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„In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?23. Jänner 2026 in Deutschland, 51 Lesermeinungen Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Theologe Bernhard Meuser (Initiative Neuer Anfang), im Interview mit der italienischen Tageszeitung „Il Foglio“: „Die Kirche darf ihren Katechismus nicht vom deutschen ‚Synodalen Weg‘ umschreiben lassen.“
Rom (kath.net/pl) „In Deutschland haben wir eine lange Tradition, römische Bestimmungen und Einwände zu ignorieren, herunterzuspielen oder als Bestätigung der eigenen Linie zu interpretieren. Im Hintergrund tobt derzeit ein Kirchenkampf in unserem Land, von dem man in Italien vielleicht keine wirkliche Vorstellung hat.“ Darauf macht der bekannte Theologe, Autor und Initiator des „Youcat“-Projektes sowie der Initiative „Neuer Anfang“ in einem Interview mit Matteo Matsuzzi für die italienische Tageszeitung „Il Foglio“ aufmerksam. In diesem Kirchenkampf „prallen vordergründig zwei ekklesiologische Auffassungen aufeinander, die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil nie zusammengeführt wurden: Communio versus Concilium – eine apostolisch-sakramental-hierarchisch verfasste Kirche versus eine Kirche der Räte, die sich demokratisch von der Basis her immer wieder neu erfinden darf.“ Doch „nüchtern betrachtet geht es um die Macht und das Geld“, so Meuser, denn „die Strategen der Machtübernahme der Laien haben bereits die Mehrheit der deutschen Bischöfe auf ihre Seite gezogen; nun betteln sie in Rom noch um den päpstlichen Segen“, also „um irgendeine Kompromissformel, die sich triumphierend präsentieren lässt“. Die Menschen sollen Glauben, dass der Papst nun ebenfalls den deutschen ‚Synodalen Weg‘ befürworte“ Aber in Wirklichkeit gebe beim deutschen „Synodalen Weg“ keinerlei Überlegungen, „wieder in das Boot der universalen Kirche einzusteigen, die neu eingeführte Sexualethik zu widerrufen oder sich wieder am Lehramt der Kirche zu orientieren“.
Einer inhaltlichen Auseinandersetzung versuche der deutsche Synodale Weg auszuweichen, indem man „Recht von Wahrheit“ entkopple, schildert Meuser. Doch „entweder ist die deutsche Sexualethik … Gott wohlgefällig und rechtgläubig. Oder sie ist eine Häresie und ein Bruch mit dem gemeinsamen Glauben der Kirche. Entweder muss die Weltkirche von Deutschen ihren Katechismus umschreiben lassen, oder die deutschen Bischöfe müssen sich fügen. Tertium non datur.“ 
Hinsichtlich der Schisma-Gefahr führt Meuser gegenüber „Il Foglio“ in vier Punkten aus:
- „Das Untergraben des apostolischen Prinzips und die Dekonstruktion der bischöflichen Autorität“. „Auf dem deutsch-synodalen Reißbrett entsteht ein Bischof, der von den Laien überstimmt werden kann, erpressbar ist und dem es dann am besten geht, wenn er sich nur noch als Moderator und Vertreter des Willens des Gottesvolkes versteht. Dieses Gottesvolk wird dann vom ZdK (Zentralkomitee der deutschen Katholiken) konstituiert, einer Art Funktionärsvereinigung.“
- „Zweitens der radikale Gedanke der Autonomie in der theologischen Ethik, der die Entscheidungsfreiheit über jede Form der Unterweisung und des Gebots stellt, der damit die Offenbarung überflüssig macht, das Wort Gottes zerstört und die ‚Hingabe an Gott‘ aus dem spirituellen Repertoire streicht. Von Jesus bleibt nur noch die Ermutigung, man selbst zu sein.“
- Drittens „die Entsakralisierung und die Selbstsäkularisierung der Kirche, ihr Abschied von der Nachfolge Christi, ihre stille Verwandlung in eine bürokratisch geführte ‚Religionsverwaltung‘ (wie Martin Brüske es nannte). Dies zeigt sich im Ressentiment gegen den Priester.“
- Viertens „eine theologische Anthropologie, in der mehr als zwei Geschlechter existieren, Homosexualität eine ‚gute Gabe Gottes‘ ist, homosexuelle Handlungen und Masturbation niemals sündhaft sind, voreheliche sexuelle Experimente als nützlich und normal gelten, eheähnliche Partnerschaften wertgeschätzt werden und die sakramentale Ehe auch für Mann/Mann und Frau/Frau als Geschenk betrachtet werden soll. Liturgische Segnungen von Paaren, die vom Heiligen Stuhl verboten sind, finden [sogar] in Kathedralen statt. Eltern sollen die vollständige Umsetzung der LGBTQ-Agenda in katholischen Schulen miterleben.“
Es gebe zwar eine „breite Mitte“ von Katholiken in Deutschland. Man müsse sich dabei aber bewusst machen, „dass in Deutschland 800.000 Laienmitarbeiter von den Geldern der Kirche leben. Die meisten von ihnen sieht man nie bei Gottesdiensten. Diese kirchlichen Angestellten identifizieren sich größtenteils nicht mit der Kirche; sie sind lediglich eine Voraussetzung für ihre progressiven kirchlichen Träume. Dennoch verfügen sie mitunter über mehr kommunikative, strukturelle und administrative Macht als unsere Bischöfe.“
Die Kirche verliere aktuell „vier Gruppen: die Jungen, die zu Freikirchen abwandern; die Gläubigen, die Schönheit und Treue zum Glauben nur noch in der alten Messe sehen; wertebewusste Intellektuelle, die vom theologischen Niveau der Protagonisten abgestoßen sind; und die missionarischen Erneuerungsbewegungen, die systematisch an den Rand gedrängt werden.“
Meuser weist auch dezidiert auf die gezielte Lenkung der binnenkatholischen Nachrichten und Gesprächsmöglichkeiten hin. So werde beispielsweise die die Initiative Neuer Anfang, in der sich jene sammeln, die angeblich nicht existieren, von den offiziellen Medien der Kirche nicht aufgegriffen – Meuser nennt namentlich die Katholische Nachrichtenagentur KNA und den Internetauftritt „katholisch.de“. Weiter kritisiert der Theologe: „Dialoganfragen werden von den Bischofsbüros abgelehnt“ Und ein Bischof habe ihm dann persönlich geantwortet: „Ich entscheide, mit wem ich spreche und mit wem nicht.“
Matteo Matsuzzi fragt gegen Ende seines Interviews wörtlich: „Tatsächlich erlebt die deutsche Kirche eine schwere Krise mit vielen Austritten, einer sehr geringen Sakramentenpraxis und einer historischen Tiefstzahl an Priesterweihen. Was war Ihrer Meinung nach der Fehler? Und warum beharrt man trotzdem auf diesem Weg?“ Meuser wies in seiner Antwort darauf hin, dass „der ursprüngliche Fehler die Abkehr von der Katechese und dem Katechismus“. Er erinnerte daran, dass Katechese/Katechismus „in Deutschland ein abwertenden Begriff“ sei, „der mit infantilem Christentum gleichgesetzt“ werde. „Daher sollte es nicht überraschen, wenn 30 Prozent der deutschen Katholiken die Gottessohnschaft für ein Märchen halten. Und wenn sich Bischöfe durch Selbstverpflichtung an die Beschlüsse des Synodalen Weges binden, muss man sich fragen, wo sie ihre theologischen Kenntnisse erworben haben und wann sie zuletzt in ihren Amtseid geschaut haben.“
Matsuzzi fragte dann „nach dem wahren Ziel dieser Synodalkonferenz“. Meuser kommentierte dies knapp: „Das frage ich mich auch. Ich habe keine Antwort.“
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