa, „eine handlungsfähige Bundesregierung, die dem Spaltungsgift ringsherum Dialogbereitschaft, Klugheit und Liebe zu den Menschen entgegensetzt.“ Diese Ergebenheitsadresse lässt nur eine Frage offen: Was darf Satire?
Man hat noch gut im Ohr, wie Merz eine krebskranke Frau anranzt, eine besorgte Lehrerin fertigmacht und immer wieder damit auffällt, Menschen von oben herab zu behandeln. Der Elfenbeinturm der Caritas-Präsidentin scheint also ungefähr auf gleicher Höhe und ähnlich gut abgeschottet wie der Regierungsturm. Prima!
Das Pesten gegen den Tankrabatt rundet die Comedy nach unten ab. Welskop-Deffaa verweist auf Berliner mit niedrigem Einkommen, die keinen Tankrabatt bräuchten, weil sie kein Auto hätten und Angst davor, im Winter ihre Wohnung nicht heizen zu können. Das stimmt. Nur leben nicht alle Deutschen in Berlin.
Hier wäre vielleicht der Hinweis auf die Kugel Eis angebracht. Mehr sollte die Energiewende doch angeblich nicht kosten. Die Caritas hält weiterhin unbeirrt an ihrer klimapolitischen Mission fest.
Aus der Sammlung wird der Sozialapparat
Es gab eine Zeit, da kamen jährlich die Damen der örtlichen ehrenamtlichen Caritas zur Sammlung. Sie bekamen immer gerne ein Scheinchen. Sie leisteten Hilfe, wo Hilfe nötig war, ohne daraus einen Beruf zu machen.
Sie kommen schon lange nicht mehr. Das alte Bild der Caritas ist weitgehend verschwunden. Ehrenamtliche gibt es weiterhin. Geprägt wird die Organisation heute aber von einem professionellen Apparat mit mehr als 770.000 Beschäftigten in rund 25.000 angeschlossenen Einrichtungen und Diensten.
Die Caritas selbst weist zu Recht darauf hin, dass sie rechtlich kein Konzern ist. Hinter ihrem Namen stehen Tausende selbstständige Träger. Das ändert nichts daran, dass hier eine gewaltige soziale und politische Macht entstanden ist, die eng mit dem staatlichen Sozialwesen verflochten ist.
Dazu passt ein kirchliches Arbeitsrecht, das längst weitgehend verweltlicht ist. Ob Menschen geschieden und wiederverheiratet sind, mit einem gleichgeschlechtlichen Partner leben oder nicht katholisch sind, spielt für viele Tätigkeiten keine Rolle mehr. Alle sind willkommen.
Doch wehe, jemand kandidiert für die blaue Partei. Dann kann es ungemütlich werden. Gerade erst beschäftigen Arbeitsgerichte Fälle, in denen Caritas-Träger Mitarbeiterinnen wegen einer AfD-Kandidatur gekündigt haben.
Wer ist wessen Lieblingsfeind?
Die Caritas als Lieblingsfeind der AfD? Nach Lektüre des Interviews bestätigt sich eher der gegenteilige Verdacht: Die AfD ist der Lieblingsfeind der Caritas.
Das hat auch handfeste Gründe. Welskop-Deffaa spricht selbst von der Gefahr gekürzter Finanzierung und gefährdeter Arbeitsplätze unter einer AfD-Regierung. Die Blauen wollen dem etablierten Wohlfahrtssystem an die Pfründe. Das kann einem großen Verband nicht gleichgültig sein.
Caritas bedeutet Nächstenliebe. Sie soll nicht um einer guten Bilanz willen geübt werden. Zugleich müssen die rechtlich selbstständigen Caritas-Träger wirtschaftlich arbeiten. Als gemeinnützige Organisationen dürfen sie erwirtschaftete Überschüsse nicht an Eigentümer ausschütten, sondern müssen sie wieder ihren Aufgaben zuführen. Das macht sie nicht interessenlos.
Eine gewisse Verunsicherung bleibt nach dem Interview zurück. Sie betrifft die Blindheit auf dem linken Auge, die man innerkirchlich immer wieder beobachten kann. Hat man vergessen, wie die Deutsche Demokratische Republik (DDR) mit den Kirchen umging? Muss sich erst wieder zeigen, dass ein Antisemitismus-Problem und ein problematisches Verhältnis zum Christentum nicht nur auf der politischen Rechten vorkommen?
Die Geschichte kommunistischer Regime ist auch eine Geschichte der Verfolgung und Unterdrückung von Kirchen und Christen. Wer mit diesem historischen Wissen auf die politische Landschaft blickt, sollte beide Augen offen halten.
Diese asymmetrische Fehlsichtigkeit ist mehr als nur ein wenig bedenklich.
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Lesermeinungen| | landpfarrer vor 1 Stunden | | | |
"Deshalb besuche ich an diesem "Caritassonntag" und am ersten Fastensonntag keine Hl. Messe mehr, bei der ich befürchten muss, dass statt der Predigt radikal linke politische Pamphlete verlesen und Hass und Hetze gegen Konservative verbreitet werden. Aber wo außer im überlieferten Ritus der Kirche, wo es so etwas von Haus aus nicht gibt, hat man schon eine 100%ige Sicherheit?" Im Falle des 1. Fastensonntags meinen Sie da mit "Pamphleten die verlesen werden" etwa den Fastenhirtenbrief des Diözesanbischofs? Interessant aiuch Ihre Bemerkung, Sie gingen an solchen Tagen in eine "Alt-Ritus_Messe". Wenn es sich da nicht um Messen der Schismatischen Pius-Bruderschaft handeln sollte, sondern um solche der Petrusbruderschaft oder anderer Gemeinschaften auf jeden Fall um solche mit Bischöflicher Genehmigung, so wunder ich mich, dass dort der Hirtenbrief des Diözesanbischofs nicht verlesen würde, denn die Verlesung des Hiretenbriefes ist verbindlich in allen Kirchen einer Diözese ! |  0
| | | | | Christianlay vor 1 Stunden | | | | Das wichtigste Anliegen des Feminismus Übersehen wird leider in diesem sehr guten Artikel, daß die Spitzenkandidatin der "Linken" zuvörderst gelobt wird, weil sie eine türkischstämmige Feministin ist!In Deutschland feiert der Feminismus 100.000 getötete Kinder im Mutterleibe pro Jahr, in 10 Jahren 1 Million! Das lobt die Caritaspräsidentin!
Uwe Lay Pro Theol Blogspot |  0
| | | | | Versusdeum vor 2 Stunden | | | | @SarahK Deshalb besuche ich an diesem "Caritassonntag" und am ersten Fastensonntag keine Hl. Messe mehr, bei der ich befürchten muss, dass statt der Predigt radikal linke politische Pamphlete verlesen und Hass und Hetze gegen Konservative verbreitet werden. Aber wo außer im überlieferten Ritus der Kirche, wo es so etwas von Haus aus nicht gibt, hat man schon eine 100%ige Sicherheit? |  2
| | | | | SarahK vor 4 Stunden | | | | @Jothekieker, ich fände es interessant zu sehen ob und wie die Kirche und ihre Organisationen umschwenken sollte es zu einer breiten Regierung der AfD kommen. Das hat jetzt keinen Bezug zu der Partei, weil sie mich bisher nicht überzeugt, aber hier schließt sich der Kreis zu Frankreich. Denn mir erscheint es doch sehr so, dass die Kirche in Frankreich tendenziell eine deutlichere Distanz zu politischem Einfluss wahrt, während die Kirche in Deutschland stärker mit umfassenderen politischen und gesellschaftlichen Debatten verbunden ist und sich in manchen Fällen offenbar an bestimmten politischen Agenden orientiert. Die Fürbitten bei uns letzten Sonntag bei uns waren witzig, da mir die Lektorin selbst gesagt hatte, was sie wählt und mir auch ein paar ihrer „(Verschwörungs)Theorien“, habe mich gefragt wie die so politische Fürbitten vorlesen kann ohne rot zu werden. Anyway, es bleibt lustig. Aber Papst Leo hat Recht, mit seiner Antwort zu Deutschland, denn für Gott ist nichts unmöglich. Beten wir weiter (PS „das umstrittene“ Made my day) |  1
| | | | | Johannes14,6 vor 4 Stunden | | | | SPENDEN gehen an KATHOLISCHE Organisationen,
aber schon lange weder an Caritas, Diakonie, AWO, DLRG
und alle, die meinen, mit Ausgrenzung und Diffamierung kritischer Stimmen bei den Regierenden zu punkten, aber blind sind für linke Eskapaden und politische Gewalt.
@Jothekieker So ist es wohl !
Danke, Herr Winnemöller, Zustimmung!
PS: Ich halte das Parteiensystem als Ganzes für fragwürdig.
Amthors Strandkorb ist ein Exempel, daß nach ganz oben kommt, wer sich am besten bücken kann.
HALTUNG statt KOMPETENZ.
SPITZENPOLITIKER sollten doch eine Auswahl der BESTEN, nicht der UNFÄHIGSTEN sein. Davon sind wir weit weg gekommen.
Die Untergebenen dürfen ja nicht fähiger als der Chef sein, sonst werden sie zu Konkurrenten, und MINISTER MIT SACHKENNTNIS wären ein Hindernis für die "EXPERTOKRATIE" DER LOBBYGRUPPEN. |  2
| | | | | Versusdeum vor 4 Stunden | | | | Volle Zustimmung, allerdings: Wo ist das angebliche Antisemitismus-Problem bei der politischen Rechten? Ich beobachte seit Jahrzehnten ein breites Spektrum an Medien (u.a. via Nachrichtenisch.de) und habe zumindest seit dem Angriff auf Israel 2023 praktisch keinen Fall "von rächz" mitbekommen, dafür aber unzählige links- ausländisch- und islamistisch-extremistische Fälle - deren Urheberschaft freilich fast immer erst beim hartnäckigen Dranbleiben oder per Vorname / Bild in dem gleichnamigen Blatt klar wurden.
Und ja, wenn man aktiv sucht, findet man bei 80 Millionen "Einwohnenden" immer irgendwo für irgendwas irgendeinen vermeintlichen Beleg. Ich spreche aber von den täglich mittlerweile zig Messerattacken und -anschlägen, deren schlimmste Fälle teils sogar in linken Medien wie der SZ berichtet werden, freilich nur in unter 5% mit Andeutungen zum Täter.
Und nein, nur, weil bei einem Tatberdächtigen nicht angegeben ist, wer er ist, ist er nicht automatitisch ein "Biodeutscher" - ganz im Gegenteil! |  2
| | | | | René_007 vor 4 Stunden | | | | Bischöfe machen mit - und zwar alle Auch die deutschen Bischöfe machen bei der politischen Ausgrenzung der AfD kräftig mit – und zwar geschlossen.
Wer ständig von Demokratie, Dialog und gesellschaftlichem Zusammenhalt spricht, sollte sich fragen, ob Ausgrenzung tatsächlich der richtige Weg ist. Menschen, die AfD wählen oder ihr angehören, werden abgestraft. Selbst Messdiener und Mitarbeiter in Verwaltungsräten sollen wegen ihrer politischen Haltung unter Druck gesetzt oder weggemobbt worden sein. In userem Kerwe-Umzug (Kirchweih-Fest) ist letzte Woche eine Gruppe von „Unsere Demokratie“ mitgelaufen. Geht’s noch? Die Kirche darf politische Positionen kritisieren – aber sie sollte nicht ihre eigenen Gläubigen nach ihrer Parteizugehörigkeit sortieren.
Ein AfD-Wähler verliert durch seine Wahl weder seine Taufe noch seinen Glauben noch seine Menschenwürde. |  2
| | | | | Jothekieker vor 6 Stunden | | | | Ein natürlicher Feind Die Caritas ist einer der Big Player der deutschen Asylindustrie. Man darf daher keine Freundschaft zu einer Partei erwarten, die die illegale Einwanderung unter Kontrolle bringen will. |  5
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