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Neuausgabe von Orwells ‚1984‘ mit Warnung vor fehlender politischer Korrektheit

7. Juni 2025 in Kultur, 7 Lesermeinungen
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‚Wir bringen jemanden dazu, George Orwell wegen Gedankenverbrechen zu verurteilen, und zwar in dem Buch, das er über Gedankenverbrechen geschrieben hat‘, kritisiert der Schriftsteller Walter Kirn.


New York City (kath.net/jg)
Der Verlag Penguin Publishing Group, die amerikanische Tochtergesellschaft von Penguin Books, hat anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Erstveröffentlichung von George Orwells dystopischem Roman „1984“ eine Neuauflage herausgebracht. Das Vorwort der Schriftstellerin und Literaturdozentin Dolen Perkins-Valdez enthält einige kritische Anmerkungen, weil der Roman den Vorgaben der gegenwärtigen politischen Korrektheit nicht entspricht, berichtet Apollo News.

In „1984“ kämen „überhaupt keine schwarzen Charaktere“ vor. Eine „zeitgenössische Leserin“ wie sie es sei, verwundere das, schreibt Perkins-Valdez. Es sei schwierig, „einen kleinen Funken Verbindung“ zu einem Buch herzustellen“, das „nicht viel über Rasse und Ethnizität spricht“, kritisiert sie. Perkins-Valdez ist Afro-Amerikanerin.


Sie lese den Roman „so, wie er ist“, aber „nicht als Klassiker, sondern als gute Geschichte. Zumindest bist sich Winston als problematische Figur entpuppt“, schreibt sie wörtlich.

Die Hauptperson des Romans, Winston Smith, möge „fast keine Frauen“ und „besonders nicht die jungen und hübschen“. Die Ansichten Smiths über Frauen seien „für den zeitgenössischen Leser zunächst verachtenswert“. Er sei „die Art von Charakter, die mich dazu bringen kann, ein Buch wegzulegen“, schreibt sie weiter.

Gerade angesichts der in „1984“ behandelten Thematik bleibt Kritik an Perkins-Valdez‘ Vorwort nicht aus. Der Schriftsteller Walter Kirn hat gemeinsam mit Co-Moderator Matt Taibbi in der Sendung „America This Week, Live“ die Neuausgabe besprochen. Sie sei „mit einer Entschuldigung für sich selbst veröffentlicht“ worden. „Wir bringen jemanden dazu, George Orwell wegen Gedankenverbrechen zu verurteilen, und zwar in dem Buch, das er über Gedankenverbrechen geschrieben hat“, kommentierte Kirn. Abschließend sagte der Schriftsteller: „Also, danke für Ihre Warnung von ‚1984‘. Es das verdammt ‚1984‘-mäßigste, was ich je gelesen habe.“

Orwells 1950 erstmals veröffentlichter Roman „1984“ beschreibt eine totalitäre Diktatur, in welcher die Menschen praktisch ständig überwacht werden. Die Partei bestimmt, was wahr und was falsch ist. Die Vergangenheit wird entsprechend den jeweils von der Politik vorgegebenen Direktiven umgeschrieben und angepasst. Orwell widmet ein eigenes Kapitel dem „Neusprech“, einem Sprachkorsett, mit dessen Hilfe das Denken und Sprechen gesteuert wird, sodass Opposition zur Meinung der Partei nicht einmal mehr gedacht werden kann.

 


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