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| ![]() Wenn die Liebe das Gesetz des Kalküls durchbricht…vor 13 Stunden in Aktuelles, keine Lesermeinung Leo XIV.: Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg als Ruf, menschliches Kalkül an Gottes Barmherzigkeit auszurichten. Gottes andere Gedanken und die Überwindung von Rivalität. Von Armin Schwibach Rom (kath.net/as) Beim sonntäglichen Gebet des Angelus am Fünfundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis richtete Papst Leo XIV. den Blick auf die Worte des Propheten Jesaja (vgl. Jes 55,8) und das Gleichnis Jesu von den Arbeitern im Weinberg. Die Liturgie gebe durch den Propheten einen Grund zur Hoffnung, indem sie daran erinnere, dass Gottes Gedanken nicht die Gedanken des Menschen und seine Wege nicht dessen Wege seien: „Ja, Gottes Pläne sind unendlich viel größer und, sagen wir ruhig, ‚menschlicher‘ als das, was wir von der Sünde gezeichnete Männer und Frauen begreifen und realisieren können“. Daraus ergebe sich zugleich der mehr denn je aktuelle Aufruf des Propheten, die eigenen verkehrten Wege zu verlassen und zu dem Herrn umzukehren, der Barmherzigkeit und Vergebung schenke. Leo XIV. verband diese Botschaft mit dem Sonntagsevangelium. Die Gleichnisse Jesu beschrieben das Neue, das Gott für den Menschen bereithalte, machten aber zugleich sichtbar, wie schwer es dem Menschen fallen könne, eine größere Liebe und eine großzügigere Gerechtigkeit anzunehmen. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1–16) erzähle von Männern, die zu unterschiedlichen Zeiten zur Arbeit gerufen würden: einige für den ganzen Tag, andere erst nach mehreren Stunden und wieder andere erst kurz vor Sonnenuntergang. Den entscheidenden Punkt des Gleichnisses sah der Papst jedoch nicht allein in den unterschiedlichen Arbeitszeiten, sondern in der Stunde der Entlohnung. Der Gutsherr halte gegenüber den Arbeitern der ersten Stunde sein Wort und bezahle sie wie vereinbart. Zugleich wolle er, dass sie seine Güte erkannten, indem er die zuletzt Gekommenen vor ihren Augen ebenso behandle wie sie. Leo XIV. lenkte dabei die Aufmerksamkeit auf ein Detail der Erzählung, das für das Verständnis des Gleichnisses entscheidend sei. Der Gutsherr habe dem Verwalter eine genaue Reihenfolge vorgegeben: Die Arbeiter sollten „angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten“ bezahlt werden. Die negative Reaktion derjenigen, die den ganzen Tag gearbeitet hatten, hätte dadurch vermieden werden können, wenn die Auszahlung in anderer Reihenfolge erfolgt wäre. Doch gerade diese Ordnung sei beabsichtigt gewesen. Die Offenbarung der Güte Gottes richte sich an alle und nicht nur an einige. Darin liege eine Anfrage an jene, die sich selbst zu den Ersten zählten. Gott habe „andere Wege und neue Gedanken auch für jene, die sich für die Ersten halten und glauben, sie hätten das, was sie sind, verdient und das erreichte Ergebnis stünde ihnen zu“. Damit stellte Leo XIV. die Logik des menschlichen Anspruchs der Logik der göttlichen Gabe gegenüber. Der Mensch könne dazu neigen, seine Stellung und sein Erreichtes als Verdienst zu betrachten, während das Gleichnis auf eine Wirklichkeit verweise, die über das bloße Kalkül von Leistung und Gegenleistung hinausgehe. Der Papst führte diesen Gedanken auf das konkrete Zusammenleben der Menschen weiter. Alle könnten „an Freude, Verständnis und Zukunft“ gewinnen, wenn „das Gesetz der Liebe das Gesetz des Kalküls aufbricht“. Ebenso weite die Erfahrung des Erbarmens jene des Verdienens, während „das Geschenk des Friedens Rivalitäten aufhebt und uns in Dankbarkeit einander näherbringt“. Die Liebe verändere damit den Maßstab, nach dem Menschen einander und die ihnen zugewiesenen Gaben betrachteten. Die Botschaft des Gleichnisses richtete sich zugleich an die Gemeinschaft der Gläubigen: „Es ist eine Gnade, Mitarbeiter Gottes zu sein, in seinem Weinberg zu arbeiten, seinem Reich der Gerechtigkeit und des Friedens zu dienen!“. Die Mitarbeit im Weinberg Gottes erscheine dabei nicht als Grundlage eines Anspruchs gegenüber Gott oder anderen Menschen, sondern als Gabe und Berufung. Wo das Neue hereinbreche, das Gott bereithalte, könne daher kein Raum für Neid und Spaltung sein. Von hier aus griff der Papst erneut die Worte des Propheten Jesaja auf. Die Menschen sollten „den Herrn suchen, solange er sich finden lässt“ und ihn „anrufen, solange er nahe ist“. Zugleich sollten sie ihre verkehrten Wege und ungerechten Gedanken verlassen. Die Umkehr bestehe damit nicht nur in einer äußeren Veränderung des Handelns, sondern ebenso in einer Korrektur jener Gedanken, mit denen der Mensch Gottes Handeln nach eigenen Maßstäben beurteilen wolle. Die Verheißung des Propheten, dass Gottes Gedanken und Wege die menschlichen überstiegen, wurde damit zum Schlüssel für die Deutung des Gleichnisses. Gottes Gerechtigkeit erschöpfe sich nicht in einer Berechnung dessen, was jedem aufgrund seiner Leistung zustehe. Sie sei mit seiner Barmherzigkeit verbunden und eröffne eine Ordnung, in der die Gabe nicht durch Rivalität, Vergleich und Anspruch begrenzt werde. Zum Abschluss wandte sich Leo XIV. an die Gottesmutter. Maria „ist ein Geschöpf wie wir, aber ohne Makel“. Gerade deshalb helfe sie den Menschen, auf Gott zu hoffen und sich seiner Barmherzigkeit anzuvertrauen. Der Papst verband damit die Bitte, dass Gottes Wege zu den Wegen der Menschen und seine Gedanken zu deren Gedanken würden. Foto (c) Vatican Media
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