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Die große Täuschung

6. Februar 2026 in Kommentar, 17 Lesermeinungen
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Der Synodale Weg als Machtapparat im kirchlichen Verwaltungskostüm - BeneDicta am Freitag von Dorothea Schmidt


Regensburg (kath.net)

Die letzte Synodalversammlung ist vorbei. Doch aufatmen kann man nicht. Der deutsche Synodale Weg hat in weiten Teile der katholischen Kirche in Deutschland eine neue Ethik und Anthropologie sowie ein neues Kirchenverständnis implementiert und stark polarisiert. Hinzu kommt der systematische Druck auf die Bischöfe, die faktisch gezwungen werden, ihren Bischofsstab an Laiengremien abzutreten und von ihnen kontrollieren zu lassen, ob sie ja auch alle Beschlüsse des Synodalen Wegs umsetzen —auch wenn diese keinerlei Rechtskraft besitzen.  

Was dies bedeutet, ist nun auch Bischöfen aufgegangen, die sich zuvor lautstark für ein Monitoring stark gemacht haben. Sie erkennen, dass sie — frei nach dem Zauberlehrling  — die Geister nimmer loswerden, die sie gerufen haben. Jene „Macht der Bischöfe“, die man jahrelang anprangerte, wurde umverteilt. Das Ziel ist erkennbar: neue Leitungsstrukturen fernab der kirchlichen Hierarchie und gegen den erklärten Willen Roms zu etablieren.

Wie weit dieser Anspruch reicht, zeigte sich erst kürzlich wieder: Eine lange Liste von Forderungen, die die Bistümer noch durch- und umsetzen müssen, wurde während der Synodalversammlung förmlich verlesen – sachlich, nüchtern, wie ein Verwaltungsauftrag. Zu diesen Forderungen zählen unter anderem eine Musterordnung zur Beteiligung der Gläubigen bei Bischofsernennungen, die Aufhebung der verpflichtenden Ehelosigkeit für Priester, die Streichung von Passagen im Katechismus zur Bewertung homosexueller Handlungen als Hauptsünde, der Zugang aller Homosexueller zum Weiheamt, eine Revision des „Nihil obstat", eine Partikularnorm zur Laienpredigt usw.

Die katholische Kirche in Deutschland hat eine Parallelordnung etabliert, die sich nun im Gewand von Verwaltungshandeln tarnt. Immer noch zu behaupten, es gäbe keinen Bruch mit dem Lehrkonsens der letzten 2000 Jahre, ist fast schon unredlich. Der Synodale Weg beugt sich nicht dem Lehramt, er baut es um. Und meint, die Weltkirche würde schon noch nachkommen. Wie sagte die Synodale Birgit Mock noch: „Hat man verstanden, dass die Praxis der Lehre vorausgehen kann – oder haben wir das nicht?“


Und doch muss man dem Synodalen Weg eines lassen: Er war und ist gut inszeniert. Kaum ein kirchliches Projekt der letzten Jahrzehnte hat es so virtuos verstanden, politische Machtbildung als geistlichen Prozess zu tarnen. Doch Lügen haben bekanntlich kurze Beine: Inzwischen liegt das Drehbuch offen auf dem Tisch. Wer noch von „Hören auf den Geist“ spricht, will entweder nicht sehen – oder soll nicht sehen.

Bereits mit den Beschlüssen der Synodalversammlungen und spätestens mit Einrichtung des Synodalen Ausschusses wurde deutlich, wohin die Reise geht. Römische Einwände wurde zur Randnotiz erklärt. Hier wird durchregiert. Aber die Damen und Herren Synodalen sollten sich auch nicht siegessicher glauben: Selbst wenn eine gerade noch kirchenrechtlich eingehegte Satzung von deutschen Bischöfen und Rom akzeptiert würde: Papst Leo XIV. hat den Prozess längst im Blick und wird alles daransetzen, zu verhindern, was noch zu verhindern ist.

Umgekehrt sollte man sich auch nicht der Illusion hingeben, der Weg sei damit eingespurt. Es ist davon auszugehen, dass er genauso doppelspurig verlaufen wird bis bisher: In Rom verspricht man Glaubensgehorsam, Loyalität und Gesprächsbereitschaft. In Deutschland schafft man unterm Radar eine neue Kirche und behauptet öffentlich, der Prozess sei „unumkehrbar“. Das ist falsch, denn Umkehr ist immer möglich, man muss nur wollen. Man will aber nicht. Doch eines muss klar sein: Ohne Rückbindung an Tradition, Schrift und Offenbarung bleibt Reform doch nur Selbstsäkularisierung. Und im deutsch Fall auch Selbstpolitisierung.

Söding sagte auf der letzten Synodalversammlung in Stuttgart offen, die geplante Synodalkonferenz sei in ihrer Struktur mit der UNO vergleichbar. Wer das sagt, weiß, was er tut. Die UNO ist kein Ort der Wahrheitssuche, sondern ein Ort der Interessenbalance. Dort entscheiden Mehrheiten, nicht die Wahrheit. Wieder etwas, wovor Papst Franzskus unermüdlich gewarnt hat.

Bezeichnend ist, dass dieser Vergleich nun so offen ausgesprochen worden ist, wo die synodalen Protagonisten sich sonst immer gegen jeden politischen Vergleich gewehrt hatten: Nach Jahren der Beschwichtigung  war der UNO-Vergleich vermutlich nicht einmal nur ein unfreiwilliger Ausrutscher, sondern den Moment, in die Masken fallen. Zu sicher scheint man sich inzwischen des eigenen Sieges. Noch entlarvender war ein weiterer Satz Södings: Die Zusammensetzung des Gremiums werde sich „immer wieder fortschreiben“. Gleichzeitig sprach Söding von Legislaturperioden. Legislaturperioden ohne Wahl sind in der Politik ein Skandal. In der Kirche sind sie ein Fremdkörper. Die Kirche kennt Sendung, Weihe, Beauftragung – aber keine selbstreferenziellen Machtzirkel.

Was hier entsteht, ist ein geschlossenes System, ein sorgfältig selektierter Kreis von Mitgliedern, von denen man sicher weiß, dass sie den deutschen Kurs fortsetzen werden und bereit sind, Rom abzuhängen. Wer einmal drin ist, bleibt Teil der Struktur. Kontrolle? Fehlanzeige. Rechenschaft? Allenfalls gegenüber Laiengremien, nicht gegenüber dem Lehramt. Geistliche Autorität? Ersetzt durch Geschäftsordnungen. Willkommen in der deutschen Parallel-„Kirche“.

Der heilige Ignatius von Antiochien schrieb im 2. Jahrhundert: „Wo der Bischof erscheint, dort sei die Gemeinde; so wie dort, wo Christus Jesus ist, die katholische Kirche ist.“ Der Synodale Weg hat daraus gemacht: Wo das Gremium ist, da ist die Deutungshoheit.

Das ist keine Synodalität, das ist administrative Erschöpfungstaktik. Es drängt sich der Eindruck auf, als wollten die Protagonisten Rom so lange mit diesem verhängnisvollen Manöver beschäftigen, bis es müde wird und resigniert verwaltet, was in Deutschland längst entschieden ist. Doch das wird Leo nicht zulassen. Schon sein Vorgänger schrieb 2019 in seinem Brief an die Kirche in Deutschland: „Jeder synodale Weg, der sich nicht vom Evangelium her nährt, ist zum Scheitern verurteilt.“

Zwar wollten und wollen die deutsch-Synodalen das überhören. Doch Fakt bleibt Fakt: Der deutsche Weg nährt sich von Machtlogik, nicht vom Evangelium. Immer wieder wird die Rede Missbrauchsskandal und ein falsch verstandener sensus fidei  in diese Pläne eingefädelt — eine perfide, aber wirksame Taktik, mit der die Deutsch-Synodalen ihr Projekt gegen inhaltliche Kritik abschirmen und es moralisch unangreifbar erscheinen lassen wollen.

Johannes Paul II. formulierte in „Novo Millennio Ineunte (2001), Nr. 43“: „Es wäre falsch zu glauben, dass Programme, Strukturen oder organisatorische Reformen ausreichen, um die Kirche zu erneuern.“ Der Synodale Weg ist kein geistlicher Aufbruch. Er ist ein politischer Machtapparat mit sakraler Rhetorik, die eingesetzt wird, um sich der kirchlichen Kontrolle zu entziehen. Man spricht von Synodalität, um Autorität zu relativieren; von Reform, um Bruch zu kaschieren und von Dialog, um Entscheidungen zu zementieren. Wie treffend sind die Worte des heiligen Paulus: „Denn es wird eine Zeit kommen, da man die gesunde Lehre nicht erträgt.“ (2 Tim 4,3) Und wo die Wahrheit liegt und wo Täiuschung, erkennt man spätestens an den Früchten.


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