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Bischof Erik Varden: „Ein Christ kann niemals resignieren“

1. Mai 2026 in Spirituelles, 3 Lesermeinungen
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„Ein Christ ist ein Mensch, der sich der Realität einer Welt verpflichtet fühlt, die der Herr gegenwärtig rettet. Wir haben unsere Rolle in diesem großen, zugleich göttlichen und menschlichen Werk auszufüllen.“


Trondheim (kath.net/pl) Psalm 90 „war einfach der erste Gedanke, der mir in den Sinn kam, als ich den Anruf des Staatssekretariats erhielt – eine absolute Überraschung –, in dem ich eingeladen wurde, die Exerzitien zu leiten.“ Das schildert Bischof Erik Varden im Interview mit der italienischen katholischen Zeitschrift „Famiglia Cristiana“. Varden ist der Prälat von Trondheim, der Apostolische Administrator von Tromsø und auch der aktuelle Präsident der Skandinavischen Bischofskonferenz. Der Trappistenmönch, ein Konvertit aus dem lutherisch geprägten Christentum, ist ein gesuchter geistlicher Lehrer, Autor vieler spiritueller Bücher und leitet die diesjährigen Fastenexerzitien des Papstes und der Kurie auf persönliche Einladung von Papst Leo XIV. Das Interview geht um die Herausgabe der weltweit beachteten vatikanischen Fastenexerzitientexte in einem Buch.

„Psalm 90 ist ein strukturelles Element der Fastenliturgie“, erläutert Varden. „Ich kenne und schätze die Auslegung dieses Textes durch den heiligen Bernhard. Daher lag es nahe, ihn zu verwenden.“ Auf eine entsprechende Nachfrage der Interviewerin Annachiara Valle weist er darauf hin, dass „ein Christ … niemals resignieren“ könne. Denn ein Christ sei „ein Mensch, der sich der Realität einer Welt verpflichtet fühlt, die der Herr gegenwärtig rettet. Wir haben unsere Rolle in diesem großen, zugleich göttlichen und menschlichen Werk auszufüllen. Es ist wichtig zu betonen, dass in der lateinischen Fassung, die der heilige Bernhard verwendete und auf der meine Auslegung basiert, nicht ‚Zuflucht‘, sondern ‚Hilfe‘ steht. Der Psalm spricht davon, ‚in der Hilfe des Höchsten zu leben‘, Qui habitat in adiutorio Altissimi. Er legt nahe, dass wir Gottes Hilfe zu unserem Lebensraum machen können und dass wir so lernen, auf eine dezidiert christliche Weise in dieser Welt zu leben.“


Der norwegische Trappistenmönch betont angesichts aktueller Kriege, dass man sich „vor allzu allgemeinen und banalen Ratschlägen hüten“ müsse“. Vielmehr müsse man sich „der enormen Herausforderung stellen, in Situationen der Verwüstung und des Krieges Zeugnis vom Evangelium abzulegen. Deshalb betone ich in meinem Buch das Thema Frieden. Der heilige Paulus sagt uns, dass Christus unser Friede ist. Wir sind berufen, Träger dieses Friedens zu sein. Soweit es uns möglich ist, müssen wir, selbst unter gewalttätigen Umständen, der Versuchung widerstehen, Bitterkeit, Gewalt, Aggression und Hass zu verfallen, und offen bleiben für die Möglichkeit der Versöhnung, für die Wandlung von Konfliktsituationen. Durch unsere Gegenwart, durch Christi Gegenwart in uns, insofern wir seinen Frieden in uns tragen, können wir selbst unter schwierigsten Bedingungen Werkzeuge seines Wirkens sein.“

Er warnt vor „Instrumentalisierung des Vokabulars und der Symbole des Glaubens“, dies stelle „eine große Herausforderung für die Christen von heute“ dar und beinhalte als größtes Risiko den „Götzendienst. Indem wir uns einen Gott nach unseren Vorstellungen konstruieren, missbrauchen wir die Terminologie des Glaubens, um einen kleinen Gott zu erschaffen, einen Schutzgott, einen Stammesgott, der uns und unsere Interessen beschützt. Die biblische Offenbarung widerspricht dieser Tendenz und will uns verdeutlichen, dass Gott der Gott aller ist, ein unvorstellbar großer Gott, der sich nicht in unsere Kategorien einordnen lässt. Alle Kämpfe gegen Götzendienst im Alten und Neuen Testament richten sich gegen die Tendenz, Gott auf den bloßen Schutzpatron unserer Ideen zu reduzieren.“

Gefragt nach dem Begriff der „Freiheit“ erläutert Bischof Varden: „Wie die Evangelien sie uns darlegen, entfaltet sich Freiheit stets im Hinblick auf die Gemeinschaft. Freiheit bedeutet nicht, sich von Verpflichtungen zu lösen. Frei zu sein bedeutet nicht, sich abzukapseln. Aus christlicher Sicht bedeutet Freiheit, ein dauerhaftes ‚Ja‘ zu sprechen, das die Übernahme einer Aufgabe, einer Verantwortung für das Gemeinwohl und das Wohl anderer einschließt.“ Dies könne man an junge Menschen vor allem durch das vorgelebte Beispiel weitergeben. „Mir scheint, junge Menschen sind der Rhetorik und der vielen Worte überdrüssig. Sie sind jedoch beeindruckt vom Beispiel eines treuen Lebens, von Menschen, die einem Ideal, einer Beziehung, einer Verantwortung treu bleiben – von einem Paar, das zusammenbleibt, von einem Priester, der seine Weihe kompromisslos und mit Großzügigkeit lebt. Sie sind beeindruckt vom Beispiel von Ordensleuten, die zu ihrem Versprechen stehen, zu dem ein für alle Mal ausgesprochenen ‚Ja‘.“ Denn junge Menschen seien sich „der Größe und Würde bewusst, die einem lebenslangen ‚Ja‘ innewohnen. In unserer heutigen, von Instabilität und Ängsten geprägten Zeit suchen sie nach festen Orientierungspunkten. Junge Menschen fragen: ‚Worauf kann ich mein Leben aufbauen? Welche Werte haben Bestand?‘ Gibt es ein Fundament, das meine Hoffnungen und Sehnsüchte tragen kann? Wenn wir als Einzelne und als Gemeinschaften in der Kirche bezeugen, dass ein solches Fundament existiert, kann dies eine enorme Wirkung haben.“

Das Interview in voller Länge auf englisch auf dem Blog "Coram fratribus" des Bischofs: siehe Link.

Weitere kath.net-Beiträge über Bischof Erik Varden: Siehe Link.

Archivfoto: Papst Leo und Bischof Varden (c) Vatican Median

 


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