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Neuer Trend in den USA: Abkehr von nüchternen Kircheninnenräumen

vor 3 Tagen in Kommentar, 4 Lesermeinungen
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In den USA gibt es Pfarreien, die den Kahlschlag beenden, der in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts (auch in Europa) durch die Kirchengebäude gezogen war – Dieser „Bildersturm“ hatte keinen Rückhalt im II. Vatikanum. Von Petra Lorleberg


Somerset (kath.net/pl) In den USA gibt es immer wieder katholische Pfarreien, die den Kahlschlag durch Bildersturm beenden, der in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts (auch in Europa) durch die Kirchengebäude gezogen war und der in keiner Weise durch die Vorgaben des II. Vatikanischen Konzils gerechtfertigt werden konnte. 

Jüngstes Beispiel ist die katholische Kirche St. Anne in Somerset (US-Bundesstaat Wisconsin). Die heutige Kirche wurde 1916 im neoromanischen Stil erbaut, es existiert leider keinerlei Fotomaterial aus der Zeit vor ihrer Umgestaltung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dennoch ermöglichte die Grundarchitektur des Innenraums auch nach dem Kahlschlag noch Rückschlüsse auf ihr ursprüngliches Aussehen zu, beschreibt das Shawn Tribe im von ihm herausgegebenen kanadisch-katholischen Online-Journal „Liturgical Art Journal“: „Es gab ursprünglich einen Hochaltar mit Altaraufsatz und Nischen zu beiden Seiten für Seitenaltäre – die typische Anordnung der damaligen Zeit. Diese wurden entfernt. Vermutlich gab es ursprünglich mehr Verzierungen, als wir hier sehen – dies ist jedoch reine Spekulation“ wegen des Fehlens von Fotomaterials.

Die Pfarrei beauftragte ein auf Restaurationen spezialisiertes Studio mit der Restauration der Kirche (siehe oben Fotos vorher/nachher). Shawn bemerkt dazu: „Eine deutliche Verbesserung, um es gelinde auszudrücken. Neben der Wiederherstellung von mehr Symmetrie und Ordnung im Altarraum, insbesondere durch den neuen Opferaltar, den Altar der Aufbewahrung und die Seitenaltäre/Schreine, trägt auch das Fresko in der Apsis, das Gottvater als den Uralten darstellt, zusammen mit den anderen Schablonenmalereien und Details, die die Architektur hervorheben und gleichzeitig Farbe und Ornamentik hinzufügen, zur Harmonie des Ganzen bei. Das Endergebnis ist ein weitaus schönerer und erhabenerer liturgischer Raum.“

Die Kirche St. Anne steht in einer größeren Reihe von Kirchen, die sich von übermäßiger Nüchternheit des Innenraums verabschieden. Shawn Tribe hat in seinem Journal zu diesem Thema längst eine eigene Kolumne eröffnet. Allgemeiner gefasst schildert er dazu in einem anderen Beitrag: „Das Problem ist fast immer dasselbe: Wie lässt sich eine Kirche verschönern, die nach den 1960er-Jahren erbaut oder renoviert wurde? Doch es gibt noch ein weiteres Problem: Was, wenn die eigene Gemeinde keine umfangreichen baulichen Eingriffe vornehmen kann, sei es aus finanziellen Gründen, aufgrund diözesaner Vorgaben oder aus anderen Gründen?“ Denn es sei „zwar mit unbegrenzten Mitteln oder ohne übermäßig strenge liturgische Richtlinien fast alles möglich, doch manchmal muss man bei solchen Projekten einen eher konservativen und pragmatischen Ansatz verfolgen. Im Fall der St. Philip's Church in Rolling Ground, Wisconsin, sehen wir eine Renovierung, die zwar keine umfassende Umgestaltung der Kirche mit sich bringt, aber dennoch deutliche Spuren hinterlässt.“


Shawn stellt die im vergangenen Jahr restaurierte St. Philip's Church in Rolling Ground (US-Bundesstaat Wisconsin) detaillierter vor. Auch von dieser Kirche existiert kein Fotomaterial über ihr früheres Aussehen. Die Grundarchitektur des Innenraums lässt allerdings einige Rückschlüsse zu. Wie auch anderswo wurden viele „Elemente wurden in der hektischen und wohl auch übereifrigen Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entfernt“. Dann schildert er den Innenraum nach der Renovierung: „Die wichtigsten hinzugefügten Elemente sind die farbliche Gestaltung und die Schablonenmalerei, insbesondere in und um die Apsis, die Hinzufügung zweier Seitenaltäre zu beiden Seiten der Apsis, die Installation einer Kommunionbank sowie eines neuen Holzaltars, von Sedilien und einer neuen Kanzel/eines neuen Lesepults. Dieses Projekt hat die Anklänge an die klassische Kirchenraumgestaltung wiederbelebt und die Kirche durch Harmonie und Symmetrie, Farbe und Ornamentik optisch neu belebt.

In einem weiteren Beitrag beleuchtet der Autor die Entwicklung der katholischen Herz-Jesu-Kirche in Phoenix (US-Bundesstaat Arizona). Diese Pfarrkirche war Mitte der 1980-er Jahre erbaut worden, die Kirchenbänke waren, entsprechend der liturgischen Mode jener Zeit, „fächerförmig und halbkreisförmig vom Altarraum aus angeordnet. Es ist unbestreitbar, dass die Umgestaltung eines solchen liturgisch-architektonischen Raumes eine Herausforderung darstellt.“ Der Umbau erbrachte eine Ausmalung der Kirche (neben dem Altarraum auch die Kirchendecke), der Bereich des Tabernakels wurde mit Blattgold hervorgehoben, darüber, so beschreibt Shawn, wurde ein „wunderschönes Wandgemälde von Christus dem König und Hohenpriester“ hinzugefügt, das übrigens mit seiner Darstellung des Herzens Jesu auch den Namen der Kirche aufgreift. Shawn bewertet diese Renovation positiv und schreibt, „dass diese verschiedenen Veränderungen, von den kleinen architektonischen Anpassungen bis hin zu den umfangreicheren dekorativen Malereien, diese Kirche als solche erheblich aufgewertet haben“.

Es gibt noch mehr Beispiele, so restauriert auch die in Greenwood (US-Bundesstaat Missouri) ansässige Kirchenrestaurations-Firma „Ecclesiastical Studios & Sons“ Kirchen mit viel Liebe zum „geheiligten Charakter, den sie verdienen“. Auf Facebook zeigen sie in einem noch nicht in Wirklichkeit umgesetzten Entwurf, wie eine Renovation einer mutmaßlichen 70er-Jahre Betonkirche aussehen könnte (siehe unten). Dabei mag beeindrucken, dass man auch einen solchen extrem schlichten (um es noch positiv zu formulieren) Kircheninnenraum so verwandeln kann, dass er eine mystagogische Kraft entfaltet. Auch wenn dieser Entwurf nur ein Gedankenspiel ist - so zeigt er doch die Kraft, die in solchen Renovationen stecken kann.

Mein Fazit: In den USA lassen sich noch mehr heutige Beispiele für diese Abkehr von den vielfachen Verschlimmverbesserungen liturgischer Räume, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts plötzlich modern geworden waren. Dieses neue Erwachen von Interesse an klassischeren Formen der Innenausgestaltung von Pfarrkirchen scheint sich, so ist mein erster – noch nicht stringent nachweisbarer – Eindruck, keineswegs nur in Pfarreien zu vollziehen, die ihre Liebe zur Liturgie im Ritus der außerordentlichen Forum entdeckt haben. Dies hat – sofern mein Eindruck tatsächlich stimmt – tatsächlich einen handfesten Grund: Auch dort, wo sich die Liebe zum Herrn in Seiner eucharistischen Gegenwart in der normalen Liturgieform wieder vertieft, wird der Wunsch nach einem warmen, ansprechenden Kircheninnenraum deutlicher und die Sehnsucht zur Hinführung in die Fülle des katholischen Glaubens markanter.

Das II. Vatikanische Konzil hat in all seinen Texten keinen Wunsch auf einen „katholischen Bildersturm“ geäußert. Nirgends wurde dazu aufgefordert, die Kirchen auszuräumen, nüchterner als bisher zu gestalten und bewährte kirchliche Kunst in Lagerräume oder gar auf den Müll zu entsorgen. 

Weiteres Fotomaterial und seine Interpretationen in folgenden „Liturgical Arts Journal“-Artikeln:

Foto oben: katholische Kirche St. Anne in Somerset vor und nach der Renovation (c) Liturgical Arts Journal


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Lesermeinungen

 Bilbo B. vor 2 Tagen 
 

Teure Schäbigkeit

Teile der „liturgischen Bewegung“, von der man heute - gerade wegen ihres Scheiterns! - wenig mehr hört, drifteten (angefangen von der geforderten angeblich schlichten liturgischen Gewandung bis zur kahlhässlichen Kirchenausstattung) in die teure Schäbigkeit ab. Manche Entwicklungen waren, wenn sie nicht zum Heulen wären, gegenüber Andersgläubigen geradezu zum peinlichen Fremdschämen. Gott ist in absoluter Fülle unendlich schön, dies soll sich auch in den Kirchenbauten widerspiegeln dürfen. Interessant ist doch, dass gerade dort, wo man für eine herrliche Kirchenausstattng was übrig hat, die Armen nicht zu kurz kommen.


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 Versusdeum vor 2 Tagen 
 

Wobei gerade diese Kirche

auch vorher auf den ersten Blick ein würdiger Raum war. Auf den zweiten fallen die Recht kahlen Nischen durch die fehlenden Seitenaltäre auf. Aber dennoch kein Vergleich mit den gräßlichen Sichtbetonkirchen mit Strichännchen aus schwarzem Metall hinter dem Volksaltar, mit denen bei uns die Gläubigen aus den Kirchen gejagt würden.


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 Christianlay vor 2 Tagen 
 

Kunst als Störgröße!

Paßt denn die nachkonziliare Kaprizierung des Gottesdienstes auf die Predigt, pädagogisch als lehrerzentrierter Frontalunterricht später abqualifiziert,als eine Verpädagosierung des Gottesdienstes zu einer Kircheninnenraumgestaltung, die die Hörer der Predigt nicht von ihrer Konzentration auf sie abhalten sollte, sodaß leere weiße Wände des Innenraumes das Optimale sind? Alles sinnlich Affizierende gilt dann nur noch als eine Störquelle für das Hören auf die Predigt.
Uwe Lay Pro Theol Blogspot


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 ChemMJW vor 2 Tagen 
 

Im Amerikanischen gibt es sogar einen Ausdruck, der die (vielleicht absichtlich) misslungene Renovation einer katholischen Pfarrkirche beschreibt: wreckovation
Das Wort ist eine Mischung aus dem englischen Wort "renovation" und dem Verb "to wreck".

Eine Wreckovation ist eine Renovation, die (heimlich oder öffentlich) darauf zielt, alles Katholische aus einer katholischen Kirche zu verdrängen, die katholische Identität der Kirche zuschanden zu machen, usw. Das Ziel war die Umwandlung eines sakralen Raumes in einen banalen Veranstaltungsraum. Die Früchte der 60. und 70. Jahre eben.


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