Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Leere Hörsäle: Dramatischer Einbruch bei katholischen Theologie-Studenten
  2. THESE: Korrekturen vom 2. Vatikanum sind unerlässlich
  3. Piusbrüder und Vatikan suchen Weg zur Einheit
  4. „Treue oder Einheit? Wie wird Leo XIV. mit den Lehr- und Disziplinarproblemen der Kirche umgehen?“
  5. Der deutsch-synodale Weg als reines Herrschaftsinstrument!
  6. Erzbistum Paderborn: Hunderte Protest-E-Mails gegen ‚Harry Potter Gottesdienst‘
  7. Der Tod der Theologie in Deutschland
  8. Deutsches Formular für Geburtenanzeige: Welches Geschlecht hat die Mutter?
  9. Traditionsbruch: New Yorks Bürgermeister Mamdani nicht bei Installation von Erzbischof Hicks
  10. Warum Hausfrauen leicht heilig werden können
  11. 'Selig sind, die Schwangerschaften beenden' - US-Pastorin sorgt für Eklat
  12. Mein Held des Monats: Marco Rubio – Ein Weckruf für das Abendland
  13. Papst Leo XIV. ernennt Lebensschützer zum neuen Erzbischof von Denver
  14. 10 Jahre Haft für eine biologische Wahrheit in Brasilien!
  15. Vatikan-Segen fürs Börsen-Depot - Warum Sie Meta, Amazon, Tesla oder Apple kaufen dürfen

Mexiko: Historiker fordern mehr Bewusstsein für Cristero-Krieg

vor 5 Tagen in Chronik, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Fachkonferenzen in Merida und Mexiko-Stadt beleuchten verdrängten Krieg zwischen Regierung und Kirche vor 100 Jahren, der Hunderttausenden das Leben kostete


Mexiko-Stadt (kath.net/KAP) Ein bisher kaum behandeltes Kapitel der Geschichte Mexikos und auch der katholischen Kirche wird 100 Jahre später aus der Tabuzone geholt: Der Cristero-Krieg der Jahre 1926 bis 1929, in dessen erbitterten Kämpfen zwischen Truppen der mexikanischen Regierung und katholischen Laien, die sich gegen die Repression mit Waffengewalt wehrten, an die 200.000 Menschen ums Leben kamen. Eine Expertenkonferenz an der Autonomen Nationaluniversität von Mexiko-Stadt (UNAM) sowie eine Vortragsreihe in der Stadt Merida mit dem Geschichtsphilosophen Javier Olivera Ravasi waren vergangene Woche um historische Aufklärung bemüht.

Anlass des Krieges waren die 1926 von Präsident Plutarco Elías Calles erlassenen antikirchlichen Gesetze ("Ley Calles"), die öffentliche Religionsausübung massiv einschränkten und die katholische Kirche unter staatliche Kontrolle stellten. Gottesdienste, religiöser Unterricht und kirchliche Organisationen wurden verboten oder streng reguliert, Priester verfolgt und kirchliches Eigentum entzogen. Nach der Aussetzung öffentlicher Messen durch die Bischöfe und zunehmender staatlicher Repression radikalisierte sich der Konflikt. Für große Teile der katholischen Bevölkerung bedeuteten die Maßnahmen einen existenziellen Eingriff in ihre Grundrechte, ihren Glauben und ihre Identität.


Der offene Krieg dauerte bis 1929 und wurde vor allem von Laien, Bauern und Dorfgemeinschaften getragen, die als "Cristeros" bewaffnet gegen den Staat kämpften und sich mit dem Ruf "¡Viva Cristo Rey!" identifizierten. Ihnen stand die mexikanische Regierung mit regulären Streitkräften gegenüber, die militärisch überlegen war und mit harter Gewalt reagierte. Seitens der Kirche war die Reaktion uneins, wie Ravasi bei der Konferenz in Merida darlegte: Viele Bischöfe hätten aus Vorsicht oder Loyalität gegenüber Rom die offene Unterstützung des Widerstands vermieden, wiewohl sich viele Priester anschlossen und in Folge zumeist selbst den Tod fanden.

Gefährliches Schweigen

Es sei wichtig, Bewusstsein für die Cristero-Kriege zu schaffen, sagte Olivera, allen voran in Mexiko selbst: Um alte Wunden nicht neu zu öffnen, sei über die Geschehnisse fünf Jahrzehnte lang ein Mantel des Schweigens gebreitet worden, "von der Regierung ebenso wie von der Kirche, da beide vereinbarten, das Thema nicht mehr zu behandeln". Auch in der Nachwirkung dieses Krieges, bei dem die katholische Laienbewegung den katholischen Glauben ohne Kalkül, sondern vorrangig aus religiösen Motiven ihr Land verteidigte, sei das Schweigen zum zentralen Element geworden. Olivera sprach von einem erheblichen "historischen und moralischen Schaden", der dadurch entstanden sei.

Ausgeblendet werde von der bisherigen Geschichtsschreibung auch, dass sich der Cristero-Krieg nicht auf die drei Jahre seiner offiziellen Dauer - von 1926 bis 1929 - beschränkte. Entgegen der Vereinbarungen habe auch danach das Morden an ehemaligen "Cristeros" und die Repression an jenen, die ihren Glauben verteidigten, auch viele Jahre später noch nicht aufgehört, so Olivera. Die notwendige heutige Auseinandersetzung mit dem Cristero-Krieg sei auch für die Gewissensbildung heutiger Christen wichtig, betonte der argentinische Priester und Historiker, der zu dem Thema schon seit seiner Dissertation in den 1990er-Jahren forscht.

Ungeschehen habe die lange Nicht-Erwähnung die Ereignisse dennoch nicht gemacht, vielmehr habe sich "das Blut der Märtyrer dauerhaft in das religiöse Gedächtnis Mexikos eingeschrieben". Einige herausragende, im Krieg ermordete Persönlichkeiten seien in den jüngsten Jahrzehnten von der katholischen Kirche als Selige und Heilige anerkannt worden: Olivera erwähnte hier Anacleto G. Flores und seine Gefährten, die Priester Pedro Esqueda und Miguel Agustín Pro sowie schließlich als jüngsten der Runde den erst 14-jährigen José Sánchez del Río.

Diskussion über Recht auf Widerstand

Bei einer weiteren zweitägigen Konferenz an der UNAM in Mexiko-Stadt beleuchteten Experten aus neun Ländern unter anderem die historischen Hintergründe des Konflikts, das Recht auf Widerstand, die Rolle der beteiligten Frauen, das politische und religiöse Denken der "Cristeros" und die Haltung des Vatikans. Auch die weiteren Entwicklungen des politischen Katholizismus in Mexiko und Lateinamerika sowie der Wandel des US-amerikanischen Katholizismus wurden dabei diskutiert, organisiert von der Madrider Forschungsvereinigung Felipe II, der Internationalen Vereinigung Katholischer Juristen mit Sitz in Rom sowie Politologen der Föderation katholischer Universitäten. Ein Sammelband mit den Beiträgen soll im Laufe des Jahres erscheinen.

Copyright 2026 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
 (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten
Foto: Erschießung des Priesters Francisco Vera 1927, weil "er die Messe gelesen hat" (c) gemeinfrei - Vor der Hinrichtung betete er "Introibo ad altare Dei" [Ich will zum Altare Gottes treten], unmittelbar vor den Schüssen rief er aus: "¡Viva Cristo Rey!" [Es lebe Christus, der König].


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 Schillerlocke vor 5 Tagen 
 

Ein bedeutender Roman,

der vor dem Hintergrund dieses Krieges spielt, ist "The Power and the Glory" von Graham Greene.


1
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Christenverfolgung

  1. „Christen in Europa sehen sich zunehmend Hass und Diskriminierung ausgesetzt“
  2. Brutaler Polizeiangriff auf einen katholischen Priester in Sri Lanka: Kirche fordert Aufklärung
  3. Weltverfolgungsindex 2026: Die Christenverfolgung ist weltweit auf neuem Höchststand
  4. „Nicht nur Israels Kampf… es ist der Kampf unserer gemeinsamen jüdisch-christlichen Zivilisation“
  5. Plakolm: Christenverfolgung ernst nehmen statt relativieren
  6. USA bombardieren Islamisten nach Massaker an Christen in Nigeria
  7. Meldestelle Christenschutz: Christliche Flüchtlinge sind fassungslos über Skandal-Ausstellung

Mexiko

  1. 30 Priesterweihen in der mexikanischen Erzdiözese Guadalajara
  2. Mexikos Bischöfe verurteilen Massaker an pfarrlicher Jugendgruppe
  3. "Mein Kampf ist für das Leben. Mein Kampf ist für die Freiheit"
  4. Mexikos Bischöfe stellen Abtreibungs-Urteil infrage
  5. Mexikanische Feministin räumt ein: Zahl der Opfer illegaler Abtreibungen übertrieben
  6. Mexikanische Diözese: keine Kommunion an Pro-Abtreibungs-Politiker
  7. Mexiko: Oberster Gerichtshof bestätigt Abtreibungsverbot







Top-15

meist-gelesen

  1. Einmal im Leben nach ISLAND - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Oktober 2026 - Wunderbares SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Piusbrüder und Vatikan suchen Weg zur Einheit
  4. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  5. Leere Hörsäle: Dramatischer Einbruch bei katholischen Theologie-Studenten
  6. „Treue oder Einheit? Wie wird Leo XIV. mit den Lehr- und Disziplinarproblemen der Kirche umgehen?“
  7. Der deutsch-synodale Weg als reines Herrschaftsinstrument!
  8. Der Tod der Theologie in Deutschland
  9. THESE: Korrekturen vom 2. Vatikanum sind unerlässlich
  10. 'Selig sind, die Schwangerschaften beenden' - US-Pastorin sorgt für Eklat
  11. Traditionsbruch: New Yorks Bürgermeister Mamdani nicht bei Installation von Erzbischof Hicks
  12. Mein Held des Monats: Marco Rubio – Ein Weckruf für das Abendland
  13. Erzbistum Paderborn: Hunderte Protest-E-Mails gegen ‚Harry Potter Gottesdienst‘
  14. 'Ich bin der Liebe Gottes würdig, einfach weil ich existiere.'
  15. „In unendlicher Liebe durch das Leben geführt“

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz