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Vatikan warnt bei UN-Konferenz vor Gewalt gegen Christen

9. März 2026 in Schweiz, 1 Lesermeinung
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Erzbischof Balestrero in Genf bei Menschenrechtsrat: Jeder siebte Christ betroffen - Religionsfreiheit oftmals "eher Privileg statt Menschenrecht".


Genf (kath.net/ KAP) 
Auf das weltweite Ausmaß der Gewalt und Diskriminierung gegen Christen hat der Vatikan hingewiesen. Erzbischof Ettore Balestrero, ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, erinnerte am Mittwoch bei einer Konferenz des UN-Menschenrechtsrates in Genf daran, dass fast 400 Millionen Christen weltweit Verfolgung oder Gewalt erleben - das entspreche jedem siebten Christen. Fast 5.000 Menschen wurden 2025 allein wegen ihres Glaubens getötet, im Schnitt 13 pro Tag. "Diese Zahlen zeigen, dass Religionsfreiheit in vielen Kontexten eher als Privileg denn als fundamentales Menschenrecht betrachtet wird", warnte Balestrero. Die Getöteten seien "Zeugen ihres Glaubens", Märtyrer im ursprünglichen Sinne, deren Werte die Logik von Macht infrage stellten.
Balestrero betonte, dass Staaten verpflichtet seien, die Religionsfreiheit zu respektieren, zu schützen und zu fördern. Dazu gehöre auch, Gläubige vor Angriffen zu schützen, bevor, während und nach einer Attacke. Er warnte vor "höflicher Verfolgung" in Europa, etwa schleichender Ausgrenzung, rechtlichen Beschränkungen oder Diskriminierung im Bildungs- und Berufsleben. Zahlreiche Fälle seien auch aus Europa dokumentiert, darunter Strafverfahren gegen Menschen, die Bibelverse zitierten, oder gegen Eltern und Lehrer, die Kinder im Glauben unterrichten wollten. "Es sind ernste Menschenrechtsverletzungen, verübt von Behörden, die eigentlich den Schutz garantieren müssten. Dieser Widerspruch muss ein Ende haben", mahnte Balestrero.


Der Apostolische Nuntius erinnerte zudem an konkrete Bedrohungen durch Gesetzesinitiativen, wie etwa in Frankreich, wo christliche Krankenhäuser und Pflegeheime bei Einführung eines neuen Rechts auf Euthanasie gezwungen würden, Praktiken anzuwenden, die gegen ihre religiösen Grundsätze verstoßen. Die Weigerung könnte Geldstrafen, Gefängnis oder den Entzug öffentlicher Förderungen nach sich ziehen. "Viele Brüder und Schwestern tragen heute dasselbe Kreuz wie unser Herr, weil sie in schwierigen und feindseligen Kontexten Zeugnis für ihren Glauben ablegen", zitierte Balestrero Papst Leo XIV.
Der Vatikan-Diplomat schloss mit einer symbolischen Botschaft: Die Kreuzesform stehe für die menschliche Öffnung zur Transzendenz (vertikale Linie) und die Bindung untereinander (horizontale Linie). Angriffe auf Christen bedeuteten Angriffe auf beide Dimensionen: Die Beziehung zu Gott werde unterdrückt, die ethischen und sozialen Bindungen der Gemeinschaften zerfallen. "Ohne Religionsfreiheit, Gedankenfreiheit und Respekt für andere gibt es keinen Frieden", so Balestrero unter Berufung auf Papst Franziskus.

Bei der anschließenden Debatte bestätigten Experten, dass auch in Europa die Diskriminierung von Christen zunimmt, von Verboten öffentlicher Gebete bis zu rechtlichen Einschränkungen der kirchlichen Autonomie.
Die UN-Sonderberichterstatterin für Religionsfreiheit, Nazila Ghanea, unterstrich: "Christen stehen nicht allein und sollten nicht alleine gelassen werden." Angriffe gegen sie sollen als Angriffe auf die Menschenrechte verstanden werden. Opfern religiöser Verfolgung werde oft vielfache und sich überschneidende Gewalt angetan.
Auf Entwicklungen in Europa machte Anja Tang, Direktorin der in Wien beheimateten Beobachtungsstelle für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa (OIDAC) aufmerksam. Antichristliche Vorfälle sowie rechtliche Einschränkungen der Religionsfreiheit nähmen zu, sagte sie. Tang verwies unter anderem auf den Mord an dem assyrischen Christen Aushur Sarnaya in Frankreich im Jahr 2024, der während eines Livestreams seines Glaubenszeugnisses getötet wurde. Zudem gebe es in mehreren europäischen Ländern Strafverfahren gegen Christen wegen Äußerungen zu religiösen oder moralischen Fragen. "Mehrere europäische Regierungen haben Einzelpersonen durch Strafverfahren ins Visier genommen, weil sie friedlich ihre religiösen Überzeugungen geäußert haben", erklärte Tang.

Neben der Analyse der Lage ging es auch um konkrete Hilfsmaßnahmen. Marie-Thérèse Pictet-Althann hob die humanitäre Arbeit des Souveränen Malteserordens hervor, der weltweit verfolgte christliche Gemeinschaften durch Krankenhäuser, Schulen und Hilfsprogramme unterstützt. Márk Aurél Érszegi stellte zudem das ungarische Regierungsprogramm "Hungary Helps" vor, das Hilfe direkt über Kirchen und lokale Partner an betroffene Gemeinden leitet.
Moderiert wurde die Veranstaltung von der ungarischen UN-Botschafterin Zsófia Havasi. Sie betonte zum Abschluss, der Einsatz für verfolgte Christen bedeute keine Bevorzugung einer bestimmten Gruppe, sondern stärke den universellen Schutz der Religionsfreiheit. Der Schutz dieses Grundrechts, so Havasi, sei eine Voraussetzung für friedliches Zusammenleben in pluralistischen Gesellschaften.

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Foto: Kinderfoto von einem eingestürzten Wohnhaus in Aleppo, Archiv (C) Kirche in Not


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