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„Mitten im Leben mit dem Tod umfangen…“

3. November 2017 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Dass wir „mitten im Leben mit dem Tod umfangen“ sind, wird dieser Tage wieder in einem alten Lied (GL 503) erinnert. Von Bischof Heinz Josef Algermissen


Fulda (kath.net/pbf) Dass wir „mitten im Leben mit dem Tod umfangen“ sind, wird dieser Tage wieder in einem alten Lied (GL 503) erinnert. Indes wird die harte Wahrheit und nackte Realität des menschlichen Lebens generell gerne vergessen oder verdrängt, wie bereits der französische Philosoph Blaise Pascal beobachtet hat: „Weil die Menschen gegen den Tod kein Heilmittel finden konnten, sind sie, um glücklich zu werden, darauf verfallen, nicht mehr daran zu denken.“ Um den Allerseelentag aber, an dem wir unserer Toten gedenken, können wir eigentlich der Wahrheit des menschlichen Lebens nicht ausweichen.

Dass es aber mit Trostlosigkeit nicht sein Bewenden haben muss, darin besteht die Verheißung des christlichen Glaubens. Denn dieser Glaube hat die Kraft, uns eine noch ganz andere Wahrheit zuzusprechen. Er hat den Mut, die Realität des alten Chorals auf den Kopf zu stellen und umzukehren, indem er uns die viel größere Verheißung zuspricht, dass wir mitten im Tod mit dem Leben umfangen sind.


Ostern ereignet sich nämlich immer wieder neu an jedem Menschen, der in das absolute Geheimnis hineinstirbt, wie es der johanneische Christus selbst verheißen und seinen Vater gebeten hat: „Ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast vor der Erschaffung der Welt“ (Joh 17,24). Jesus will also alle, die zu ihm gehören, endgültig bei sich haben, will ihnen Anteil geben am Leben seiner österlichen Vollendung.

Wir aber, die wir uns zum Gedenken an unsere Verstorbenen versammeln, sind persönlich gefragt, ob wir es denn zu glauben vermögen. Denn der Glaube an das Leben des Menschen über die Todesschranke hinaus und an seine Auferweckung aus dem Tod ist der Ernstfall unseres Glaubens an Gott. Was wäre das denn auch für ein Gott, der uns nur während eines relativ kurzen irdischen Lebens die Treue hielte, aber vor unserem Sarg kapitulieren und uns gegenüber beim Tod seine Treue aufkündigen würde? Es wäre gewiss ein erbärmlicher Götze, nicht aber der Gott des grenzenlosen Erbarmens, den uns der christliche Glaube verheißt. Der Gott und Vater Jesu Christi stellt seine Treue vielmehr auch und gerade über unser Grab hinaus unter Tatbeweis. Er ist und bleibt bei uns, auch wenn wir in unserem Sterben völlig einsam geworden sein werden. Er behütet uns, wenn wir „fortgehen und wiederkommen“, wie der Psalm 121 diese tröstliche Verheißung unüberbietbar schön ausdrückt: „Er lässt deinen Fuß nicht wanken; er, der dich behütet, schläft nicht. Nein, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht“ (Ps 121,3+4).

Wenn wir, liebe Leserinnen und Leser, die ganze Tragweite der christlichen Hoffnung erfassen, werden wir im Blick auf das Schicksal unserer Toten in ein österlich gestimmtes Amen-Halleluja einstimmen und uns selbst bestärken, dass wir mitten im Tod mit dem Leben umfangen sind, mit dem befreienden, barmherzigen und ewigen Leben Gottes. Diese Botschaft möge uns alle trösten und aufrichten.


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