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Romancier, Glaubender und Ankläger: Vor 80 Jahren starb Franz Werfel

2. September 2025 in Kultur, 1 Lesermeinung
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In Wien bestatteter jüdischer Schriftsteller wurde mit Romanen "Das Lied von Bernadette" sowie "Die vierzig Tage des Musa Dagh" weltbekannt - Katholizismus prägte sein Werk entscheidend.


Klagenfurt (kath.net/ KAP) 
Just inmitten der letzten Züge des Zweiten Weltkriegs am 26. August 1945 starb im kalifornischen Beverly Hills einer der berühmtesten deutschsprachigen Autoren der Zwischenkriegszeit: der Schriftsteller Franz Werfel, im Alter von erst 54 Jahren. Bekanntheit erlangte er mit dem Roman "Das Lied von Bernadette" (1941), der das Leben der französischen Lourdes-Seherin Bernadette Soubirous literarisch verarbeitete. Werfel hatte das Buch nach einem Fluchtaufenthalt in dem pyrenäischen Wallfahrtsort als Gelübde geschrieben, erinnert der "Kärntner Sonntag" in seiner aktuellen Ausgabe.
Geboren wurde Werfel 1890 in Prag als Sohn jüdischer Eltern. Obwohl auch er zeitlebens dem Judentum angehörte und nicht konvertierte, zeigen viele seiner Werke eine tiefe Auseinandersetzung mit dem Christentum, insbesondere mit katholischer Frömmigkeit. So besuchte er etwa eine katholisch geführte Schule der Piaristen in Prag und wurde dort, ebenso wie durch seine tschechische Kinderfrau, früh mit katholischen Glaubensvorstellungen vertraut. In mehreren autobiografischen Texten beschrieb er später, ihn habe eine "innere religiöse Berufung" zeitlebens begleitet.
Während der deutschen Besatzung Frankreichs 1940 floh Werfel über Lourdes, wo er kurzzeitig untertauchte. Er gelobte, über Bernadette Soubirous zu schreiben, falls er gerettet würde. Das nach geglückter Flucht über Spanien und Portugal in die USA verfasste Werk wurde ein kommerzieller Erfolg und später in Hollywood mit Jennifer Jones in der Titelrolle verfilmt. In seinem Vorwort bezeichnete Werfel das Buch als Erfüllung eines religiösen Versprechens und als Teil eines literarischen Lebenswerks, das sich dem "göttlichen Geheimnis und der menschlichen Heiligkeit" widmen solle.


Literat des Armenier-Genozids
Neben dem religiös geprägten Werk trat Werfel auch als politisch motivierter Autor hervor. Sein Roman "Die vierzig Tage des Musa Dagh" (1933) behandelt den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs und gilt bis heute als frühes literarisches Zeugnis kollektiver Gewalt im 20. Jahrhundert sowie als eines der wichtigsten literarischen Zeugnisse zur Armenierfrage.
In seinen Romanen, Gedichten, Theaterstücken und Essays setzte sich Werfel immer wieder auch für jüdische Belange ein und thematisierte dabei Fragen von Identität, Glaube und Moral im Angesicht von Krieg und Verfolgung. Seine außerordentliche Fähigkeit, historische und spirituelle Themen literarisch zu verbinden, machte ihn bis heute zu einem Vermittler zwischen Kulturen und Religionen.
Franz Werfel starb fünf Jahre nach seiner Flucht an einem Herzinfarkt. 1975 wurde sein Leichnam nach Wien überführt und auf dem Wiener Zentralfriedhof in einem Ehrengrab beigesetzt. Armenische Exilgemeinden hatten die Überführung organisiert. Seit 2003 wird zu seinem Gedenken der Franz-Werfel-Menschenrechtspreis verliehen.

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